Archiv für den Monat: März 2017

Stoiber bei Hart aber fair

Stoiber: Merkel muss Europa führen

Europa hat die 60 geschafft, doch die Stimmung ist auf Schrumpfkurs: Flüchtlingsstreit, Brexit, Erdogan, Putin, Trump. Frank Plasberg nennt seine Sendung „Feiern gegen die Krise? Europa im Bürgercheck!“ Ob das die Laune hebt?

Die Gäste

• Edmund Stoiber (75, CSU). Der Altmeister sagte gleich nach Trumps Wahl, Europa müsse nun mehr Verantwortung übernehmen. Stimmt!

• Bernd Lucke (54). Der Ex-AfD-Chef sitzt heute für die Liberal-Konservativen Reformer im Europaparlament.

• Louise Månsson (28). Die Stockholmerin berät IT- und Softwareunternehmen.

• Jean Asselborn (67). Luxemburgs Außenminister ist Parade-Europäer mit scharfer Zunge. Wen nimmt er heute auf Korn?

• Markus Preiß (38) leitet das ARD-Studio in Brüssel. Sein Vorgänger war Rolf-Dieter Krause, das „Halstuch Europas“. Große Fußstapfen!

Interessantes Talk-Team! Gibt es Zoff?

Und wie! Asselborn, der immer am meisten redet und dabei auch am meisten schwitzt, hält das Eingangsplädoyer und eckt gleich an: „Ohne die EU wäre alles viel schlimmer“, sagt er zur Kritik am geldverschlingenden Brüsseler Bürokratie-Dino. „Die Berliner Mauer ist gefallen, Europa ist wieder vereinigt – ohne die EU wäre es nicht möglich gewesen.“

Wie bitte? Das war die EU?

Ehre, wem Ehre gebührt

Lucke steigt sofort drauf ein: „Unfug! Das haben wir Herrn Gorbatschow zu verdanken, das haben wir den Ungarn zu verdanken, die den Eisernen Vorhang niedergerissen haben, das haben wir Hans-Dietrich Genscher zu verdanken…“

Ehre, wem Ehre gebührt. Asselborn schmeckt das gar nicht: Auf die Ungarn ist er zurzeit mächtig sauer, wegen Flüchtlingsaufnahmeverweigerung.

„Die EU spricht nicht gut von sich selbst“, kritisiert Stoiber, tut es dann aber selber auch nicht: „Ich habe acht Jahre in Brüssel am Bürokratie-Abbau gearbeitet. Es ist ein Wahnsinn, mit welcher Lust Bürokraten daran gehen, ihre Kompetenzen zu überdehnen!“

Auch die Saurier wurden immer größer. Das Ende ist bekannt.

Riesige Einkommensunterschiede

ARD-Preiß nennt das nächste Problem: Riesige Einkommensunterschiede. „Luxemburg hat ein 15 Mal höheres Pro-Kopf-Einkommen als Bulgarien“, sagt er. Asselborn kann darüber nur lachen: „Die Mieten sind auch teuer in Luxemburg!“

Hart aber Fair!

Stoiber bringt den Talk wieder auf Kurs: „Nicht Kohl, nicht Schröder – Angela Merkel ist die erste, die eine Lead-Funktion in Europa hat“, sagt er. „Wenn Deutschland die Führungsrolle nicht übernimmt, wird es mit Europa nicht weitergehen!“

Hauptgefahr: Die Verteilung der Flüchtlinge. „Das kann die EU zerstören!“ warnt Asselborn. „Solidarität kann man nicht wie eine Wurst in Stücke schneiden!“

Beschämend: Von 160 000 Flüchtlingen sind erst 15 000 untergebracht.

„Schutz der Außengrenzen“

„Wir brauchen mehr Europa im Schutz der Außengrenzen“, sagt Stoiber. „Der Schutz der Außengrenzen sollte künftig eine Aufgabe der EU und nicht mehr der Nationen sein!“

Kitzlige Aussage: Kein Widerspruch, aber auch kein Beifall.

„Die europäische Idee steckt in einem Praxistest“, sagt Lucke. „Die Werte, die wir in Westeuropa für richtig, halten, werden in den anderen Ländern nicht unbedingt geteilt.“ Aber das sei nun mal Demokratie.

Das Zoff-o-Meter kommt in Schwung.

Asselborn funkt sofort dazwischen „Sie liegen falsch!“ Plasberg hat aber Zahlen: In Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei lehnen 73 Prozent die Aufnahme von Flüchtlingen ab. Eine junge Tschechin hat „keine gute Erfahrungen gemacht“, eine andere sagt: „Die sollen draußen bleiben!“

Stoiber nimmt Asselborn aufs Korn: „Wir brauchen eine europäische Lösung, aber die kriege ich nicht mit Zwang hin! Das macht Europa kaputt!“

Über Orban sagt der CSU-Altstar: „Sie können doch nicht hergehen und sagen, der soll rausgeschmissen werden! Das gibt‘s doch gar nicht! So kann man doch miteinander nicht umgehen!“

Jetzt knallt das Zoff-o-Meter gleich durch.

