Archiv der Kategorie: Allgemein

Edmund Stoiber zum Tod von Heiner Geißler:

„Mit tiefer Betroffenheit und Trauer habe ich vom Tod meines langjährigen politischen Kollegen Heiner Geißler erfahren. Als Generalsekretär zwischen 1977 und 1989 hat er der CDU als soziale Volkspartei bis heute seinen Stempel aufgedrückt, z.B. durch seinen Debattenanstoß zur „Neuen Sozialen Frage“. Er verstand sich als das programmatische und soziale Gewissen der CDU. Heiner Geißler war ein großer Kämpfer und hat in seiner Zeit die politische Diskussion in jeder Beziehung geprägt.

Zwischen 1978 und 1983 haben Heiner Geißler und ich gemeinsam unsere Parteien als Generalsekretäre durch die stürmische Zeit der bürgerlich-konservativen „Wende“ gesteuert. Mit seiner Konfliktfähigkeit und Wortgewalt war Heiner Geißler für die CSU immer eine große Herausforderung, aber zugleich auch Partner. Seine oft kantigen Einwürfe und die zwischen den Schwesterparteien manchmal auch kontrovers verlaufenden Debatten konnten aber immer im Geiste der Gemeinsamkeit bewältigt werden. So hat Heiner Geißler die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß 1980 trotz aller anfänglichen Widerstände aus der CDU später loyal unterstützt.

In seinen späteren Lebensjahren war er auch für seine CDU gerade in wirtschaftspolitischen Fragen eine Herausforderung. Aber auch in dieser Zeit sind wir in Verbindung geblieben.

Keiner hat das Amt des Generalsekretärs so gelebt wie Heiner Geißler. Er verstand sich immer, wie er mir öfter gesagt hat, als geschäftsführender Vorsitzender der CDU. In diesen schweren Stunden gilt mein Mitgefühl besonders seiner Familie.“

Lafontaine und Stoiber bei Anne Will

Merkel hätte Putin zum G7-Gipfel einladen müssen!

Ausnahmezustand in der bayrischen Idylle! Am Sonntag kommen die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten auf Schloss Elmau zusammen. Der Bund der Steuerzahler schätzt die Kosten für den G7-Gipfel auf bis zu 360 Millionen Euro.

Anne Will beschäftigte sich mit dem teuren Treffen. Thema ihrer Talk-Show: „G7-Gipfel im Schloss – teuer, exklusiv, überflüssig?“ Wie demokratisch und transparent ist dieses abgeschottete Forum der Mächtigen? Und wem dient der Gipfel überhaupt – nur den Reichen oder auch den Ärmsten?

► DIE GÄSTE
• Klaus von Dohnanyi (86), ehemaliger Erster Bürgermeister von Hamburg (SPD)
• Katrin Göring-Eckardt (49), Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag
• Edmund Stoiber (73), früherer bayerischer Ministerpräsident (CSU)
• Oskar Lafontaine (71), Linken-Fraktionsvorsitzender im saarländischen Landtag

► DA GING’S ZUR SACHE

Von Anfang an dreht sich in Anne Wills Talk-Runde alles um die Kosten des G7-Gipfels. Besonders meinungsfreudig: Katrin Göring-Eckardt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende hat kein Verständnis für die hohen Kosten des Treffens.

Sie habe zwar nichts dagegen, wenn Politiker sich treffen, aber: „Wenn man aber über Nachhaltigkeit, Armut und die Frage des Klimaschutzes diskutiert, macht man das nicht höchst abgeschottet und ohne jede Dialogmöglichkeit mit den Leuten. Da kann man sich woanders treffen. Mit weniger Protz und dafür mit hoffentlich mehr Ergebnissen!“

Mit dieser Meinung steht Göring-Eckhardt in Anne Wills Talk-Runde allerdings fast alleine da. Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärt: „Elmau ist ein wunderbares Ambiente. Vielleicht ist das auch eine gute Gelegenheit, ein bisschen intensiver miteinander zu sprechen, als man das bei Videokonferenzen tut.“

