„Sie wird nie müde“ Stoiber erklärt das Verhandlungswunder Merkel

In Berlin wird um die Koalition gerungen – und immer mittendrin: Angela Merkel. Mit etwas Abstand und voller Begeisterung beschreibt Edmund Stoiber ihre Stärken am Verhandlungstisch. Merkels Geheimnis: Sie wird nie müde, weiß alles und bleibt immer nett.

Union und SPD beginnen an diesem Mittwoch ihre mehrwöchigen Verhandlungen über eine große Koalition. Zum Auftakt wird sich die 75 Personen umfassende Hauptrunde in der CDU-Zentrale treffen. Neben dieser großen Runde gibt es zwölf Arbeitsgruppen mit jeweils 17 Personen und vier Untergruppen. Doch dort, wo die Parteien die wesentlichen Weichen der neuen Regierung stellen, wird auch immer die Kanzlerin und CDU-Chefin persönlich mit am Tisch sitzen. Was Angela Merkel bei Verhandlungen so stark macht, erklärte der frühere CSU-Chef und ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber am Mittwoch in einem Interview mit dem bayerischen Rundfunk.

Fast schon hymnisch klingt dabei das Lob Stoibers für Merkel. Sie nehme dieses Mal eindeutig den „entscheidenden Part der Verhandlungen“ ein. „Angela Merkel hat ihre Wiederwahl glänzend bestanden, das gibt ihre eine absolut dominante Stellung“, sagte der CSU-Ehrenvorsitzende. Vor einer umso schwierigeren Herausforderung sieht der 73-Jährige die SPD, insbesondere Parteichef Sigmar Gabriel und den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier, die ja nicht ganz das Ziel aus den Augen verlieren dürften, irgendwann mal Merkel ablösen zu wollen.

„Unendlich freundlich“

Glaubt man Stoiber, ringt Merkel ihren Verhandlungspartnern mit enormer Ausdauer und einem großen Maß an Nettigkeit die erwünschten Zugeständnisse ab. „Sie hat eine außerordentlich angenehme, nicht polemische Art“, sagte Stoiber, der die Kanzlerin aus früheren Verhandlungsrunden gut kennt. „Sie ist unendlich freundlich, unendlich sachlich und unendlich gut informiert.“ Merkel sei bei alledem „hartnäckig bis zum Ende“ der Verhandlungen. Die Kanzlerin verfügte, so Stoiber, über große „physische Präsenz und eine physische Kraft, die bei solchen Verhandlungen entscheidend ist“. Merkel werde auch nach zehn Stunden des Verhandelns nicht müde, anders als manche Kollegen, die gegen Mitternacht etwas matter würden.

Auch wenn hart um Kompromisse gerungen wird, gehe es unter den Politikern gelegentlich heiter zu, erzählte Stoiber. „Da wird auch mal ein Spaß gemacht. Horst Seehofer beherrscht es ganz besonders, durch nicht ganz ernst gemeinte Aussagen aufzulockern.“ Auch Merkel verfüge über den in schwierigen Situationen gefragten „Mutterwitz“. Sie könne sich sehr gut in die Situation des anderen hineinversetzen und werde nie allzu emotional oder polemisch wie einst Geißler, Kohl oder Strauß.
Früher mehr Alkohol

Nach einem sehr zäh verlaufenen Gespräch zwischen Union und SPD hatte die Generalsekretärin der Sozialdemokraten, Andrea Nahles, kürzlich im Scherz moniert, dass es nicht mal Alkohol gegeben habe. Stoiber dazu: „ Bei Unterbrechungen zum Essen werden schon mal ein oder zwei Glas Wein getrunken.“ Doch insgesamt wird Deutschlands Zukunft nüchterner verhandelt als früher. „Das hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren verändert“, so Stoiber. „In den 60er- und 70er-Jahren, da gehörte der Alkohol mehr dazu als heute.“

Quelle:
http://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2013/sie-wird-nie-muede-stoiber-erklaert-das-verhandlungswunder-angela-merkel_aid_1137204.html