Archiv für den Monat: November 2011

Stoiber bei Junger Union umjubelt

VON DETLEV HÜWEL

Mönchengladbach (RPO). Edmund Stoiber ließ die CDU-Jugend auf sich warten. Doch nachdem der Gastredner aus Bayern mit 20-minütiger Verspätung beim NRW-Treffen der Jungen Union (JU) in der Stadthalle in Mönchengladbach-Rheydt eingetroffen war, brachte er seine Zuhörer rasch in Fahrt. Seine gut anderthalbstündige, leidenschaftliche Rede mit einem klaren Bekenntnis zu Europa wurde immer wieder mit prasselndem Beifall bedacht.

Der 70-jährige Ehrenvorsitzende der CSU, der von 1993 bis 2007 bayerischer Ministerpräsident war, knöpfte sich – mit Blick auf die morgige Volksabstimmung in Baden-Württemberg über das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 – sogleich die „Wutbürger“ vor. Aus eigener Erfahrung in Bayern wisse er, dass es sich „zu einem großen Teil um Egoisten handelt, die nichts verändern, sondern ihre Ruhe haben wollen“. Eine solche Haltung, so schärfte Stoiber den gut 200 JU-Teilnehmern ein, dürfe „niemals die Mentalität Deutschlands werden“.

Stoiber, der eine EU-Arbeitsgruppe zur Entbürokratisierung leitet, rief in Erinnerung, dass er seinerzeit der einzige Ministerpräsident gewesen sei, der den Beitritt Griechenlands in die Euro-Gemeinschaft abgelehnt habe. Der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder, sein grüner Außenminister Joschka Fischer und Finanzminister Hans Eichel (SPD) hätten sich jedoch durchgesetzt. Es sei übrigens derselbe Eichel, der jetzt wegen einer höheren Pension klage.

„Wir brauchen Europa“

Doch der Blick müsse sich jetzt nach vorn richten. „Wir brauchen Europa“, betonte der Bayer. Für Unionspolitiker wie Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl sei Europa die logische Konsequenz aus zwei Weltkriegen und mit der Hoffnung auf dauerhaften Frieden verbunden gewesen. Heute jedoch, da der Frieden in Europa selbstverständlich geworden sei, bedürfe es zusätzlicher Argumente, um der Europamündigkeit der Menschen entgegenzuwirken.

Als Beispiele nannte Stoiber den Klimaschutz und die Herausforderungen der Globalisierung, die nur gemeinsam gemeistert werden könnten. Europa habe – nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung – weltweit an Bedeutung verloren. Nur gemeinsam würden sich seine Mitgliedsstaaten in einer Welt behaupten können, in der zunehmend asiatische Mächte wie China und Indien das (wirtschaftliche) Sagen bekämen.

Er selbst, so Stoiber, habe sich furchtbar darüber aufgeregt, als ihm ein ranghoher chinesischer Politiker vorgehalten habe, die westlichen Demokratien produzierten doch nur Schulden. „Aber“, so fuhr der CSU-Politiker fort,“ ein Fünkchen Wahrheit ist ja daran.“ Und damit war Stoiber bei dem Thema, das, wie er sagte, die Menschen derzeit am meisten berührt: Wie geht es mit dem Euro weiter. Sein Fazit: „Es gibt keine Alternative zu einem ausgeglichenen Haushalt.“

Kritik an Schuldenpolitik

Er vernehme zwar die guten Ratschläge der SPD-Politiker Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, doch beide hätten sie, als sie noch Regierungsverantwortung besaßen, die Schulden in die Höhe getrieben. Allerdings gelte dies auch für die Union, räumte Stoiber ein, um sofort daran zu erinnern, dass er als bayerischer Regierungschef binnen acht Jahren einen ausgeglichenen Haushalt habe präsentieren können. „Das war nicht leicht“, sagte er; vor der Staatskanzlei in München habe es damals massenhaft Demonstrationen gegeben.

Leider habe er bislang noch keine Demonstration gegen die verantwortungslose Schuldenpolitik erlebt, wobei Düsseldorf ein geeigneter Standort wäre. Auch im kommenden Jahr wolle NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) vier Milliarden Euro neue Schulden machen und meine, dies auch begründen zu könne. „Frau Kraft redet genauso daher wie Papandreou“, rief Stoiber zum Gaudi seiner Zuhörer.