Für den Widerstand gegen das kostspielige Spitzen-Treffen hat Stoiber kein Verständnis: „Wir haben ein bisschen die Maßstäbe verloren. Immerhin treffen sich hier sieben demokratisch gewählte Repräsentanten von fast einer Milliarde Menschen.“

Der frühere CSU-Boss stellt plakativ klar: „Wir haben im Irak riesige Probleme, wir haben in Syrien riesige Probleme. Es lohnt natürlich immer, darüber zu reden. Da halte ich es ehrlich gesagt für kleinkariert, darüber zu diskutieren, ob das jetzt 120 oder 130 Millionen Euro kostet.“

Unterstützung erhält Stoiber vom früheren Ersten Bürgermeister Hamburgs, Klaus von Dohnanyi. Der SPD-Politiker verteidigt die Exklusivität, in der sich die sieben Staats- und Regierungschefs treffen. Ein Treffen in Berlin würde weitaus weniger bringen.

Von Dohnanyi: „Ich habe viele Koalitionsgespräche geführt und einige schwierige Schlichtungen.“ Bei solchen Verhandlungen habe er sich mit den Parteien immer in ein Hotel zurückgezogen. „Sodass man auch am Abend bei einem Glas Bier noch einmal zusammensitzen kann – auch mit Leuten, die eine andere Meinung haben“, sagt er.

Der frühere erste Mann in Hamburg: „Wenn man von solchen Gesprächen etwas versteht, weiß man, dass manchmal am Abend an der Bar mehr herauskommt als in einer ganzen Plenarsitzung.“

Lafontaine findet Zusammensetzung problematisch

Oskar Lafontaine hingegen beschäftigt sich weniger mit Kosten und Aufwand, sondern mit dem Rahmen des G7-Gipfels. Dabei hinterfragt der Fraktionsvorsitzende der Linken im saarländischen Landtag vor allem die Teilnehmer: „Wenn man über Umweltschutz global oder Sicherheitsfragen redet, ist es selbstverständlich, dass die großen Nationen wie China, Indien oder Russland mit dazu kommen.“

Der Linken-Politiker zieht daher sein eindeutiges Fazit: „Die Zusammensetzung des Gipfels in jedem Fall problematisch.“ Explizit fügt er an: „Ich hätte es für dringend gehalten, Herrn Putin einzuladen.“

► Fehlen Russland und damit auch Wladimir Putin tatsächlich in der Runde der G7-Staaten? Zur Erinnerung: Im Zuge der Ukraine-Krise war Russland aus dem Gremium verbannt worden. Doch lassen sich die großen Konflikte der Welt tatsächlich ohne Wladimir Putin lösen?

Nein, meint Edmund Stoiber. Der CSU-Politiker überrascht mit einer klaren Ansage. Auf Wills Frage, ob Angela Merkel Putin hätte einladen müssen, antwortet Stoiber: „Ja – ich meine schon!“

Seine Erklärung: „Unabhängig von dem Völkerrechtsbruch, der unumstritten ist: Russland ist auch ein Teil der Lösung. Ohne Russland können Sie das syrische oder das iranische Problem überhaupt nicht lösen. Den militärischen und wirtschaftspolitischen Riesen Russland brauche ich am Tisch!“

Katrin Göring-Eckardt findet dagegen, das müsse nicht beim G7-Treffen sein. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende sagt zwar: „Es wäre riskant, nicht mit Putin nicht zu sprechen. Das muss man machen. Das muss man aber in anderen Formaten machen.“

► FAZIT

Der G7-Gipfel polarisiert – aber dennoch fehlte in dieser Diskussionsrunde der ganz große Zündstoff… Zu verbandelt wirkten die Herren von Dohnanyi, Stoiber und Lafontaine, die sich an diesem Abend kaum gegenseitig kritisieren wollten. Ein eher mauer Talk von Anne Will.

