Edmund Stoiber im Interview: „Meine Frau habe ich über den Fußball kennengelernt“

BCF Wolfratshausen – Der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber macht keinen Hehl aus seiner Leidenschaft für den BCF Wolfratshausen. Im Interview spricht er über seinen Lieblingsklub.

BCF Wolfratshausen – Der BCF Wolfratshausen steckt tief im Abstiegsstrudel der Bayernliga Süd. Immerhin kann die Mannschaft auf prominente Unterstützung zählen: Edmund Stoiber, Bayerns früherer Ministerpräsident, ist eingefleischter Fan der Farcheter. Und überzeugt: Die Mannschaft wird es schaffen.

Herr Stoiber, in der Hinrunde haben Sie immer wieder bei Spielen des BCF vorbeigeschaut. Was macht für Sie den Reiz aus, die Spiele eines Amateur-Fußballvereins zu verfolgen?

Der BCF Wolfratshausen ist einfach mein Club. Ich habe dort selbst als Jurastudent Fußball gespielt. Für mich als Fußball-Fan ist das doch selbstverständlich, dass ich meinem Heimatverein die Daumen drücke. Auf dem Fußballplatz treffe ich ehemalige Weggefährten aus der Jugend. Aber auch aus der Politik wie Manfred Fleischer, der früher Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag war. Er ist beim BCF der Fußballchef. Früher gab es politische Reibungspunkte, heute fiebern wir zusammen bei Farchet mit. Das zeigt, wie der Fußball verbindet.

Edmund Stoiber im Farchet-Trikot – wie kam es dazu?

Ich bin 1961 von Oberaudorf nach Wolfratshausen-Waldram umgezogen. Bei einem ersten Erkundungs-Spaziergang am Loisachkanal bin ich am Fußballplatz in Farchet vorbeigekommen. Damals lief gerade ein Spiel in der C-Klasse gegen Egling. Auf dem Platz ging es richtig zur Sache. Es war ein hart umkämpftes Match. Dieses Erlebnis hat mich geprägt. Nach meiner Zeit bei der Bundesnewehr habe ich dann meine ersten Spiele für Farchet in der B-Klasse absolviert – oft in der Reserve. Seitdem bin ich mit diesem Verein eng verbunden. Das ist bis heute geblieben.

B-Klasse? Hat es für Sie nicht für höhere Aufgaben im Fußball gereicht?

(lacht) Wissen Sie: Meine fußballerischen Fähigkeiten waren begrenzt. Ich hatte nie eine Grundschnelligkeit. Technisch war ich auch nicht so beschlagen. Mit einer Statur von 1,84 Meter war ich damals der geborene Verteidiger. Meine Leidenschaft war größer als meine Technik. Ich war die fleißige Arbeitsbiene, die technische Mängel mit Einsatz und Laufarbeit wettgemacht hat. Verglichen mit Promis aus dem Profi-Fußball würde ich sagen: Der Fußballer Edmund Stoiber war mehr Schwarzenbeck als Scholl.

Was sagt Ihre Frau Karin dazu, dass Sie nach Ihrer langen Karriere als Politiker am Wochenende neben den Partien des FC Bayern auch noch bei Amateurspielen vorbeischauen wollen?

Meine Frau hat dafür mehr als nur Verständnis. Ich habe sie über den Fußball kennen gelernt. Zum ersten Mal habe ich sie bei einem Farchet-Spiel unter den Zuschauern gesehen. Sie war damals mit ihrem Vater mit auf dem Fußballplatz. Ein Amateur-Spiel war zu dieser Zeit noch ein richtiges Event. Da kamen alle aus dem Ort. Im Vereinsheim traf man sich zum Frühschoppen und Kartenspielen. Bis auf den Fußball gab es im Ortsteil an einem Sonntag nicht viel.

Heute ist die Situation eine andere: Den Amateurvereinen sind über Jahrzehnte hinweg die Zuschauer davongelaufen. Etliche Vereine klagen, dass die Überpräsenz des Profi-Fußballs im TV der Grund dafür ist. . .

Wenn am Wochenende ein Amateurspiel gleichzeitig mit der Partie des FC Bayern stattfindet, merkt man das natürlich sofort an den Zuschauerzahlen. Die Zuschauer bleiben dann zuhause und schauen Fernsehen. Mir persönlich ist der Fußball im TV fast schon zu dominant. Heute sitzt am Montagabend ein großes Publikum vor dem Fernseher, um sich ein Zweitliga- Spiel anzuschauen. Darunter leiden andere Sportarten wie Volleyball oder Leichtathletik. Beim Amateur- Fußball bin ich jedoch überzeugt, dass sich das ergänzt. Breitenfußball braucht die Verankerung mit Profifußball – und umgekehrt.

Wie meinen Sie das?

Der Profifußball hat eine Strahlkraft. Das ist der größte Werbeträger für den Breitenfußball. Kinder und Jugendliche fangen mit diesem Sport an, weil sie ihren Stars nacheifern wollen. Das Angebot ist heute deutlich breiter als früher. Es ist gewaltig, wie viele Spiele Wochenende für Wochenende auf den bayerischen Fußballplätzen stattfinden. Das gibt es im Sport kein zweites Mal.

Der BCF Wolfratshausen steckt mitten im Abstiegskampf. Darf die Mannschaft auch in der Rückrunde auf Sie als Zuschauer zählen?

Selbstverständlich. Wenn es die Zeit zulässt, werde ich sicher bei einigen Spielen vorbeischauen. Man muss auch sagen: Das Niveau dieser Spiele ist beachtlich. Natürlich spielen die Profi-Mannschaften einen anderen, schnelleren Fußball. Aber es ist schon erstaunlich, welche Ballfertigkeit und Konstitution Spieler in der Bayernliga besitzen. Hinzu kommt, dass die Farcheter Mannschaft einen sehr engagierten Trainer hat. Ich bin überzeugt, dass Wolfratshausen in der Rückrunde die Wende schafft.

Quelle: http://www.merkur-online.de/sport/amateur-fussball/landkreis-wolfratshausen/bcf-wolfratshausen/stoiber-interview-der-schafft-wende-3424838.html .