Vergleich des Abends

Den Vergleich des Abends postet ein Zuschauer auf Facebook: „Was diese Staaten-Sammlerei angeht, erinnert mich die EU an eine alte, senile Dame, die jede Katze, derer sie habhaft wurde, für heimatlos erklärte, um sie zu sich nach Hause zu locken.“

Einig ist sich die Runde nur darüber, dass die EU sich gefälligst um die großen Dinge kümmern solle, nicht nur immer um die kleinen. Plasberg zeigt dazu eine EU-Eigenwerbung: „Europa gibt deinem Fön zwei Jahre Gewährleistung“.

Skurril! Doch Asselborn will auch hier „in die Tiefe gehen“ und spricht über die „Komplexität von Europa“, das „Konstrukt“, den „permanenten Spagat“, das „Initiativrecht des Parlaments“…

Plasberg würgt ihn locker ab: „Der Fön passt ja auch „zu Ihrer steilen Frisur!“

Zitat des Abends

„Ich bin 13 Jahre dabei, und ich habe Europa immer noch nicht verstanden“ (Asselborn).

Die einen feiern, die anderen haben einen Kater. Mal Sprüche wie aus der Alpenmilch-Werbung, dann wieder Frust wie auf dem Seniorenteller. Hier Durchhalteparolen bis kurz vor der Phrasenvergiftung, dort Optimismus wie auf der Palliativstation: Das war ein Talk der Kategorie „Mühsam nährt sich das Eichhörnchen“.

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/hart-aber-fair/hart-aber-fair-merkel-europa-51036510.bild.html

So verlief der Politische Aschermittwoch in Thüringen

Politischer Aschermittwoch in Thüringen: Die CDU feiert sich mit Ehrengast Edmund Stoiber in Apolda, im Freudentaumel war die SPD in Arnstadt, mit Puscheln erschien die Grünen-Chefin Göring-Eckardt in Eisenach, Ministerpräsident Ramelow entdeckt die Wartburg als Amtssitz, die FDP macht sich Mut in Erfurt und AfD-Chef Höcke lässt sich in Sömmerda feiern.

Apolda. Die ersten gefühlt Tausend Bier sind gezapft, die Kapelle hat aufgespielt und die drei unionseigenen Ministerpräsidenten a. D. sitzen am Biertisch, als Mike Mohring dem Saal das gibt, was er will. Rot-Rot-Grün, ruft er, das sei doch nur eine „Koalition der Verlierer“, die bei der Gebietsreform „Chaos“ produziere, gegeneinander regiere und den Bürgerwillen ignoriere.

„Liebe Freunde, sie können es nicht! Wir können es besser, wir brauchen eine neue Regierung für dieses Land!“ Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Seit fast einem Vierteljahrhundert, seit Christine Lieberknecht in Passau das CSU-Original besichtigte, lädt die hiesige CDU immer aschermittwochs zur Kopie ins Weimarer Land. Jahrzehntelang tagte und trank die Union in der Therme von Bad Sulza. Als dann 2014 Landtagsfraktionschef Mohring auch die Landespartei übernahm, verlegte er die Veranstaltung nach Apolda, das nicht ganz zufällig seine Heimatstadt ist.

Abgesehen davon: In die Halle der hiesigen Vereinsbrauerei passen viel mehr Menschen. 1200 haben sich diesmal angemeldet, das ist mal wieder Rekord. Es finden nicht mal alle, die 15 Euro Eintritt bezahlen haben, einen Platz auf den Bänken.

Es ist eine dieser Veranstaltungen der Selbstvergewisserung, die gerade eine Oppositionspartei benötigt.

Edmund Stoiber ist eigens aus Bayern angereist

Alle werden begrüßt, vom Kartoffelbauer, der die Kartoffeln zum Hering liefert, bis zum örtlichen Autohaus-Inhaber. Und alle sind da, die von der CDU aufzubieten sind, Landtagspräsident, Landräte, Abgeordnete, dazu Ex-Regierungschefin Lieberknecht – und natürlich der vormalige, inzwischen 84-jährige Ministerpräsident Bernhard Vogel.

Hauptredner ist jedoch ein anderer Ex-Regent. Edmund Stoiber ist eigens aus Bayern angereist, um zu erzählen, warum die CDU etwas mehr CSU brauchen könnte, um der AfD zu trotzen.

Es wäre „eine Katastrophe“, ruft er, wenn am Ende des Jahres Rot-Rot-Grün regierten. Danach lobt er, in dieser Reihenfolge, Mohring, Franz-Josef Strauß, Helmut Kohl und Vogel.

Ansonsten ist Bundestagswahlkampf. „Lasst uns klare Kante zeigen“, ruft Mohring – gegen Linke, Sozialdemokraten und Grüne. „Oder wollt ihr Claudia Roth als Verteidigungsministerin? Zur Abschreckung mag sie ja dienen…“ Der Rest geht im Applaus unter.

„Warum nur“, erzählt Stoiber, so habe er am Mittwochabend Vogel gefragt, „warum nur machen wir hier das alles noch?“ Man sei sich einig gewesen: „Weil wir einfach nicht anders können.“

Quelle: http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/So-verlief-der-Politische-Aschermittwoch-in-Thueringen-1168814552