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/anne-will/g7-gipfel-lafontaine-und-stoiber-haetten-putin-eingeladen-41218508.bild.html

„Besorgniserregende Nicht-Affinität für Europa“

Experten fordern Rückbesinnung auf die ureigenste Gründungsidee einer Friedensunion für die Europäer

„Die Europäische Union ist die Antwort auf 1914 und 1939. Heute wird Streit in Europa nicht mehr am Schlachtfeld sondern an den Konferenztischen ausgetragen“, erinnerte Landeshauptmann Josef Pühringer im Rahmen des Europa-Forums in der Linzer Oberbank-Zentrale an die ureigenste Gründungsidee der EU. Edmund Stoiber, Ministerpräsident Bayerns a. D., erklärte, dass sich die EU nicht mehr als Friedensunion, sondern viel mehr als ökonomische Union verstanden hätte. Mit dieser Idee stoße man im schwelenden Konflikt in der Ukraine mit Russland an eine Grenze. Die Europäische Union habe Fehler — vor allem in punkto Bürokratie und Regulierungen müsse ausgemustert werden —, jedoch war man sich einig, dass es eines gemeinsamen, starken Europas bedürfe. Axel Greiner, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) OÖ, betonte, dass sich „Europa im Erfolg der vergangenen Jahrzehnte sonne“ und sich nun in „einer Phase der Deindustrialisierung“ befinde. Es brauche Mut, Reformen umzusetzen, ergänzte Greiner. „Ich spüre eine starke Nicht-Affinität für Europa. Das ist besorgniserregend für mich. Umfragen zeigen, dass in der Bevölkerung vor allem Bürgerferne und überbordende Bürokratie mit der Europäischen Union verbunden werden“, bedauerte Stoiber. „Europa muss besser werden“, ergänzte der ehemalige Ministerpräsident. Gastgeber, Oberbank-Generldirektor Franz Gasselsberger meinte dazu: „Die Vorteile der Europäischen Union werden in der Öffentlichkeit viel zu wenig thematisiert und wahrgenommen.“

Quelle: http://volksblatt.at/wirtschaft/besorgniserregende_nicht_affinitaet_fuer_europa_26042014/

Dr. Edmund Stoiber zum Tod von Dieter Hildebrandt

Dieter Hildebrandt war Politik pur. Meisterhaft verstand er es, das Politische in den Alltag zu übersetzen – und umgekehrt. In den 60er und 70er Jahren hat er sich mutig mit der politischen Klasse angelegt. Das war neu – so wurde er zum Vorreiter einer kritischen, kontroversen und oft auch polemischen Auseinandersetzung mit Politik. Die herrschenden Verhältnisse wurden von ihm in einer Schärfe, manchmal auch mit einer Einseitigkeit auf den Punkt gebracht, wie das kein anderer konnte. Mit meinem Vorgänger Franz Josef hat er manchen Strauß ausgefochten und diese Zuneigung gleich nahtlos auf mich übertragen. Seine Sympathie galt der Sozialdemokratie und sein Visier war offen. Im Gegensatz zu anderen hat er seine klare Haltung nicht hinter gespielter Objektivität versteckt. Respekt.

Stoiber für Große Koalition in Deutschland.

Der frühere bayerische Ministerpräsident appelliert an die „staatspolitische Verantwortung“ der SPD.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) befürwortet nach dem Wahlsieg der CDU/CSU bei der deutschen Bundestagswahl vom Sonntag eine Große Koalition mit den deutschen Sozialdemokraten. Die SPD wäre im Vergleich zu den Grünen der „interessantere Partner“ wegen ihres „gewaltigen Einflusses im Bundesrat“, der zweiten Kammer des deutschen Parlaments, wie Stoiber am Montagabend in einem Interview in der ZIB2 des ORF-Fernsehens sagte.

