Stellungnahme des langjährigen Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber zur Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI.

In großer menschlicher und christlicher Verbundenheit sind meine Frau Karin und ich heute mit unseren Gedanken bei Papst Benedikt. Uns bewegt vor allem ein Gefühl der Dankbarkeit und des tiefen Respekts für sein Wirken als Papst, Kirchenführer und Theologe. Es entspricht seinem Selbstverständnis als Seelsorger und Diener Gottes, dass er die Zukunft der Kirche über seine Person stellt.

Die Begegnungen mit Papst Benedikt gehören für mich zu den großen Momenten in meinem Leben. In meinen Augen ist Papst Benedikt der größte Sohn Bayerns in seiner über 1.000jährigen Geschichte. Mit seinem Wort „Mein Herz schlägt bayerisch, in meinem Amt gehöre ich der Welt“ hat er die Verbundenheit und Liebe zu seiner Heimat Bayern auch in seinem weltumspannenden Amt unnachahmlich zum Ausdruck gebracht.

Es ist für Deutschland eine außergewöhnliche Ehre und Auszeichnung, dass mit Papst Benedikt nach 500 Jahren wieder ein Deutscher auf dem Stuhle Petri saß. Papst Benedikt ist nicht nur durch sein Amt, sondern durch seine Person eine moralische Instanz in der Welt. Wie kein Zweiter stellt er sich gegen Gewalt, Totalitarismus und Auswüchse des Kapitalismus in der Welt. Unvergleichlich sind seine Bescheidenheit und seine besondere Gabe, auch im 21. Jahrhundert den Menschen das Evangelium nahe zu bringen.