Der Attacke gegen den zurückgetretenen griechischen Ministerpräsidenten folgte eine weitere gegen den ebenfalls zurückgetretenen italienischen Regierungschef Berlusconi. Es sei Wahnsinn, dass sich „dieser Bunga-Bunga-Ministerpräsident“ in einem kulturell so hoch entwickelten Land wie Italien derart lange habe halten können. Er verstehe sehr gut, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel es vermieden habe, sich mit ihm fotografieren zu lassen.

Lob für Angela Merkel

Überhaupt die Kanzlerin. Stoiber zollte ihr großes Lob für ihre Standhaftigkeit im europäischen Schuldenstreit. Zu Recht lehne Merkel Eurobonds ab, weil diese die Sparbemühungen in anderen Staaten bremsen und die Belastungen für Deutschland heraufschrauben würden. Auch die große Mehrheit der Deutschen lehnen einen solchen Weg ab. Dennoch wollten SPD und Grüne „gegen die deutschen Interessen Eurobonds einführen“.

Auch dürfe es nicht so weit kommen, dass die Europäische Zentralbank mit dem Aufkauf von Ramschanleihen die Inflation in die Höhe treibt. Stoiber: „Merkel steht hier wie ein Fels in der Brandung.“ Der einzige Ausweg aus der Krise sei eine Fiskalunion der europäischen Staaten. Dazu müsse der Lissabon-Vertrag entsprechend geändert werden. „Wir brauchen mehr Europa“, rief Stoiber; Europa sei „unverzichtbar“.

Dass im Lauf seiner mit viel Verve vorgetragenen Rede ein Wasserglas vom Rednerpult fiel und später auch die Wasserflasche auslief, nahmen seine faszinierten Zuhörer ebenso schmunzelnd zur Kenntnis wie die wiederholte Ankündigung von Stoiber, er wolle „nur noch eine Bemerkung zum Schluss“ machen. Nach 90 Minuten hielt es die jungen Leute nicht mehr auf ihren Stühlen. Stoiber, von JU-Landeschef Sven Volmering als „einer der großen Konservativen“ begrüßt, hatte sich in die Herzen des Parteinachwuchses geredet.

Quelle: http://www.rp-online.de/politik/nrw/stoiber-bei-junger-union-umjubelt-1.2617989

ProSiebenSat.1-Beirat: „Neue Informationssendungen für junge Menschen“ – Pilotprojekt beschlossen

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München, 23. November 2011. Am 22. November 2011 hat sich der neue Beirat der ProSiebenSat.1 Media AG unter dem Vorsitz von Dr. Edmund Stoiber zu seiner konstituierenden Sitzung versammelt und ein erstes beratendes Gespräch mit dem Vorstand geführt. (Fotos über obs).

Jede Sitzung des Beirats wird von Schwerpunktthemen geprägt sein, diesmal standen Politikvermittlung und medienpolitische Fragen im Vordergrund.

Pilotprojekt „Neue Informationssendungen für junge Menschen“ beschlossen

Der Vorstand der ProSiebenSat.1 Media AG hat auf Anregung des Beirats beschlossen, gemeinsam mit einer großen deutschen Journalistenschule und einem Online-Medium ein auf drei Jahre angelegtes Pilotprojekt zur Entwicklung neuer politischer und wirtschaftlicher Informationsformate für junge Menschen zu starten. Ziel ist es, im aktiven Dialog mit der Politik zeitgemäße Formen der Präsentation komplexer Zusammenhänge zu finden, die insbesondere die Vernetzung von TV-, Online- und mobilen Medien berücksichtigen. Das Projekt wird zunächst mit 500.000 Euro finanziert. Ein Projektteam wird sich unmittelbar um die Auswahl der externen Partner kümmern.

Dr. Edmund Stoiber, Vorsitzender des Beirats der ProSiebenSat.1 Media AG begrüßt, dass der Vorstand den Impuls des Beirats so positiv aufgenommen hat: „Die Demokratie lebt davon, dass Medien den Prozess der politischen Willensbildung begleiten. Dabei sind die privaten Sender mit ihrer enormen Reichweite bei jungen Leuten immer wichtigere Multiplikatoren. Ich halte es für sehr verantwortlich und absolut zukunftsgerichtet, dass ProSiebenSat.1 mit seinem Know-How und einem beachtlichen Budget neue Formate entwickeln will. Und auch die Politiker sollten sich öffnen für neue Formen der Politikvermittlung, wenn sie die Wähler von morgen noch erreichen wollen.“

Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG: „Mit Sendungen wie „Galileo“ oder „TV Total Bundestagswahl“ haben wir bewiesen, dass Informationsendungen für junge Leute, die sich mit wirtschaftlichen oder politischen Fragen befassen, äußerst erfolgreich sein können – wenn die Mittel richtig gewählt sind. Wir sind überzeugt, dass unsere erfahrenen TV-Kollegen im Dialog mit Politikern, sowie anderen Journalisten und Medien wesentliche neue Impulse für dieses Thema setzen können. Dabei halte ich es für besonders wichtig, den journalistischen Nachwuchs, also die Nachrichtenmacher von morgen, in die Entwicklung einzubeziehen.“

Medienpolitische Kernforderungen

Der Beirat hat sich in seiner ersten Sitzung zudem mit medienpolitischen Grundsatzfragen befasst, um ein gemeinsames Verständnis zu zentralen Herausforderungen der Industrie zu erarbeiten. Dabei wurden fünf Kernthemen identifiziert.

Rahmenbedingungen: Für alle Anbieter audiovisueller Inhalte müssen gleiche Rahmenbedingungen gelten. Der Medienstandort Deutschland muss mit Blick auf die wachsende Internationalisierung der Medien gestärkt werden.

Weiterentwicklung der dualen Medienordnung: ProSiebenSat.1 ist ein wesentlicher Teil und Mitträger der dualen Medienordnung in Deutschland und setzt sich für ihre zeitgemäße Weiterentwicklung ein. Als Wettbewerber, aber auch Geschäftspartner der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten setzt sich ProSiebenSat.1 dafür ein, die Aufgabenteilung zwischen öffentlich-rechtlichen und privatwirtschaftlichen Medienunternehmen wiederherzustellen.

Werbung und Sponsoring dürfen nur dem privaten Rundfunk erlaubt sein. Das Unternehmen fordert eine Liberalisierung der strikten Werberegulierung.

Das Medienkonzentrationsrecht sollte modernisiert werden. Eine sinnvolle Fusionskontrolle setzt voraus, dass sie die Abgrenzung von Märkten und die Berechnung von Marktanteilen stärker berücksichtigt. Eine Überführung des deutschen Medienkonzentrationsrechts in das allgemeine Wettbewerbsrecht ist wünschenswert.

Das Urheberrecht muss verbessert werden, um durch geeignete Maßnahmen audiovisuelle Inhalte zu sichern und Piraterie einzudämmen. Die leistungsschutzrechtliche Position von Medienunternehmen muss gestärkt werden.

Die nächste Sitzung des Beirats findet im Februar 2012 in Berlin statt.

Der Beirat der ProSiebenSat.1 Media AG setzt sich zusammen aus:

Dr. Edmund Stoiber (Vorsitzender), Minu Barati-Fischer, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann, Dr. Heike Kahl, Prof. Dr. Dieter Kronzucker, Prof. Markus Lüpertz, Dr. Christine Theiss, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Töpfer

Der Beirat hat die Aufgabe, ProSiebenSat.1 in gesellschafts- und medienpolitischen, sowie ethischen Fragen zu beraten. Er wird zudem Reflexionen und Anregungen zu den Medienangeboten des Konzerns geben. Neben der Erörterung medienpolitischer Fragen stehen vor allem Entwicklungen in denjenigen Bereichen im Vordergrund, die für unser Unternehmen und die Gesellschaft in Zukunft entscheidende Bedeutung haben werden: Forschung, Ökologie und Nachhaltigkeit; Jugend und Soziales; Kunst, Kultur und Sport.

Quelle: http://prosiebensat1.de/de/presse/pressemeldungen/presse-lounge/prosiebensat1-media-ag/2011/11/prosiebensat1-beirat-%E2%80%9Eneue-informationssendungen-fuer-junge-menschen%E2%80%9C-pilotprojekt-beschlossen

 

Stoiber bleibt Stoiber – auch in Brüssel

Blitzlicht durchzuckt den Raum, und das kann nur bedeuten: Er ist da. Der Star des Abends, Edmund Stoiber. Vertieft im Gespräch mit einigen Anzugträgern, ein Fotograf in seinem Rücken, steht er im Foyer der Vertretung Bayerns bei der EU in Brüssel. Den Kopf ein wenig schief, den Blick aufmerksam auf sein Gegenüber gerichtet, zwischendurch ein leichtes Nicken. So, wie man ihn kennt.

