Emotionaler Wahlkampfauftritt von Edmund Stoiber in Gernsheim

GERNSHEIM.

Da war sie wieder, diese Leidenschaft, die er bereits als Generalsekretär der CSU von 1978 bis 1983 an den Tag gelegt hatte. Und noch immer hat der inzwischen 71 Jahre alte Edmund Stoiber etwas vom „blonden Fallbeil“ an sich, wie er damals vom politischen Gegner tituliert wurde. Wie einst wetterte der vormalige Kanzlerkandidat gegen sozialistische Umtriebe, gegen die er die Freiheit setzte.


Dabei schoss er sich zunächst auf die „Bevormundungs- und Empörungspartei“ Grüne ein: „Die würden es Franz Josef Jung nie durchgehen lassen, wenn er sich den Vorwürfen ausgesetzt sähe, wie sie Herrn Trittin gemacht werden“, meinte er in Anspielung auf die Pädophiliedebatte. Die Grünen wollten permanent bestimmen, „wie wir zu leben haben: Das schränkt die Freiheit ein“. Die sah Landtagskandidat Günter Schork durch die geplante „sozialistische Einheitsschule“ bedroht.

Bei seinem Auftritt im Wahlkampf-Endspurt am Mittwoch räumte Stoiber vor den rund 150 Gästen in der Stadthalle mit einem ihm anhaftenden feststehenden Begriff auf: Statt „gestammelter Werke“ gab es eine nicht unbedingt geschliffene, aber hoch emotionale Rede. Die gipfelte schließlich in dem Bekenntnis, nicht mehr ruhig schlafen zu können, wenn Steinbrück in Europa dabeisitze „und den anderen den Stinkefinger zeigt“. Merkel dagegen habe in ihrer ruhigen Art die Krisenbewältigung hinbekommen.

Die Pläne der Grünen und der SPD zu Steuererhöhungen bezeichnete der ehemalige bayerische Ministerpräsident als „Steuerorgie“. Edmund Stoiber redet mit dem ganzen Körper; die Emotionalität war nicht aufgetragen, sondern echt: Abschaffung des Ehegattensplittings, Erbschaftssteuer verdoppeln, mit der Vermögenssteuer das Betriebsvermögen des Bäckermeisters besteuern, das alles sei Wahnsinn. Und das vor dem Hintergrund, dass die öffentliche Hand derzeit 616 Milliarden an Steuern bereits einnehme.

Deutschland müsse seine Leistungsfähigkeit erhalten, beschwor der Redner sein Publikum, „um uns weiter alles leisten zu können, was wir uns noch leisten wollen“. Als Beispiel nannte er die Mütterrente als „Sache der Gerechtigkeit“.

In der immer wieder von Beifall unterbrochenen Rede erinnerte der CSU-Mann daran, „dass wir nach dem Krieg die Parias Europas waren“. Heute sei Deutschland angesehener Partner in der Welt, die gerade diese Bundestagswahl begleite und offen Sympathien für die Kanzlerin zeige. Das liege daran, dass „wir die Krise mit Angela Merkel überwunden haben, die in Rom, Madrid oder London aber noch lange nicht“.

In Frankreich erfüllten sich derzeit die Träume der deutschen Sozialisten – mit all ihren schlimmen Folgen. „Wir spielen ökonomisch eine Liga höher, da haben wir auch mehr Verantwortung.“ Wer, wie die SPD, die europäischen Schulden zusammenlegen wolle, nehme den anderen Ländern den Druck zur Selbstheilung: „Dann machen die gar nichts mehr.“

In Deutschland selbst sei der Süden der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung, so Stoiber mit Blick auf die Landtagswahl. Bayern (vier Milliarden Euro) und Hessen (zwei Milliarden) stünden gemeinsam für eine neue Balance im Länderfinanzausgleich. Heute nähmen „die anderen unser Geld und leisten sich mehr als wir“. Allein Berlin erhalten zwei Milliarden Euro. Am Sonntag der Wahl gehe es daher auch um gerechte Solidarität. Bundestagskandidat Jung steuerte noch bei: „Wer mehr leistet, muss auch mehr haben.“

Quelle: http://www.echo-online.de/region/gross-gerau/gernsheim/Emotionaler-Wahlkampfauftritt-von-Edmund-Stoiber-in-Gernsheim;art1236,4303294