Stoiber appellierte an die „staatspolitische Verantwortung“ der SPD, mit der man bereits von 2005 bis 2009 eine „erfolgreiche Koalition“ gebildet habe. Mit den deutschen Grünen sieht Stoiber „keinen gemeinsamen Weg“. Eine Koalition mit dieser Partei brächte „große Probleme in der zweiten Kammer“. Eine Minderheitsregierung der CDU/CSU falls sowohl SPD als auch Grüne eine Koalitionsregierung verweigern sollten, ist angesichts „der großen Probleme in der EU“ für Stoiber „nicht vorstellbar“.

(apa/dk) Erstellt am 23.09.2013, 22:40

Quelle: http://kurier.at/politik/ausland/bundestagswahl2013/stoiber-fuer-grosse-koalition-in-deutschland/28.081.117

„Drei Kreizl, wenn der Schmarrn vorbei ist“

Dass in ihm Humor steckt, zeigt Edmund Stoiber erst seit er seinen Job als Regierungschef los ist: Als Kaffeemaschinen-Vertreter parodierte er 2012 seine legendäre Transrapid-Rede. Nun ist der 71-Jährige in einem Wahl-Werbespot zu sehen – als rauschebärtiger Biergartengrantler samt Dackel.

Von Sebastian Beck

Es ist zwar schon 13 Jahre her, dass der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber, den „Orden wider den tierischen Ernst“ verliehen bekam – „wegen seiner bayerisch-jovialen Art und seiner unfreiwillig-komischen Wortverdreher“, wie es damals in der Begründung hieß. Dass in ihm ein Mensch mit Humor steckt, zeigt Stoiber aber erst öffentlich, seit er seinen Job als Regierungschef los ist.

Als Kaffeemaschinen-Vertreter parodierte er vergangenes Jahr in einem Sketch seine legendäre Transrapid-Rede. Nun ist der 71-Jährige in einem Werbespot der „Geh-Wählen“-Kampagne von Pro Sieben-Sat. 1 zu sehen. Und zwar als rauschebärtiger Biergartengrantler samt Maxl, seinem Dackel.

Er redet nicht viel, aber was er raunzt, ist für Bajuwaren einwandfrei verständlich: „I und wählen? Zu wasn? De san doch alle gleich. Oana wia da anda. Und dafür soll i mei Kreiz macha? Na, drei Kreizl, wenn der ganze Schmarrn vorbei ist.“ Danach sagt Kickboxerin Christine Theiss: „Deine Stimme kann mehr als meckern. Geh wählen!“ Schließlich nimmt Stoiber seinen Bart ab und verkündet staatsmännisch: „Meckern reicht nicht. Gehen Sie wählen. Und hoffentlich das Richtige.“

Stoiber, das kann der Betrachter unschwer erkennen, wird auf seine alten Tage noch so was von locker. Womöglich lässt er sich bald einen echten Rauschebart wachsen. Er würde ihm gut stehen.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/stoiber-wirbt-fuers-waehlen-drei-kreizl-wenn-der-schmarrn-vorbei-ist-1.1755211

Als Edmund Stoiber Kanzler werden wollte

2002 wollte die Union Gerhard Schröder (SPD) als Kanzler ablösen, allerdings nicht mit der CDU-Vorsitzenden als Kanzlerkandidatin. Doch dann kam das Hochwasser, erinnert sich Edmund Stoiber.