Später im Saal wird er als Ministerpräsident angesprochen. Immer noch. Obwohl er das Amt schon lange aufgegeben hat, und heute Abend als Leiter der Hochrangigen Gruppe für Bürokratieabbau der EU-Kommission geladen ist. „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident . . .“, hebt Hausherrin Angelika Schlunck an. „Sie, Herr Ministerpräsident, als alter Kampfgefährte . . .“, sagt der Augsburger CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Stoiber sitzt in der ersten Reihe, einen Kuli in der Hand, den er öfter ans Kinn führt. Mal nickt er zustimmend, mal wiegt er den Kopf hin und her, jetzt kratzt er sich am Hals. Notiert etwas in seinem Skript. Dann ist die Reihe an ihm. „Ja, guten Abend!“, sind seine ersten Worte.

Lange, gefühlt zulange, bleibt er hinter dem Mikrofon stehen. Auch das, wie man ihn kennt. Immer wieder mit einer Hand in der Hosentasche, dann wieder mit beiden Händen gestikulierend, mal nahe am Pult, mal gut einen Meter davon entfernt. Die bayerische Tonart färbt schon bald ein paar Sätze – bewusst. Gekonnt auch der Wechsel der Ebenen. Von seinem Besuch bei italienischen und britischen Ministern spricht Stoiber ebenso wie von dem Kleinunternehmer aus Garmisch, der plötzlich entdeckt, dass er einen Tachografen in seinem Fahrzeug haben müsste. „Was ist denn das? wird der dann erstaunt seinen Bürgermeister fragen. – Ja du, das haben die Deppen da in Brüssel beschlossen! wird der ihm antworten.“ Gelächter im Saal, Stoiber ist in seinem Element.

Am nächsten Tag geht es ruhiger zu. Für ein Gespräch mit unserer Zeitung opfert Stoiber seine Mittagspause. Ein Kaffee mit Milch genügt. Vormittags, von zehn bis 13 Uhr, hat er eine Sitzung mit der Hochrangigen Gruppe für Bürokratieabbau geleitet. „Wir fangen immer um zehn Uhr an, das gibt allen Mitgliedern die Zeit, aus den verschiedenen Teilen in Europa anzureisen“, erklärt er. Hätte er gestern Abend nicht auf der Veranstaltung geredet, wäre auch er heute erst angereist. Abflug 6.50 Uhr, erste Maschine von München nach Brüssel.

Die Hochrangige Gruppe zum Bürokratieabbau bei der EU wurde 2007 von der EU-Kommission beschlossen. Ziel sollte es sein, unnötige bürokratische Vorschriften, die die Bürger oder Unternehmer in der EU belasten, ausfindig zu machen. Die Gruppe sollte der EU-Kommission Vorschläge unterbreiten, wie diese Lasten verringert werden könnten. Im September 2007 berief EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso Edmund Stoiber zum Leiter der Gruppe. Sein Mandat sowie die Arbeit der Gruppe waren zunächst auf drei Jahre beschränkt. Die EU-Kommission bewilligte im Anschluss ein zweites Mandat, wieder begrenzt auf drei Jahre, das dementsprechend 2012 endet.

Durchschnittlich einmal im Monat finden die Treffen der Gruppe statt. Jeder sei dann natürlich vorbereitet, so Stoiber, und immer gehe es um das große Thema: Weniger Bürokratie in Europa. 14 Leute koordiniert Bayerns Ex-Ministerpräsident. Menschen des öffentlichen Lebens, die aus einer größeren Liste von Vorschlägen der EU-Kommission ausgesucht wurden. Der deutsche Unternehmensberater Roland Berger gehört ebenso dazu wie der ehemalige Bahnchef Johannes Ludewig. „Heute hatten wir die spanische Ministerin bei uns zu Gast, die in ihrem Land für Bürokratieabbau zuständig ist und erzählt hat, was man in Spanien so macht“, berichtet Stoiber.

Viel mehr lässt er sich nicht entlocken, wenn es um die konkrete Arbeit in der Gruppe gehen soll. Worum genau drehen sich die Gespräche? Welche Rolle nimmt er als Leiter ein? Wortführer? Ideengeber? Entscheider in letzter Instanz?

„Ich glaube man kann sagen, dass es ein guter Schachzug war, Herrn Stoiber die Gruppe leiten zu lassen“, wird am späten Nachmittag ein höher gestellter EU-Kommissionsbeamter sagen. Namentlich will er nicht genannt werden. Für ein klares Urteil, wie zufrieden man bei der Kommission mit der Arbeit von Stoiber sei, solle man am besten José Manuel Barroso fragen.

