Euro-Schuldenkrise

Stoiber sieht sich zu Unrecht verspottet

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Stoiber warnt im FOCUS, die Euro-Krise könnte schlimmere Folgen haben als die Pleite der Lehman-Bank. Er habe immer vor den unsoliden Finanzen der Südländer gewarnt, sei aber als „Erbsenzähler“ verlacht worden.
EU-Berater Edmund Stoiber (CSU) hat davor gewarnt, dass die andauernde Euro-Krise sich noch verheerender auswirken könnte als der Fall der Investmentbank Lehman Brothers, der die letzte Weltwirtschaftskrise auslöste. Im FOCUS-Interview erinnerte der frühere bayerische Ministerpräsident daran, dass er vor der Euro-Einführung die Sorge hatte: „Der ‚Club Med’ der Südländer könnte uns ruinieren. Ich wollte eine kleinere Euro-Zone. Aber ich bin als kleinkarierter Erbsenzähler verspottet worden.“Mit Blick auf die aktuelle Schuldenkrise sprach sich Stoiber aber dennoch für Finnanzhilfen aus. Jetzt sei „nicht Besserwisserei gefragt, sondern akute Nothilfe“, sagte er. Dabei versage die konservative Schwesterpartei der deutschen CDU/CSU, die griechische Nea Dimokratia, „auf ganzer Linie. Sie trägt eine hohe Verantwortung für die Schuldenmisere. Da ist es schon ein Wahnsinn, dass ausgerechnet sie die Leute gegen die Sparpolitik auf die Straße treibt“. 

300 Vorschläge zum Bürokratieabbau

Über seine eigene Arbeit, den Abbau der EU-Bürokratie, sagte der frühere CSU-Vorsitzende: „Wir haben bereits 300 Vorschläge mit einem Einsparvolumen von 41 Milliarden Euro vorgelegt.“ Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Hürden, sondern um ein Image-Problem der EU. „Die Bürger sehen sie hauptsächlich als bürokratisches Monstrum.“ Auch die einzelnen Mitgliedsstaaten der EU verhedderten sich „bei der Umsetzung Brüsseler Direktiven in ihrem eigenen Regelungsgeflecht“. Im Prinzip arbeite die EU-Verwaltung „nicht so schlecht“.

Der ehemalige Kanzlerkandidat der Union beklagte außerdem, „dass die Wirtschaftskrise zu einem neuen Ruf nach dem Staat geführt hat.“ Heute gehe es nicht mehr um Freiheit oder Sozialismus, sondern um Freiheit oder Sicherheit. Alle schimpften auf die Bürokratie. Aber individuelle Freiheit und Selbstverantwortung stünden nicht mehr hoch im Kurs. „Es gibt eine Sehnsucht nach staatlicher Fürsorge“, monierte Stoiber.
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/euro-schuldenkrise-stoiber-sieht-sich-zu-unrecht-verspottet_aid_636098.html