Eigentlich wäre es mir lieber, andere würden über den Wahlkampf 2002 schreiben. Wenn ich das selbst mache, empfinde ich das als etwas aufgesetzt. Aber nun gut, ich habe mich überreden lassen. Es ist jedenfalls lange her, dass ich Kanzler werden wollte. Elf Jahre. Ich muss überlegen, damit mir wieder alles einfällt. Es ist ja nicht so, dass ich mich ständig damit beschäftige. Ich könnte fast jeden Tag irgendwo auftreten, gerade die Junge Union lädt mich oft ein. Dabei interessieren sich die jungen Leute dafür, wie ich Politik bewerte, was ich über Europa denke. Nach damals fragt selten einer. Das liegt sicher daran, dass ich nach der Kanzlerkandidatur nicht ausgestiegen bin. Ich war bis 2007 bayerischer Ministerpräsident und bin bis heute ehrenamtlich politisch aktiv. Meinem Nachfolger helfe ich gern im Wahlkampf. Ich meine nicht den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, sondern den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Die Spendenaffäre

Damals ging es mir ein bisschen wie Seehofer 2008. Auch ihm ist in einer sehr schwierigen Situation eine Rolle zugedacht worden. 2001 und 2002 litt die CDU noch unter der Spendenaffäre. Kohl war zurückgetreten, Schäuble auch, danach hatte Angela Merkel die Parteiführung übernommen. Der CDU wurde die moralische Berechtigung abgesprochen, die Bundesregierung zu kritisieren. Die CSU war dagegen von dieser Affäre nicht betroffen. Es waren Ministerpräsidenten wie Erwin Teufel, Bernhard Vogel, Roland Koch, die mich baten, Kandidat zu werden. Man dachte daran, dass ich 1993 Ministerpräsident wurde, als die CSU nach der Amigo-Affäre bei 38 Prozent lag. Ein Jahr später habe ich die absolute Mehrheit geholt. Jetzt lagen wir auf Bundesebene wieder hinten. Weit hinten. Gerhard Schröder und Joschka Fischer waren Meister des Wortes, Meister der Inszenierung.

Es gab viele, auch in meiner Umgebung, die uns das nicht zugetraut haben. Die prophezeiten, dass wir nicht mehr als 30 Prozent bekommen und damit der CSU Schaden zufügen. Deshalb sei das Risiko der Kanzlerkandidatur für die CSU zu groß. Manchmal höre ich, ich hätte Kanzlerkandidat werden wollen, um der CSU nach Franz Josef Strauß wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Darum ging es nicht. Diese Motivation reicht auch nicht aus. Ein CSU-Kandidat braucht eine Basis in der CDU. Die hatte ich. Und man muss es sich zutrauen. ,Ich traue es mir zu‘, war meine erste Aussage in der Landtagsfraktion 1993. Sie galt auch 2002.

Frühstück mit Angela Merkel

Natürlich hätte es Angela Merkel gerne gemacht. Sie wollte mit einem neuen Stil antreten. Am Ende sah die CDU-Spitze mit mir die größeren Chancen. Als Merkel und ich uns zum Frühstück bei mir zu Hause in Wolfratshausen getroffen haben, waren wir schon einig, dass sie nicht antritt. Sie wollte dennoch vor der Sitzung des CDU-Bundesvorstands in Magdeburg am 12. Januar mit mir persönlich reden. Zwei Tage zuvor hatte sie angerufen. Mein Terminplan war voll, Neujahrsempfänge waren angesetzt mit Tausenden Menschen. Sie schlug vor, ob wir uns nicht am Flughafen oder in der Staatskanzlei treffen wollen. Aber mir war es wichtig, dass wir uns in Ruhe und außerhalb der Öffentlichkeit besprechen konnten.

Ich habe deshalb das Frühstück vorgeschlagen, und sie kam am Freitag um acht Uhr morgens zu mir. Angela Merkel machte auch deutlich, dass sie als Parteivorsitzende nicht Ministerin in meinem Kabinett werden würde. Ich konnte das nachvollziehen. Am Samstag vor der Bundestagswahl haben wir uns noch einmal auf demOktoberfest in München und danach in der Staatskanzlei zur letzten Absprache getroffen. Im Falle meines Sieges oder meiner Niederlage wollte sie den Fraktionsvorsitz anstreben, sagte sie. Ich habe ihr meine Unterstützung zugesichert. Das hat die Freundschaft zu Friedrich Merz, ihrem Vorgänger, natürlich belastet. Politisch gab es für mich keine Alternative. Heute haben Merz und ich ein sehr gutes Verhältnis. Nur als BVB-Aufsichtsrat ist er oft anderer Meinung als ich im Aufsichtsrat von Bayern München.