Doch das kann man sich auch sparen, denn die Antwort wäre von vorne herein klar. Der EU-Kommissionspräsident hatte bei Stoibers 70. Geburtstag Ende September in München eine Lobrede auf ihn gehalten. Das macht der Portugiese immer, wenn es um den Bayern geht. Gerne ruft Barroso dabei die nackten Zahlen ins Gedächtnis. Schon heute habe die Stoiber-Gruppe Vorschläge unterbreitet, die bei EU-Gesetzen zu Bürokratieentlastungen von 25 Prozent führen würden. Das sei eigentlich erst das Ziel für 2012 gewesen. Bis dahin werde die Gruppe jetzt wohl 33 Prozent erreichen.

„Stoiber war eine gute Wahl, weil er durch seine langjährige politische Karriere Kontakte überall in Europa hat“, sagt der Kommissionsbeamte. Der Bekanntheitsgrad gepaart mit dem Vermögen, überzeugend auf Personen zu wirken und sie für seine Sache gewinnen zu können, hätte sicher oft „das Fass zum Überlaufen gebracht“, wie es der Beamte ausdrückt. Zugunsten von Stoibers Ideen. Also im positiven Sinne.

Der Gelobte selbst weiß, wie es um seinen Ruhm steht. Am Anfang, so erzählt, habe jeder ja gesagt: Ah, da bekommt der Stoiber noch so ein Pöstchen in Brüssel zugeschoben. „Dass ich das alles ehrenamtlich mache, davon spricht ja keiner“, fügt er hinzu. Und kommt dann auf das Jetzt zu sprechen. „Selbst dieser SPD-Mann aus dem Parlament, Martin Schulz, der bald wohl Präsident der europäischen Volksvertretung werden wird, selbst der würde jetzt sagen: Das, was der Stoiber macht, ist beachtenswert.“

Die knappe Stunde ist vorbei, Stoiber muss zur nächsten Sitzung. Aber ohne Eile. Zeit für ein Foto in dem Raum, der ihm bei seinen Brüssel-Aufenthalten zur Verfügung steht, hat er noch: ein großes, helles Besprechungszimmer im Hauptgebäudes der EU-Kommission, ohne Schreibtisch, ohne Regale, nur mit vielen Tischen und Stühlen. „Ich brauche hier kein permanentes Büro, denn ich erledige die Arbeit in erster Linie in München. Und meine Gesprächspartner treffe ich ja meist in deren Arbeitsräumen“, sagt er.

Bevor Stoiber am Abend Brüssel wieder verlässt, ist er erneut Gast in der Vertretung Bayerns bei der EU. Diesmal hat ihn Ex-Bahnchef Ludewig geladen, der in Brüssel hauptsächlich als Chef des europäischen Eisenbahnverbandes auftritt. Stoiber steht auch bei dieser Veranstaltung im Mittelpunkt. Nachdem die zwei Diskussionsrunden auf dem Podium beendet sind, darf er die Schlussrede übernehmen. Erneut spricht er etwas länger als gefühlt gut gewesen wäre. Zeigt sich wieder engagiert, als eifriger Anwalt seiner Aufgabe bei der EU, als Verfechter der Selbstverantwortung der Menschen. Immer noch als Polit-Profi. Ein wenig gealtert, ein wenig gelassener als früher vielleicht. Ein wenig mehr Europäer vielleicht auch.

Von Kay Wagner

 

Quelle: http://www.donaukurier.de/nachrichten/bayern/Bruessel-aufmacher-Stoiber-bleibt-Stoiber-auch-in-Bruessel;art155371,2509004

„Die Bayern haben noch nie so gut gespielt“

Bayern Münchens Aufsichtsrat Edmund Stoiber spricht mit „Welt Online“ über das Lagerfeuer Fußball und einen Transfer von Lionel Messi.

Welt am Sonntag: Herr Dr. Stoiber, Sie sind seit 45 Jahren Mitglied des FC Bayern München. Vergeht ein Tag, an dem sich nicht an Fußball denken?

Ganz selten. Dafür interessiere ich mich viel zu sehr für diesen Sport. Ich informiere mich über Fußball in ganz Europa.

Welt am Sonntag: Wie ist Ihre Liebe zum Fußball entstanden?

Ich war sieben Jahre alt, als mein Vater mich zum ersten Mal mit zum Fußball nahm, zu einem Spiel der FV Oberaudorf in unserem Heimatort. Von diesem Tag an hat mich Fußball interessiert.

