Archiv für den Monat: September 2012

Heribert Prantl in der SZ: Die schwärzeste Rothaut der Welt

Wie aus dem „arroganten Jungschnösel“ ein Kanzlerkandidat wurde: Edmund Stoiber hat seine Autobiografie geschrieben und die ist durchaus eine Lesefreude. Auch weil sie – ganz untypisch für Stoiber – alles andere als sperrig ist. Nur wenn es um kritische Zeiten geht, werden die Schilderungen knapp und dürr.

Edmund Stoiber hat ein Talent, von dem man bisher nichts gewusst hat: Er kann schreiben. Seine Autobiografie liest sich weg wie nichts – wenn man von den Passagen absieht, in denen er seine Ruhmestaten als Ministerpräsident aufzählt; da ähnelt der Text einer verspäteten Regierungserklärung. Ansonsten liest man ein schnörkelloses und unprätentiöses Buch, das da und dort hölzern („Ein weiterer Höhepunkt war . . . .“), aber nicht sperrig ist. Man erlebt Stoiber, wie er denkt, fühlt, leibt und lebt.

Wer immer Stoiber, dessen verknäuelte Sprache in Reden und Interviews berüchtigt ist, beim Schreiben geholfen hat – herzlichen Glückwunsch! Gelegentlich, wenn er etwa auf seine legendäre Transrapid-Rede kommt, kann er sogar über sich selber schmunzeln. Seine Autobiografie ist eine kleine Lesefreude, nicht nur für die Parteifreunde.

Die schönsten Seiten Stoibers sind die ersten 90 Seiten. Man liest angerührt von einer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, von Jung-Edmunds Indianerspielen („Im Gegensatz zu meinem politischen Leben war ich als Kind oft eine Rothaut“),von seiner Zeit als Dorf-Fußballer im ASV Kiefersfelden, vom juristischen Studium in München („es fing erst einmal recht lässig an“) und der Heirat in der Referendarzeit („nach zweijähriger Verlobungszeit fand mein Vater, ein Mann der Tat, dass geheiratet werden sollte“).

Man erlebt auf diesen Seiten die politische Sozialisation des Edmund Stoiber in den Zeiten der Studentenunruhen, mit denen er überhaupt gar nichts anfangen konnte. All diese „Umtriebe“ waren dem oberbayerischen Parzival ganz herzlich fremd; und den Agitatoren Rudi Dutschke und Rolf Pohle hörte er, bevor man ihn als politischen Feind erkannte und aus dem Hörsaal warf, eher mit ungläubigem Staunen als mit Zorn zu.

So wurde er ein „umgedrehter Achtundsechziger“ – und schrieb, weil ihm die Hörsaalbesetzungen und die „aggressive Unduldsamkeit“ der Linken so auf den Geist gingen, seine juristische Doktorarbeit über den „Hausfriedensbruch im Lichte aktueller Probleme“ bei Friedrich Christian Schroeder in Regensburg.

Als dessen Assistent machte er Erfahrungen damit, wie es ist, vor Leuten zu reden. Den Hörsaal vertauschte er, nachdem Umweltminister Max Streibl ihn zu seinem Referenten gemacht hatte, mit Wirtshaus und Bierzelt.

Stoiber schildert, warum die Alten ihn bei seiner ersten Landtagskandidatur für einen „arroganten Jungschnösel“ hielten – und was er dagegen unternahm. Diese Stelle mag man ihm partout nicht abnehmen. Zu Straußens Zeiten wurde bei Umtrünken gefeixt, der Stoiber trinke nur Wasser, aber vom besten Jahrgang. Im Buch behauptet er nun, er habe durch gemeinsames Trinken von „zwei Flaschen Schladerer“ den CSU-Ortsvorsitzenden von Irschenberg für sich eingenommen. Da glaubt man ihm eher noch den Satz auf Seite 164: „Es gab keine Spendenaffäre der CSU.“

Das Buch ist kein Enthüllungsbuch. Er schreibt über Franz Josef Strauß mit Zurückhaltung und, natürlich, Bewunderung; von den Affären und Geldgeschäften des Meisters liest man kein Wort – und Kritik nur an sehr versteckter Stelle, dort wo Stoiber seine Verhandlungen mit dem genialischen Wüterich Lothar-Günther Buchheim über dessen Expressionisten-Sammlung beschreibt. Der titulierte in der Bürgerversammlung, im Beisein Stoibers, seine Kritiker als „Schilf- und Gullyratten“. An dieser Stelle nun findet sich der schöne Satz Stoibers: „Vielleicht kam mir in dieser Situation zugute, dass ich zehn Jahre lang Mitarbeiter von Strauß war, der als hochemotionaler Mensch Buchheim ähnelte.“