Deutschland, der Sanierungsfall

Ich habe Deutschland als Sanierungsfall bezeichnet und mich als eine Art Insolvenzverwalter beworben. Deutschland galt als der kranke Mann Europas. Heute sage ich: Ich habe zwar die Wahl nicht gewonnen, aber meine Kandidatur hat etwas bewegt. Nach seinem Wahlsieg hat Gerhard Schröder die Agenda 2010 entwickelt und umgesetzt. Das waren Reformen, die den Wahlkampf bestimmt hatten. Arbeitsmarktreformen und Sozialreformen waren die großen Themen. Dafür ist während der Auseinandersetzung ein Bewusstsein entstanden. Anfang dieses Jahres hat mir Schröder einen handschriftlichen Brief geschickt, worin er mich als einzigen Unions-Vertreter zu einer Diskussion zu zehn Jahren Agenda 2010 eingeladen hat. Ich bin gerne gekommen.

Mit unseren Themen lief es erst gut. Mein Schattenkabinett hatte Gewicht, auf Leute wie Schäuble, Merz, Späth, Seehofer hörte man. Dann kamen die Auseinandersetzungen um den Irak-Krieg und das Hochwasser an der Elbe. Heute denke ich, ich hätte da sofort hinfahren sollen. Aber damals stellte sich das anders dar. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt hat mir nicht unbedingt zugeraten, sofort nach Sachsen zu kommen. Ich hatte ja keine Funktion außerhalb Bayerns, ich war doch „nur“ Kanzlerkandidat. Eine Woche vor der Wahl lagen wir dann in den Umfragen das erste Mal hinter Rot-Grün. Was hat das in der Unionsfraktion für eine schlechte Stimmung verursacht! Wenn die Wahl zwei Wochen später stattgefunden hätte, wäre unsere Ausgangsposition wieder besser gewesen. Aber es war, wie es war.

Durchhalteparolen

Als ich am Wahlabend in Berlin ins Flugzeug zurück nach München stieg, war klar, dass es sehr knapp werden würde. In München wurde ich von CSU-Generalsekretär Thomas Goppel informiert, dass es nicht gereicht hat. Natürlich war ich enttäuscht. Aber bei der Feier in der Hanns-Seidel-Stiftung bin ich wie ein Sieger empfangen worden. Wir haben schließlich 3,4 Prozent gegenüber 1998 zugelegt. Es ging für die Union seit 1983 immer bergab. Nur einmal gab es einen Ausreißer nach oben: 2002. Manche sprechen vom Stoiber-Zacken. Ich hoffe, dass nun der Merkel-Zacken kommt. Mein Ausspruch am Wahlabend: „Eins ist klar. Wir haben die Wahl gewonnen“, bezog sich auf dieses Plus. Ich wollte deutlich machen: Wir sind wieder da. Als ich zum Elefantenduell gegangen bin, kam ich an Schröder vorbei. Er saß etwas niedergeschlagen auf seinem Stuhl und sagte: „Jetzt können Sie mal zeigen, was Sie können“. Leider konnte ich es nicht. Eine Hoffnung hatte ich: Rot-Grün hält keine vier Jahre durch. Es ist ja so gekommen. 2005 war vorzeitig Schluss, die Union kehrte nach sieben Jahren mit Angela Merkel in das Kanzleramt zurück.

