Stoiber in Bild: „Wir sind mit dem Euro eine Ehe eingegangen…“

… UND WIR HABEN PARTNER BEKOMMEN, DIE EIN WENIG ANDERS SIND“

Die Geschichte des Euro ist eine Geschichte von politischen Hoffnungen und ökonomischen Realitäten, von hehren Idealen und üblen Betrügereien, vom Wunsch nach Gemeinschaft und von kulturellen Unterschieden, von Beschwichtigungen und Sorgen.

Ich habe diese Geschichte in allen Schattierungen erlebt. Auch wenn ich gelegentlich nicht den Eindruck erwecke, so habe ich durchaus Hemmungen, mich selbst als „Besserwisser“ darzustellen. Aber wenn man glaubwürdig über Wege aus der Euro-Krise sprechen will, dann muss man zuerst schonungslos über ihre Ursachen und – ja auch – über ihre Vorhersehbarkeit sprechen.

Gelegentlich denke ich in diesen Zeiten an meine USA-Reise als Kanzlerkandidat im Jahre 2002. In einem langen Gespräch prophezeite mir damals der Chef der US-Notenbank,Alan Greenspan: So, wie der Euro konstruiert ist, gebe ich ihm eine Lebensdauer von zehn Jahren. Wir schreiben das Jahr 2012. (…)

Ich will die Euro-Debatte der Neunzigerjahre hier nicht in allen Einzelheiten nachzeichnen. Ich weiß, dass ich Helmut Kohl und vor allem auch Theo Waigel in dieser Zeit ziemlich auf die Nerven gegangen bin, im persönlichen Verhältnis bedauere ich das auch. Aber das Ringen um die Stabilität der Währungen war nicht dafür geeignet, Männerfreundschaften zu pflegen. Jedenfalls erwarb ich mir den Ruf eines scharfen Kritikers der baldigen Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung, insbesondere in den mediterranen Ländern. (…)

Zuerst müssen wir uns klarmachen, und das gilt auch für mich selbst: Unabhängig davon, welche Position wir zur Einführung des Euro hatten, wir müssen uns jetzt mit den Problemen auseinandersetzen, die nun einmal da sind.

Große politische Weichenstellungen gibt es nicht auf Probe oder auf Zeit, auch wenn wir dieser Illusion gerne anhängen. Es gibt Entscheidungen und auch Fehler in der Politik, die – leider – nicht ohne Weiteres revidiert werden können.

Der Euro ist die gemeinsame Währung. Wenn die gewählten politischen Verantwortlichen, so wie im Fall des Euro Rot-Grün, schwere Fehler machen – von der Aufnahme Griechenlands bis zur Aufweichung der Stabilitätskriterien –, dann haben diese schweren Fehler auch schwere Folgen.

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/euro-krise/exklusiv-ueber-eu-und-euro-26331672.bild.html

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link