Die Anekdoten aus der Strauß-Zeit sind mindestens so gut wie „Dinner for One“: Zum Beispiel die vom legendären Blindflug nach Moskau mit Waigel, Tandler und Scharnagl in der von Strauß gesteuerten Cessna; Außenminister Schewardnadse soll gerühmt haben, es sei dies die einzige Maschine gewesen, die an diesem eisigen Tag in Moskau landete; als KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow Strauß beim Empfang fragte, ob er zum ersten Mal in Russland sei, soll Strauß erwidert haben: „Nein. Aber beim ersten Mal bin ich nur bis Stalingrad gekommen.“

Stoiber ist seinem Mentor später als Parteichef, Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Union nachgefolgt, aber nicht als ungestümer Groß- und Weltpolitiker.

Ungestüm war Stoiber freilich als bayerischer Reformer. Nachdem er 2002 als Kanzlerkandidat der Union gegen Schröder erfolgreich gescheitert war und daraufhin in Bayern mit der CSU eine Zweidrittelmehrheit errungen hatte, wollte er „es“ ganz Deutschland und allen Deutschen zeigen, welcher Kanzler ihnen da entgangen war. Er überrumpelte Land und Leute mit einer Reformkaskade, die dazu führte, dass ihm schließlich selber Hören und Sehen verging.

Es war der Anfang vom Ende als Ministerpräsident und CSU-Chef. Aber nur an einem einzigen Punkt kritisiert er sich heute selbst: Das traditionsreiche Bayerische Oberste Landesgericht hätte er in seinem Reformfuror nicht auflösen sollen.

Um die Ecke formulierte Kritik

Das Buch ist kein Abrechnungsbuch: Dort, wo es um seinen Sturz 2006/2007 geht, werden die Schilderungen knapp, karg und dürr. Im Übrigen: Nicht das Ende einer politischen Laufbahn sei entscheidend, sondern deren Inhalt. An einer Stelle gibt es eine um die Ecke formulierte Kritik an seinen Nachfolgern Günther Beckstein (als Ministerpräsident) und Erwin Huber (als CSU-Chef): „Beide haben eine beachtliche politische Lebensleistung. Trotzdem war ich überrascht, als sie sich die höchste Verantwortung so sehr zutrauten.“

Und was ist mit der höchsten Verantwortung Stoibers? Seine Ablehnung der Angebote, EU-Kommissionspräsident oder Bundespräsident zu werden, begründet er damit, dass Bayern und die CSU nicht auf ihn hätten verzichten können. Das ist auch die unbefriedigende Erklärung für seine Flucht vor Berlin, als er partout nicht mehr Wirtschaftsminister im schwarz-roten Kabinett Merkel werden wollte. Nun ja.

Über sein Erfolgsrezept gibt Stoiber immer wieder gern Auskunft: Es sei die Leidenschaft. Und in einem Satz, der das Kapitel „Zwischen Bayern und Berlin“ einleitet, erklärt er diese Leidenschaft in fünf Wörtern: „Ich habe die CSU gelebt“.

Darin steckt wohl auch, warum er bayerischer Innenminister so war, wie er war, und warum er das Asylrecht partout abschaffen musste. So brauchten es, meint er, die CSU und ihre Wähler. Stoiber liberalisiert sich nicht nachträglich, wie er es bei seinem einstigen Generalsekretärs-Widerpart von der CDU, bei Heiner Geißler, mit Verwunderung und bestürztem Respekt feststellt. Edmund Stoiber beschreibt sich als ehrliche Haut. Und weil er das mit einigem Geschick tut, glaubt man ihm das sogar.

Edmund Stoiber: Weil die Welt sich ändert. Siedler Verlag, München 2012. 320 Seiten, 22.99 Euro.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/autobiografie-von-edmund-stoiber-die-schwaerzeste-rothaut-der-welt-1.1477792

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link

Stoiber: Bin nicht freiwillig gegangen

München – Fünf Jahre nach seinem Sturz in Kreuth gibt sich der frühere bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber gegenüber seinen Nachfolgern versöhnlich.

„Die Freundschaften von einst sind durch die Ereignisse abgekühlt, das wird niemanden verwundern. Aber es ändert nichts daran, dass ich Günther Beckstein und Erwin Huber fur die weiteren Jahre alles Gute wünsche“, schreibt Stoiber in seinen Memoiren, die an diesem Montag in den Handel kommen. Die mancherorts erwartete Abrechnung bleibt aus.