Ich habe selbst bis ins Studentenalter in verschiedenen Vereinen gespielt, war aber leider nur begrenzt begabt. Für mich war es trotzdem immer der Sport schlechthin.

Welt am Sonntag: Waren Sie Verteidiger oder Stürmer?

Die guten Spieler haben vorn gespielt. Ich war meist Verteidiger. Sicher war ich nicht der Beste, aber wohl der Leidenschaftlichste. Ich war mehr Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck als Beckenbauer (lacht).

Welt am Sonntag: Wie wurden Sie zum Fan des FC Bayern?

Bayern München ist mir aufgefallen, weil es einer der wenigen Vereine war, der einen Landesnamen trug. Das hat mich neugierig gemacht. Es war für mich zunächst aber nicht möglich, ein Spiel in München zu sehen, das war zu teuer und zu weit weg. Mit 14 Jahren bin ich zum ersten Mal mit meinem Vater ins Grünwalder Stadion gefahren. Bayern spielte gegen Ulm, und mir ist gleich der Stürmer Erich „Witschi“ Hahn aufgefallen. Er hätte einer der besten werden können, der je für die Bayern gespielt hat. Ihm fehlte nur der nötige Ernst. Zur zweiten Halbzeit ist er nicht mehr erschienen, weil er zum Trabrennen gegangen ist. Und einige Jahre später ist dann etwas passiert, was mich tief traf.

Welt am Sonntag: Was?

Bayern München wurde nicht in die Bundesliga aufgenommen. Der Erste der Oberliga Süd war 1860 München, mein Klub musste in der Zweiten Liga anfangen.

Welt am Sonntag: Sie blieben dennoch Fan. Was macht den Mythos FC Bayern aus?

Der Verein bewegt die Nation. Die Hälfte der Deutschen freut sich über seine Siege, die andere Hälfte über seine Niederlagen. Was oft vergessen wird: Der FC Bayern hat sich alles hart erarbeitet. Welcher Klub schafft es schon, so lange in der Spitze mitzuspielen? Mönchengladbach und Bremen haben es über Jahre geschafft, nicht aber über Jahrzehnte. Und immer wieder haben die Bayern Geschichte geschrieben, wie die goldene Generation um Franz Beckenbauer und Gerd Müller.

Welt am Sonntag: Die aktuelle Mannschaft erhält viel Lob. Kann sie so stark werden wie die aus den 70ern?

Ich verfolge den FC Bayern seit den späten 50er-Jahren. Und meiner Meinung nach hat er noch nie so kompakt und so gut Fußball gespielt wie derzeit.

Welt am Sonntag: Woran liegt das?

Wir hatten oft überragende Spieler Paul Breitner, Lothar Matthäus oder Oliver Kahn. Aber die technische Brillanz und Geschlossenheit der gesamten Mannschaft war nie so groß wie jetzt. Die Spielkultur ist die höchste in meiner Zeit als Bayern-Fan. Selbst Franck Ribery arbeitet mich nach hinten.

Welt am Sonntag: Ein Verdienst von Trainer Jupp Heynckes?

Zweifelsohne. Sein Vorgänger Louis van Gaal hat seine Verdienste, aber er ist eben menschlich außerordentlich schwierig. Zum Leistungsprinzip gehört auch ein Stück Gemeinschaftssinn. Ich glaube dass Führung heute anders funktioniert als sich das van Gaal vorstellt.

Welt am Sonntag: Was genau meinen Sie?

Branko Zebec oder Hennes Weisweiler – das sind Trainer, die letztlich keinen Widerspruch geduldet haben, und bei van Gaal war das auch ein Problem. Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez oder Thomas Müller sind aber Menschen, die sich einbringen wollen. Die Ideen haben. Und auf die sollte ein Trainer eingehen. Heynckes tut das.

Welt am Sonntag: Viele sagen: Mit ihm ist beim FC Bayern Ruhe eingekehrt. Das dürfte Sie als Aufsichtsrat freuen.

Wir haben eine starke Führung. Es läuft sehr harmonisch, wir sind finanziell sehr gut aufgestellt. Im Aufsichtsrat gibt es wirtschaftliche Kompetenz in hohem Maße. Die Mitglieder des Gremiums verbindet die Leidenschaft zum Fußball, sie können mit Martin Winterkorn von Volkswagen und allen anderen hervorragend über Taktik und Spieler sprechen. Aber soll ich Ihnen sagen was das Entscheidende ist?

