Dr. Edmund Stoiber: „Ich übernehme keine Schulden…“

Aus der Veranstaltungsreihe „Stoiber im Gespräch“

Europa – ein freundliches Altersheim?“, fragte Dr. Wolfram Weimar bei „Stoiber im Gespräch“ in der Erdinger Stadthalle. Möglicherweise ist der Satz eines Tages nur zu wahr, um ihn heute als provokante These abzutun. Auch in der voll besetzten Stadthalle fehlte junges Publikum. Nicht gänzlich, aber im Verhältnis gesehen.

Dr. Edmund Stoiber ist zu Gast in Erding und im Gespräch mit Dr. Wolfram Weimer, ehemaliger Leiter zahlreicher Zeitungen und Magazine in Deutschland wie der „Welt“, „Cicero“ oder „Fokus“, der an diesem Mittwochabend die Moderation führt. Gerade geht es darum, wie Europa in der Zukunft im Vergleich zu anderen ökonomisch dominanten Nationen wie USA oder Asien dastehen wird im Sinne von „Die Menschheit wächst weiter, die Europäer werden weniger“. Wenn also Europa rückläufig und somit auch das demokratische Denken weniger wird.
Bisher war Demokratie mit wirtschaftlicher Stärke verbunden. Was, wenn es künftig mehr wirtschaftliche Stärke ohne Demokratie geben würde? Wie würde sich die Welt weiter entwickeln in einer nichtdemokratischen Gesellschaft? So Stoibers Ausführungen auf Weimer´s Frage, worum es rückblickend im Wahlkampf 2013 gegangen sein wird, mit dem Resümee Weimers: „Deutschland muss bürgerlich in der Spur bleiben.“
Sorge macht in diesem Zusammenhang, dass ein Drittel der Bürger nicht zur Wahl geht, wie kürzlich ein von Pro7 und SAT1 in Auftrag gegebene Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Wahlverhalten ergeben hat. Nichtwählen gefährdet die Demokratie. Und so braucht es nach Stoiber Wahlkämpfe, um den Wähler zu überzeugen, dass es um etwas geht.
Die Fragen aus dem Publikum berühren Themen wie die Bildungspolitik oder das Kruzifix in den Schulen, deren Antworten aber auch an diesem Abend keine bewegend neuen Erkenntnisse bringen. Wohingegen die Frage der Landtagskandidatin Ulrike Scharf nach einer Geldumverteilung, um mehr gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu ermöglichen, Stoibers Leidenschaft auf den Plan ruft. „Ich übernehme keine Schulden, die ich nicht verursacht habe. Italien, Spanien oder Griechenland müssen wettbewerbsfähiger werden und mehr in Fortschritt und in ihre jungen Menschen investieren.“
Schon damals in der Debatte um den Euro, habe er, Stoiber, die Meinung vertreten dass ein „Club Med“ die Währungsstabilität nicht würde wahren können. Und er warnt in diesem Zusammenhang vor dem Schnüren von Eurobonds.
Weimers Abschlussworte betiteln den Abend als außergewöhnlich angenehm und reich an geistigen Facetten, womit er dem in Worten und Gesten gänzlich aufgetauten und auf die Zuhörer sehr lebendig und authentisch wirkenden Ministerpräsidenten a.D. dem Publikumsapplaus nach zu schließen mehr als gerecht wird.

Autor: Claudia Kruppa

Quelle: http://www.wochenblatt.de/nachrichten/erding/ueberregionales/Dr-Edmund-Stoiber-Ich-uebernehme-keine-Schulden-;art5566,185836