Der Staatsmann Stoiber erklärte Europa

 

Wie aus höflicher Zurückhaltung frenetischer Applaus wird: Der CSU-Ehrenvorsitzende sprach in Buch und warb für Bürgermeisterkandidat Siegfried Lösch.

VON WALTER DENNSTEDT, MZ

RIEDENBURG. Zugegeben, das, Thema „Europa – unsere Zukunft?!“ zu dem die CSU am Donnerstagabend nach Buch in den Landgasthof Schneider geladen hatte, klang nicht so berauschend, und auch Bayerns Ex-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber (72) war sich dessen bewusst. Freilich, Stoiber wäre nicht Stoiber, wenn er nicht die lodernde Glut des Vollblutpolitikers in sich hätte, die ihn zweifellos noch immer umtreibt.

 

Vor deutlich unter 100 Besuchern bei der Veranstaltung der Kreis- und Orts-CSU spannte Stoiber den geschichtlichen Bogen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Er mahnte vor einem Zusammenbruch der Währungsunion. Dies zu verhindern sei die Mammutaufgabe der Großen Koalition. Dabei gelte es gerade jetzt, so das flammende Plädoyer des im Jahr 2007 erst geschassten, dann zum Ehrenvorsitzenden gekürten Politikers, der seit nunmehr sechs Jahren ehrenamtlich für den Bürokratieabbau in der EU berufen ist, die Werte der Demokratie und der westlichen Zivilisation zu wahren. Diese Werte, für die derzeit Menschen in der Ukraine, in Kiew kämpfen, seien für uns Selbstverständlichkeiten. Das Gute daran zu vermitteln sei die Aufgabe der Politik.

 

Dr. Stoiber mahnte vor einem nationalistischen Rechtsruck im EU-Parlament, das im kommenden Jahr gewählt wird, und postulierte, dass eine Rettung des Euro einzig und allein in Berlin entschieden werde – nicht in Brüssel. Dabei forderte er, den Euro zu erhalten, weil eine Pleite der deutschen Wirtschaft immens schaden würde und unterm Strich teuerer käme als die Bemühungen um eine Lösung der Krise. Stoiber mahnte, dieses Thema nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Lob hatte Stoiber für Martin Neumeyer, den Kreisvorsitzenden, mitgebracht. Dessen Amt als Integrationsbeauftragter sei immens wichtig. Und ganz „Elder Statesman“ stellte er fest, dass dies vor wenigen Jahren in der CSU noch mit dem Motto „außen vorlassen“ abgehandelt worden wäre. Doch Konservativismus zeichne sich durch den Wandel aus, zu verharren wäre reaktionär.

 

Stoibers über einstündige Ausführungen wurden anfangs höflich, am Schluss teils frenetisch beklatscht. Unter den Klängen der CSU-eigenen Kapelle „Schwarzes Blech“, signierte er sein Buch „Weil die Welt sich ändert“ Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“, das rege gekauft wurde.

 

Dr. Stoiber war auf Einladung von CSU-Bürgermeisterkandidat Siegfried Lösch, der mit Gattin und Baby da war, gekommen. Er lobte die Hartnäckigkeit Löschs beim Ausmachen des Termins. Lösch selbst gestand seine Bewunderung für den ehemaligen CSU-Granden: Am Tag seiner Hochzeit, so habe seine Gattin gerade moniert, sei er nicht so aufgeregt gewesen wie heute. Löschs plausible Erklärung: „Da war auch der Stoiber nicht mit dabei“.

Quelle: http://www.mittelbayerische.de/region/kelheim/artikel/der-staatsmann-stoiber-erklaerte-europa/995022/der-staatsmann-stoiber-erklaerte-europa.html