Welt am Sonntag: Gern.

Die Leidenschaft zum Fußball vernebelt nicht den Blick und die Beurteilung der Zahlen. Für den Aufsichtsrat sind die Bilanzen immer das Entscheidende. So ein Verein muss seriös geführt werden.

Welt am Sonntag: In Europa gibt es auch andere Beispiele: Bayerns Champions-League-Gegner Manchester City hat trotz Schulden vor der Saison rund 80 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben.

Unser Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kämpft schon lange dafür, dass das Financial Fair Play eingeführt wird. Jetzt kommt es, und das ist der richtige Weg. Auch das macht den FC Bayern aus, dass er sich der Probleme im europäischen Fußball annimmt. Seine Stimme hat Gewicht, was vor allem an Rummenigge und natürlich an Uli Hoeneß liegt.

Welt am Sonntag: Wünschen Sie sich Hoeneß in der Politik?

Er ist ein sehr politischer Mensch. Uli Hoeneß wäre für jedes Kabinett eine Bereicherung.

Welt am Sonntag: Sind Sie dabei ihn zu überreden?

Das habe ich nie getan. Und verbindet seit vielen Jahren eine Freundschaft. Als er noch Manager des FC Bayern war habe ich ihm gesagt: Dieser Job ist mein Traumjob. (lacht)

Welt am Sonntag: Sein Traum ist das Finale der Champions League 2012 in München.

Ich vergleiche den FC Bayern mit dem FC Barcelona. Er hat eine ähnliche Spielweise. Gut, wir haben vielleicht keinen Lionel Messi. Und um ins Finale zu kommen muss man an Riesen-Mannschaften wie Real Madrid, Manchester United oder AC Mailand vorbei. Doch die Voraussetzungen sind gut, wir dürfen träumen. Denn das Finale kommt so schnell nicht wieder nach München.

Welt am Sonntag: Jupp Heynckes hat kürzlich betont, er wünscht sich pro Saison zwei Topstars für den FC Bayern. Wenn er Ihnen bald einen Zettel hinlegt auf dem der Name Messi steht und er ihn kaufen will – stimmen Sie dem Transfer zu?

Xavi, Andres Iniesta, Messi – das sind großartige Spieler. Aus meiner Sicht sind wir derzeit so gut besetzt, dass wir da nicht unbedingt sofort etwas machen müssen. Aber sportlich ist das eine Sache des Vorstands.

Welt am Sonntag: Und aus finanzieller Sicht?

Ist solch ein Messi-Transfer wohl kaum darstellbar. Mit Franck Ribery und Arjen Robben sind wir schon in eine besondere Liga eingestiegen. Das sind Weltklassespieler. Aber man sieht gleichzeitig, dass gute Nachwuchsarbeit sehr viel wert ist. Wie Bastian Schweinsteiger sich sportlich und menschlich entwickelt hat ist beachtlich. Auch Thomas Müller. Das sind Spieler für große Spiele. Für ganz große Spiele.

 Welt am Sonntag: Was ist Ihr Traum vom FC Bayern?

Wenn alles so bleibt, bin ich außerordentlich glücklich. Der FC Bayern steht sportlich und wirtschaftlich exzellent da. Und: Der Verein hat sein Image vom Klub der Millionarios abgelegt, sich gewandelt.

Welt am Sonntag: Zu was?

Zu einem Verein mit Herz. Der nicht nur den kalten Erfolg anstrebt. Der Verein hat eine soziale Affinität. Nehmen Sie nur Breno, wie sich der FC Bayern um ihn kümmert. Gleichzeitig gilt aber immer: Man darf nie stehen bleiben.

Welt am Sonntag: Inwiefern?

Nehmen Sie die Herausforderung Asien: Fußball ist in China inzwischen der Sport Nummer eins und wächst auch im Cricket-Land Indien. Da müssen wir aufholen. Real Madrid, der FC Barcelona und Manchester United vermarkten sich dort schon lange. Die Marke FC Bayern kann dort Fußball-Botschafter Deutschlands sein. Die Fragen sind: Wie können wir uns in China stärker verankern? Gibt es vielleicht einmal einen chinesischen Spieler, der in der Bundesliga mithalten kann? So wie es Borussia Dortmund mit dem Japaner Shinji Kagawa geschafft hat.

Welt am Sonntag: In politischen Reden benutzen Sie gern Fußball-Metaphern. Wie sehr kann der Sport positiv auf unsere Gesellschaft wirken?

Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Das ist eines der letzten Lagerfeuer, an denen Menschen jeden Alters und jeder Schicht zusammenkommen. Dieser Sport ist für den emotionalen Haushalt von 40 bis 50 Millionen Deutschen sehr wichtig, er ist für viele Menschen ein Ventil. In der Welt verändert sich so vieles so schnell, da ist der Fußball eine Konstante im Leben. Und er zeigt: Ohne Leistung kann man ein Land nicht nach vorn bringen. Man muss auch Erster werden wollen.

Welt am Sonntag: Der Leistungsdruck hat aber auch negative Seite, wie zuletzt das Beispiel Ralf Rangnick zeigte. Er trat wegen eines drohenden Burnouts als Trainer von Schalke 04 zurück.

Dieses Problem haben viele in unserer Gesellschaft: Lehrer, Angestellte und Manager. Das macht vor dem Fußball keinen Halt, hier ist der Leistungsdruck unendlich. Und oft wird die langfristige Arbeit wegen kurzfristiger Erfolglosigkeit nicht anerkannt. Der Sport ist da gnadenlos. Ich wünsche Ralf Rangnick alles Gute. Und ich bin sicher, dass er wiederkommen wird.

Interview: Julien Wolff

Quelle: http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article13691813/Die-Bayern-haben-noch-nie-so-gut-gespielt.html

Stoiber: FC Bayern gut wie nie.

Bayern München unter Jupp Heynckes – das ist der beste FC Bayern, den es je gab. Das zumindest meint der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Bayern München unter Jupp Heynckes – das ist der beste FC Bayern, den es je gab. Das zumindest meint der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. „Ich verfolge den FC Bayern seit den späten 1950er Jahren. Und meiner Meinung nach hat er noch nie so kompakt und so gut Fußball gespielt wie derzeit“, sagte Stoiber der Welt. Die Münchner könnten sich sogar mit dem amtierenden Champions-League-Sieger messen: „Ich vergleiche den FC Bayern mit dem FC Barcelona. Er hat eine ähnliche Spielweise.“

Der 70-Jährige, der dem Aufsichtsrat der Bayern angehört, gibt seinem Klub gute Chancen, das Endspiel in der Königsklasse am 19. Mai 2012 zu erreichen. „Gut, wir haben vielleicht keinen Lionel Messi, und um ins Finale zu kommen, musst du an Riesenmannschaften wie Real Madrid, Manchester United oder AC Mailand vorbei. Doch die Voraussetzungen sind gut, wir dürfen träumen. Denn das Finale kommt so schnell nicht wieder nach München“, sagte er.

Die aktuelle Bayern-Mannschaft steht für Stoiber noch über den großen Teams der Vergangenheit. „Wir hatten oft überragende Spieler, Paul Breitner, Lothar Matthäus oder Oliver Kahn. Aber die technische Brillanz und Geschlossenheit der gesamten Mannschaft war nie so groß wie jetzt. Die Spielkultur ist die höchste in meiner Zeit als Bayern-Fan“, sagte er. Diese Entwicklung geht laut Stoiber auf die Rückkehr von Trainer Jupp Heynckes zurück. Dieser schaffe es, anders als Vorgänger Louis van Gaal, auf Ideen der Spieler einzugehen.

Positiv sieht Stoiber zudem, dass der FC Bayern „sein Image vom Klub der Millionarios abgelegt, sich gewandelt (hat). Zu einem Verein mit Herz. Der nicht nur den kalten Erfolg anstrebt. Der Verein hat eine soziale Affinität.“

Der Entwicklung des Rekordmeisters sind laut Stoiber aber Grenzen gesetzt. Ein Transfer von Weltfußballer Lionel Messi aus Barcelona nach München hält er für „kaum darstellbar. Mit Franck Ribéry und Arjen Robben sind wir schon in eine besondere Liga eingestiegen. Das sind Weltklassespieler. Aber du siehst gleichzeitig, dass gute Nachwuchsarbeit sehr viel wert ist. Wie Bastian Schweinsteiger sich sportlich und menschlich entwickelt hat, ist beachtlich. Auch Thomas Müller. Das sind Spieler für große Spiele. Für ganz große Spiele.“

München (SID)

Quelle: http://www.donaukurier.de/sport/fussball/champions-league/Fussball-Champions-League-Stoiber-FC-Bayern-gut-wie-nie;art155372,2501896