Archiv für den Monat: Februar 2013

Stellungnahme des langjährigen Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber zur Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI.

In großer menschlicher und christlicher Verbundenheit sind meine Frau Karin und ich heute mit unseren Gedanken bei Papst Benedikt. Uns bewegt vor allem ein Gefühl der Dankbarkeit und des tiefen Respekts für sein Wirken als Papst, Kirchenführer und Theologe. Es entspricht seinem Selbstverständnis als Seelsorger und Diener Gottes, dass er die Zukunft der Kirche über seine Person stellt.

Die Begegnungen mit Papst Benedikt gehören für mich zu den großen Momenten in meinem Leben. In meinen Augen ist Papst Benedikt der größte Sohn Bayerns in seiner über 1.000jährigen Geschichte. Mit seinem Wort „Mein Herz schlägt bayerisch, in meinem Amt gehöre ich der Welt“ hat er die Verbundenheit und Liebe zu seiner Heimat Bayern auch in seinem weltumspannenden Amt unnachahmlich zum Ausdruck gebracht.

Es ist für Deutschland eine außergewöhnliche Ehre und Auszeichnung, dass mit Papst Benedikt nach 500 Jahren wieder ein Deutscher auf dem Stuhle Petri saß. Papst Benedikt ist nicht nur durch sein Amt, sondern durch seine Person eine moralische Instanz in der Welt. Wie kein Zweiter stellt er sich gegen Gewalt, Totalitarismus und Auswüchse des Kapitalismus in der Welt. Unvergleichlich sind seine Bescheidenheit und seine besondere Gabe, auch im 21. Jahrhundert den Menschen das Evangelium nahe zu bringen.

Stoiber kann über den Transrapid-Rap lachen

Ein Schlagzeuger vertont die legendäre Rede. Der CSU-Politiker fühlt sich „vom Komponisten absolut verstanden“ Von Peter Issig

 

Wer jemals Edmund Stoiber in seiner Glanzzeit als Kanzlerkandidat reden hörte, dem kam der Gedanke vielleicht schon einmal: An dem CSU-Politiker ist ein Rapper verloren gegangen. Dieses Stakkato seines Vortrags, diese gehackte Wiederholung gleicher Versatzstücke sind sein rhetorisches Markenzeichen. Jetzt hat der Jungmusiker Jonny König die berühmte Transrapid-Rede Stoibers vertont. Es ist ein kleines Meisterwerk.

„Stoiber On Drums“, das als Video auch auf YouTube zu sehen ist, kratzte nach einem Tag schon an der 100.000-Klicks-Marke. Vier Minuten und sieben Sekunden gibt König Stoibers Werben für den Bau einer Magnetschwebebahn in München einen neuen Rhythmus. Während der 24-Jährige sein Schlagzeug bearbeitet, dröhnt im Hintergrund die Stimme des Politikers vom Band: „Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München, mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen … am, am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug …“

Man kennt das. Die verhaspelte Rede aus dem Jahr 2002 ist legendär, die Originalversion wurde schon millionenfach angeklickt. Auf die Neuvertonung reagiert Stoiber selbst souverän. Das Trommel-Gedicht findet seinen Beifall: „Es geht eben nichts über eine gelungene Rede. Dem kreativen Schlagzeuger wünsche ich natürlich eine große Karriere. Als Texter fühle ich mich vom Komponisten absolut verstanden“, sagte Stoiber lachend der „Welt“. Der 71-Jährige, der sich inzwischen als Chef der High Level Group on Administrative Burdens in Brüssel um den Bürokratieabbau kümmert, hat sich längst mit seinen verbalen Verirrungen („Problembär“, „hingerichtete Blumen“) angefreundet. „Was die sogenannten Kultreden betrifft, da muss ich manchmal selber schmunzeln, wenn ich so einen Wortdreher von mir höre oder lese“, schreibt er in seinem Buch.

Und Stoiber kultiviert seine Rhetorik: Bei einer Verleihung eines Medienpreises 2012 parodierte er sich zusammen mit Christoph Maria Herbst („Stromberg“) in einem Videoclip sogar selbst. Stoiber erklärte ähnlich verquer und umständlich die Vorzüge einer modernen Espressomaschine. Von dem Kabarettisten Wolfgang Krebs, der Stoiber immer wieder doubelt, verlangte der CSU-Politiker schon einen „Solidaritätsbeitrag“ von den Honoraren. Schließlich liefere er die besten Vorlagen. Eine CD, die mit einem der Gebrüder Well (Biermösl Blosn) entstand, dokumentiert „Stoibers Vermächtnis. Große Momente, große Reden, große Freude“. Die legendäre Transrapid-Rede darf natürlich nicht fehlen.

Das neue Drum-Video wurde in einer schmucklosen Halle vor kleinem Publikum aufgenommen. Begleitet wird König von einer Gitarre, einem Bass und einem Keyboarder. Er schlägt auf die Trommeln ein, übersetzt die Silben in Töne, den stoiberschen Sprachrhythmus in Snare, Hi-Hat und Bass-Drum. Ein modernes Gedicht, Großstadtlyrik vom Allerfeinsten. Großer Sport, Brainfuck, Respekt, kommentieren YouTube-Nutzer.

Gefilmt wurde die Szene bei einem Konzert im Dezember 2012. Damals bekam Jonny König das „60 Jahre Baden-Württemberg“-Stipendium für seine eingereichten Schlagzeug-Kompositionen verliehen. Geschrieben hat er das Stück zur Schlagzeug-Prüfung an der Pop Akademie in Mannheim. „Ich wollte mich vom Normalen anheben“, sagt König. Er suchte sich einen schwierigen Text: „Um es am Schlagzeug nachzuspielen, schien mir nichts weniger prädestiniert als die Stoiber-Rede.“ Für König hat der Transrapid-Vortrag nämlich „überhaupt keinen Rhythmus“.

Inzwischen steht bei dem jungen Musiker das Telefon nicht mehr still. Anfragen für Live-Auftritte kommen herein. „Die Resonanz ist gewaltig.“ Ganz wichtig ist König, dass das Stück nicht als „Veräppelung“ des Politikers verstanden wird. Vorsichtshalber hat er das auch vor Veröffentlichung an die CSU-Facebook-Seite gepostet. „Die haben sehr freundlich reagiert.“ Eine weitere Vermarktung von „Stoiber On Drums“ hat er vorerst nicht geplant. Schließlich gehe es auch um das geistige Eigentum des Politikers.

König arbeitet als freier Musiker. Er spielt in Bands und schreibt Stücke. Der gebürtige Ludwigsburger hat auch Werbe- und Kurzfilme vertont und gibt Schlagzeugunterricht. Mit seinem jüngsten Werk wird er sich nun in der politischen Szene einen Namen machen. Die Kanonisierung des stoiberschen Œuvres schreitet munter voran.

Und Stoiber wäre nicht Stoiber, wenn er bei dem eigentlichen Sinn seiner Transrapid-Rede bleiben würde: „Ich bin überzeugt, der Transrapid wäre als Verkehrsmittel genauso Kult geworden wie meine Rede über ihn. Da waren die Gedanken den Worten weit voraus, nach dem Motto: ‚Vom Hauptbahnhof steigen Sie in zehn Minuten in den Flughafen ein.‘ Kann man es überhaupt besser ausdrücken?“

 

Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article113318643/Stoiber-kann-ueber-den-Transrapid-Rap-lachen.html