Gerhard Schröder

Zu Gerhard Schröder habe ich heute ein sehr gutes Verhältnis. Wir kennen einander seit einer Fernsehdebatte 1979. Er war Juso-Vorsitzender und ich CSU-Generalsekretär. Da krachte es. Zwanzig Jahre später trafen wir uns dann zum ersten Kanzlerduell im Fernsehen. Ich habe ihm das Duell vorgeschlagen. Manche fragten mich, ob ich wahnsinnig bin. Der Medienkanzler! Als ich am Abend des Duells am Studio in Berlin-Adlershof eintraf, wurde mir schon ein wenig anders. Diese Hundertschaft an Journalisten, dieses gewaltige Echo! Ich dachte mir, wenn du jetzt einen schweren Fehler machst, dann enttäuscht du so viele, die auf dich bauen. Die Verantwortung war riesig. Aber ich war gut vorbereitet. Mit meinem Team haben wir mögliche Fragen durchgespielt. Ich wurde traktiert und antwortete spontan darauf. Nach dem ersten Duell sah man mich im Vorteil. Nach dem zweiten Schröder.

Insgesamt war der Wahlkampf 2002 spannender als der heute. Wir lagen ja viel näher zusammen. Fast fünf Jahre später, im April 2007, habe ich Schröder zum Geburtstag gratuliert und ihn zur Brotzeit zu mir nach Hause eingeladen. Er kam. Es war ein schönes Treffen. Wir sprachen vor allem über unsere Pläne und die Familie. Die großen politischen Debatten, die lassen wir jetzt andere führen – in der Regel.

Quelle:  http://www.welt.de/politik/deutschland/article119372007/Als-Edmund-Stoiber-Kanzler-werden-wollte.html

Stoiber kritisiert Postkarten-Aktion der Jusos

Bayern-Aufsichtsrat Edmund Stoiber hat die Jungsozialisten und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wegen der Postkarten-Aktion im Zusammenhang mit Uli Hoeneß scharf kritisiert.

München (SID) – Bayern-Aufsichtsrat und CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber (71) hat die Jungsozialisten und auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wegen der Postkarten-Aktion im Zusammenhang mit dem Münchner Vereinspräsidenten Uli Hoeneß scharf kritisiert. „Dies ist ein beispielloser Vorgang. Es ist unakzeptabel, den Fußball auf diese Weise parteipolitisch zu missbrauchen. Das sind die Geister, die Steinbrück mit seinen Wahlkampf-Angriffen auf den Präsidenten des FC Bayern München gerufen hat. Wer durch seine Äußerungen zu einer solchen Hetzkampagne ermuntert, ist als Kanzler und Integrationsfigur ungeeignet“, ließ der ehemalige bayrische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat am Samstag über seinen Sprecher verlauten.

Die SPD wollte sich am 3. Bundesliga-Spieltag am Samstag und Sonntag die Abneigung einiger Fußball-Fans gegenüber Präsident Uli Hoeneß von Bayern München im Bundestagswahlkampf zu Nutze machen. Die Jungsozialisten wollten vor einigen Bundesliga-Stadien Postkarten verteilen, die Hoeneß beim Handschlag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen. Merkel wird darauf in Anspielung auf Hoeneß‘ Steueraffäre der Spruch in den Mund gelegt: „Glückwunsch, Uli! Wir Steuern das schon.“

Hintergrund der Aktion: Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Steinbrück fordert im Wahlkampf ein härteres Vorgehen gegen Steuersünder. Steinbrück hatte Hoeneß vor einigen Wochen aufgefordert, das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern wegen der Steueraffäre „mindestens ruhen zu lassen“.

Beim FC Bayern und auch den meisten Bundesligisten stößt die Aktion erwartungsgemäß auf wenig Verständnis. „Über die Art und Weise dieses Wahlkampfes muss man nicht groß diskutieren. Je mehr man darüber spricht, desto wichtiger macht man es“, sagte Mediendirektor Markus Hörwick.

Eine Sprecherin der SPD betonte, die Aktion sei keine Kampagne der SPD. Der Grafikdesigner Klaus Staeck habe die Karten gestaltet, die Jusos verteilten diese lediglich.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/fussball-bundesliga-stoiber-kritisiert-postkarten-aktion-der-jusos/8687968.html