Scharf widerspricht Stoiber allerdings Darstellungen Hubers und Becksteins, er habe damals freiwillig seinen Rückzug angeboten. Er habe „natürlich nicht“ seine Ämter von sich aus zur Verfügung gestellt, stellt Stoiber fest, ohne aber Einzelheiten der damaligen Vorgänge zu beschreiben. Das Tandem Beckstein/Huber sei nicht seine Erfindung, betont der Ex-CSU-Chef. In einem Vorababdruck aus dem Buch zitiert der „MÜNCHNER MERKUR“ Stoiber weiter mit den Worten: „Ich vergesse auch die vielen Jahre nicht, in denen ich mit Günther Beckstein und Erwin Huber sehr gut zusammengearbeitet habe und sie exzellente Minister waren.

Beide haben eine beachtliche politische Lebensleistung. Trotzdem war ich überrascht, als sie sich die höchste Verantwortung so sehr zutrauten. Dass sie als Führungstandem nicht den erhofften Erfolg hatten, ärgert beide selbst sicherlich am allermeisten.“ Beckstein hatte in seinen 2011 erschienenen Memoiren hingegen beteuert, er und Huber hätten nicht gegen Stoiber geputscht. Die auf die dramatischen Vorgänge von Kreuth folgende Wahlniederlage 2008, als das Tandem auf 43.3 Prozent der Stimmen abstürzte, bezeichnet Stoiber in seinem Buch als „den schwärzesten Tag in meinem politischen Leben“.

Lobende Worte findet Stoiber für den derzeitigen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer. „Horst Seehofer ist es gemeinsam mit den Parteifreunden gelungen, die CSU nach dem Verlust der Alleinregierung aus der Depression zu holen und ihr wieder mentale Stärke zu geben. Die Stimme wird wieder deutlich in Berlin erhoben, manchmal auch gefürchtet – das ist unverzichtbar für den Erfolg der CSU auf allen Ebenen.“

Quelle: http://www.merkur-online.de/nachrichten/politik/stoiber-nicht-freiwillig-gegangen-2515688.html

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link

Stoiber bei Jauch

Am Sonntag den 23. September 2012 diskutierte bei Jauch im Gasometer Dr. Edmund Stoiber mit Hannelore Kraft, Uli Hoeneß, Katja Kipping und Bernd Siggelkow über die Fragen:

Lässt sich unser Lebensstandard in Zeiten der Wirtschafts- und Euro-Krise noch halten? Oder ist das Konzept „Wohlstand für alle“ längst gescheitert? Wer trägt die Verantwortung für die negativen Entwicklungen: Unfähige Politiker oder eine leistungsschwache Gesellschaft? Wie schaffen wir mehr Chancengleichheit?

Die Sendung finden sie hier: Link

Edmund Stoiber zu Gast bei BAYERN 3-Stars & Hits

Der Promi-Talk am Sonntagvormittag

Mit Thorsten Otto
9.00, 10.00, 11.00 BAYERN 3-Nachrichten
Als Podcast verfügbar

„Der trinkt nur Salbeitee, der ist ein Asket, der geht zum Lachen in den Keller – man muss mit diesen Klischees leben, aber sie entsprechen nicht der Person!“ 14 Jahre war Edmund Stoiber bayerischer Ministerpräsident. Der gebürtige Oberaudorfer machte nach seinem Jura- und Politikstudium eine rasante Karriere in der Politik: Zunächst Referent im Umweltministerium, bald CSU-Generalsekretär in Bayern, später Leiter der Staatskanzlei, Kanzlerkandidat. Mit 66 Jahren beendete er seine aktive Karriere als Politiker, seitdem berät er die EU-Kommission beim Bürokratieabbau.

Nun hat er auch ein Buch geschrieben. In „Weil die Welt sich ändert“ zieht Edmund Stoiber Bilanz und nimmt Stellung zu den wichtigen Fragen unserer Zeit.
Die einen schätzen ihn wegen seiner klaren Haltung, für die anderen ist er eine Reizfigur. Er ist ein Mann der klaren Worte, abersich selbst und die Welt humorvoll zu betrachten ist ihm wichtig: „Humor ist nicht immer das Mittel, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Aber er gehört zum Leben dazu – und auch zur Politik.“

Im Gespräch mit Thorsten Otto spricht der gebürtige Oberaudorfer über sein politisches Vorbild Franz-Josef Strauß, über seine schmerzlichste Niederlage und seine Fußballleidenschaft. Außerdem klären wir, warum er sich bei der legendären Transrapid-Rede nun wirklich so verrannt hat und ob es tatsächlich stimmt, dass ihm seine Ehefrau Karin schon mal die Kleidungsstücke nummeriert!

