Edmund Stoiber bei Günther Jauch

Am Sonntagabend ging es in der ARD hoch her, Stoiber gegen Lafontaine, Lafontaine gegen Stoiber – BILD.de erklärt wie’s war

12.12.2011 — 10:23 Uhr

Von SEBASTIAN DELIGA

Es war das Duell zweier politischer Schlachtrösser: Edmund Stoiber (70, CSU) gegen Oskar Lafontaine (68, Linke), Euro-Skeptiker gegen Banken-Kritiker.

Beide sind es gewohnt, die erste Geige zu spielen. Jetzt rasselten der Bayer und der Saarländer in der Talkshow von Moderator Günther Jauch (55) ordentlich aneinander.

Motto der Sendung: „Nach dem Krisen-Gipfel – Geht’s jetzt auch mit Deutschland bergab?“

DIE TALKRUNDE
Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, Oskar Lafontaine, Ex-Vorsitzender der Linken, EU-Kommissarin Viviane Reding (60), Hans-Werner Sinn (63), Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung und Rolf-Dieter Krause (60), ARD-Korrespondent in Brüssel.

DER EURO-TALK

Sonntagabend in der ARD, Auftritt Edmund Stoiber. Seine Rolle: Euro-Skeptiker, Kämpfer gegen Staatsschulden, EU-Hardliner.

Jauch fragt: Was soll mit EU-Staaten passieren, die die beim Krisen-Gipfel beschlossenen Schuldenbremsen nicht einhalten und sich auch von Sanktionen nicht beeindrucken lassen?

Stoiber: „Dann müssen die raus aus der EU.“

Den Satz, der Euro sei eine Frage von „Krieg und Frieden“, empfand er schon immer als überzogen, schimpft Stoiber. Auch das Nein der Briten zu einem neuen EU-Vertrag und die damit verbundene Isolation des Landes sieht Stoiber gelassen: „Das ist nicht so dramatisch. Wir haben sowieso schon ein Europa der zwei Geschwindigkeiten.“ Europa sei bereits gespalten – in die Länder ohne Euro und jene Staaten, die den Euro als Gemeinschaftswährung eingeführt haben.

Stoibers Hauptforderung: Ein Schulden-Stopp in Europa. „Die EU-Staaten müssen die Maastricht-Kriterien einhalten und endlich mit dem Schuldenmachen aufhören.“

Dann wettert Stoiber gegen Eurobonds: Wenn Eurobonds eingeführt würden, müsse Deutschland die Schulden der anderen Länder mitbezahlen, sodass Länder wie Italien gar keinen Anreiz mehr hätten, zu sparen.

Auch auf die italienische Politik ist Stoiber nicht gut zu sprechen: „Wir haben alle gelacht über die Bunga-Bunga-Politik von Berlusconi und haben gesagt, ja ja, die Italiener. Aber wir bezahlen alle mit unserem Geld für diese Schuldenpolitik.“

Er sei schon immer skeptisch gewesen, Länder wie Italien, Griechenland und Portugal in die Währungsunion aufzunehmen, weil es dort ganz andere finanzpolitische Vorstellungen und Mentalitäten gebe.

Dann läuft Stoibers Gegenspieler zu großer Form auf: Oskar Lafontaine, Ex-Vorsitzender der Linkspartei und der SPD, Ex-Finanzminister, Ex-Regierungschef an der Saar. Für ihn sind vor allem die Banken die Übeltäter.

Jeder EU-Gipfel nütze nur den Banken, schimpft Lafontaine. Auch nach dem letzten Gipfel hätten die Banken „mal wieder Champagner getrunken.“ Lafontaines These: Die Schulden machten nicht die Staaten, sondern die Banken. „Das Bankensystem ist eine gigantische Schuldenmaschinerie.“

Man dürfe nicht die Renten in Portugal kürzen, sondern müsse die Zockerei der Banken beenden. Das habe er als Finanzminister 1998 versucht, doch dann hätten ihm Vertreter der amerikanischen Regierung unter Bill Clinton gesagt, da könnten sie nicht zustimmen, weil die Wall Street den Wahlkampf finanziert habe. Lafontaine: „Solange Banken die Politik kaufen, wird es nicht besser.“

Nicht die Länder, sondern die Banken sollen Schuld sein an der Staatsverschuldung? Da platzt Stoiber fast der Kragen.

„Länder wie Italien sind doch selber schuld, dass sie von den Banken abhängig sind, weil sie permanent Schulden machen.“

Dann greift Stoiber Lafontaine an: „Herr Lafontaine, Sie gehören doch selbst einer Generation an, die lustig Schulden gemacht hat, etwa als Sie Ministerpräsident im Saarland waren“, schimpft Stoiber. Er selbst habe dagegen als bayerischer Regierungschef einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt. „Da hat mir noch jeder gesagt, ich spare Bayern kaputt.“ Stattdessen stehe Bayern jetzt hervorragend da.

Daraufhin sagt Lafontaine kaum noch etwas, grummelt in sich hinein, wiederholt später noch mal die Kritik an den Banken.

Das Duell der alten Hasen bei Jauch – da wurden die anderen Gäste zwangsläufig zu Statisten.

KLARTEXT

Ein spannender und emotionaler Talk: Stoiber regte sich auf wie in seinen besten Zeiten, Lafontaine polemisierte gekonnt wie immer. Moderator Jauch blieb souverän, interessiert, diskutierte frei, ohne ständig in seine Karteikarten zu gucken.

So wirkte seine Diskussionsleitung frisch, was nicht nur an seiner jungenhaft gegelten Haar-Tolle lag.

ABER: Lafontaine wiederholte ständig seine Botschaft gegen die Banken. Da hätte Jauch stärker einschreiten, dem Politiker im Sinne der Zuschauer etwas Neues entlocken können.

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/guenther-jauch/tv-talk-guenther-jauch-euro-krawall-zwischen-edmund-stoiber-und-oskar-lafontaine-21517956.bild.html