Den kompletten Radiobeitrag finden Sie hier als Podcast: Link

Quelle: http://www.br.de/radio/bayern3/programmkalender/sendung402242.html

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link

Stoiber in Bild: „Wir müssen unsere Demokratie renovieren“

EX-CSU-CHEF EDMUND STOIBER SAGT IM BILD-AM-SONNTAG­INTERVIEW, WARUM ER VOLKSENTSCHEIDE AUF BUNDESEBENE WILL, WESHALB ER KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG EIN COMEBACK IN DER POLITIK WÜNSCHT UND ERZÄHLT, WARUM IHM ANGELA MERKEL EINST AM FRÜHSTÜCKSTISCH DIE KANZLERKANDIDATUR ÜBERLIES

BILD am SONNTAG: Wir sitzen hier am Tisch des berühmtesten Frühstücks der bundesdeutschen Geschichte. Am 11. Januar 2002 servierte Ihnen die CDU-Vorsitzende Angela Merkel die gemeinsame Kanzlerkandidatur der Union auf einem Porzellanteller. Ist ihr das leicht gefallen?

EDMUND STOIBER: Unserem Treffen war eine harte, aber faire Auseinandersetzung vorausgegangen. Den Ausschlag zu meinen Gunsten gab wohl, dass eine Reihe von Ministerpräsidenten der CDU wie Roland Koch, Erwin Teufel und Peter Müller der Meinung waren, dass der CDU der CSU-Vorsitzende Stoiber mehr Erfolg versprach. Die Spendenaffäre der CDU lag noch nicht lange zurück, unsere Schwesterpartei hatte deshalb eine Reihe von Landtagswahlen verloren. Aber: Angela Merkel wäre damals sehr gern selbst gegen Kanzler Schröder angetreten. Doch die Granden der CDU haben ihr das damals nicht zugetraut. Und auf eine Zerreißprobe wollte sie es nicht ankommen lassen.

Ist Ihnen bei Merkels Angebot das Brötchen aus der Hand gefallen?

Nein, denn wir hatten am Tag vorher telefoniert. Ihr war aber sehr an einem persönlichen Gespräch gelegen. Ich habe wegen der Vertraulichkeit ein Frühstück hier in Wolfratshausen vorgeschlagen. Zu meiner Frau habe ich dann gesagt: Du, morgen kommt die Angela Merkel zum Frühstück.

Was gab es denn zu essen?

KARIN STOIBER: Frische Semmeln, Brot, Orangensaft, Kaffee, Wurst, Käse, Marmelade – ein ganz normales deutsches Frühstück eben.

Keine Weißwürste?

Wo denken Sie hin, es war acht Uhr morgens, zu früh für Weißwürste.

Mit welcher Begründung hat Frau Merkel Ihnen 
dann den Vortritt gelassen, und stimmt es, dass sie dafür Ihre Unterstützung für die Übernahme des 
Fraktionsvorsitzes bekommen hat?

EDMUND STOIBER: Angela Merkel hat hier an diesem Tisch deutlich gemacht, dass sie Gerhard Schröder mit ihrem anderen Politikstil und ihrer Biografie gern herausfordern würde. Aber die Hoffnungen in der CDU würden sich mehr auf mich als erfolgreichen Ministerpräsidenten und Wahlkämpfer richten. Das war sehr souverän. Über den CDU/CSU-Fraktionsvorsitz haben wir erst viel später gesprochen, am Tag vor der Bundestagswahl nach einem gemeinsamen Oktoberfestbesuch. Ihr Anspruch, wie einst Helmut Kohl Partei- und Fraktionsvorsitz zu verbinden, war nachvollziehbar und ich habe sie darin auch unterstützt. Friedrich Merz musste den Platz frei machen und sah das als Vertrauensbruch. Heute pflegen wir aber wieder ein gutes persönliches Verhältnis.

Man merkt, wie sehr Sie hier verwurzelt sind. Ist das der wahre Grund dafür, warum Sie über all die Jahre jedes noch so gute Angebot abgelehnt haben, nach Bonn, Brüssel oder Berlin zu wechseln?

Schon als Generalsekretär war ich mehr unterwegs als zu Hause. Die Gründe waren ganz andere. Als Franz Josef Strauß mir 1983 anbot, Bundesverkehrsminister zu werden, da habe ich das wegen meiner damals noch kleinen Kinder nicht getan. Ich war immer ein leidenschaftlicher Politiker, aber ich wollte wenigstens einen Minimalbeitrag zu ihrer Erziehung leisten – und sei es nur beim gemeinsamen Frühstück.

Zu den auch heute noch überraschenden Geschichten gehört, dass Kanzler Schröder Ihnen nach der Niederlage in der Bundestagswahl 2002 bereits ein Jahr später den Posten des EU-Kommissionspräsidenten angeboten hat. Was gefiel Ihnen daran nicht?

Zu meiner Zeit ist man in die CSU vor allem aus Gesinnung eingetreten. Die CSU verkörpert mein Lebensgefühl. Aus ihr habe ich meine Kraft gezogen und der Rückhalt der CSU bei den Menschen hat mich befähigt, auch persönliche Angriffe locker auszuhalten. Viele in der Partei, auch Horst Seehofer, haben damals gesagt: Du kannst jetzt nicht für Schröder nach Brüssel gehen, denn das große Ziel bleibt doch die vorzeitige Ablösung von Rot-Grün.

2005 war Rot-Grün Vergangenheit, Angela Merkel bildete mit der SPD eine Koalition. Sie blieben wieder in Bayern. Schließlich wollten Ihre Parteifreunde, dass Sie in München endlich Platz machen. Haben Sie den Putsch kommen sehen, als Sie 2007 zur Klausurtagung nach Kreuth fuhren?

Mir war bewusst, dass es in Kreuth kontroverse Diskussionen geben würde. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass man so weit gehen würde. Es war klar, dass ich noch zwei, drei Jahre meine Ämter ausfüllen wollte, um dann auch an der Spitze einen Generationswechsel einzuleiten. Andere wollten etwas anderes.

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/edmund-stoiber/wir-muessen-unsere-demokratie-renovieren-26343212.bild.html

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link

Stoiber in Bild: „Wir sind mit dem Euro eine Ehe eingegangen…“

… UND WIR HABEN PARTNER BEKOMMEN, DIE EIN WENIG ANDERS SIND“

Die Geschichte des Euro ist eine Geschichte von politischen Hoffnungen und ökonomischen Realitäten, von hehren Idealen und üblen Betrügereien, vom Wunsch nach Gemeinschaft und von kulturellen Unterschieden, von Beschwichtigungen und Sorgen.

Ich habe diese Geschichte in allen Schattierungen erlebt. Auch wenn ich gelegentlich nicht den Eindruck erwecke, so habe ich durchaus Hemmungen, mich selbst als „Besserwisser“ darzustellen. Aber wenn man glaubwürdig über Wege aus der Euro-Krise sprechen will, dann muss man zuerst schonungslos über ihre Ursachen und – ja auch – über ihre Vorhersehbarkeit sprechen.

Gelegentlich denke ich in diesen Zeiten an meine USA-Reise als Kanzlerkandidat im Jahre 2002. In einem langen Gespräch prophezeite mir damals der Chef der US-Notenbank,Alan Greenspan: So, wie der Euro konstruiert ist, gebe ich ihm eine Lebensdauer von zehn Jahren. Wir schreiben das Jahr 2012. (…)

Ich will die Euro-Debatte der Neunzigerjahre hier nicht in allen Einzelheiten nachzeichnen. Ich weiß, dass ich Helmut Kohl und vor allem auch Theo Waigel in dieser Zeit ziemlich auf die Nerven gegangen bin, im persönlichen Verhältnis bedauere ich das auch. Aber das Ringen um die Stabilität der Währungen war nicht dafür geeignet, Männerfreundschaften zu pflegen. Jedenfalls erwarb ich mir den Ruf eines scharfen Kritikers der baldigen Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung, insbesondere in den mediterranen Ländern. (…)

Zuerst müssen wir uns klarmachen, und das gilt auch für mich selbst: Unabhängig davon, welche Position wir zur Einführung des Euro hatten, wir müssen uns jetzt mit den Problemen auseinandersetzen, die nun einmal da sind.

Große politische Weichenstellungen gibt es nicht auf Probe oder auf Zeit, auch wenn wir dieser Illusion gerne anhängen. Es gibt Entscheidungen und auch Fehler in der Politik, die – leider – nicht ohne Weiteres revidiert werden können.

Der Euro ist die gemeinsame Währung. Wenn die gewählten politischen Verantwortlichen, so wie im Fall des Euro Rot-Grün, schwere Fehler machen – von der Aufnahme Griechenlands bis zur Aufweichung der Stabilitätskriterien –, dann haben diese schweren Fehler auch schwere Folgen.

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/euro-krise/exklusiv-ueber-eu-und-euro-26331672.bild.html

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link