Stoiber in Erding

Das blonde Fallbeil ist sanftmütig geworden

Erding – 2007 wurde er aus dem Amt gedrängt. Heute gilt er vielen in der CSU wieder als Hoffnungsträger. Am Mittwoch hielt er in der Stadthalle Hof. Dabei wurde deutlich: Edmund Stoiber ist gelassener geworden, doch sein Feuer brennt weiter.

Würden Wahlen nach der Kunst der Inszenierung entschieden, wäre der CSU die absolute Mehrheit sicher. Im Rahmen seiner Wahlkampfreise unter dem Motto „Stoiber im Gespräch“ kam der Ex-Ministerpräsident und heutige EU-Entbürokratisierer am Mittwochabend in die Stadthalle. Schon am Eingang wurden die rund 300 Besucher – unter ihnen die neue CSU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Christa Stewens – von riesigen C-S-U-Lettern empfangen. In der Halle – alles im Parteigewande. Sogar die Bierfilze waren von der CSU – natürlich mit Beitrittserklärung auf der Rückseite.

Im Vergleich zu früher ist Stoiber pünktlicher geworden. Nur einer Viertelstunde kommt er zu spät – in seiner aktiven Zeit waren es regelmäßig 45 Minuten und mehr. Im Foyer ratscht er erst mit den Gastgebern: Kreisvorsitzendem Martin Bayerstorfer, den Landtagskandidaten Ulrike Scharf und Thomas Schreder sowie den Bezirkstagsbewerbern Franz Hofstetter und Karin Dürr.

Unter Applaus – aber ohne den sonst üblichen Defiliermarsch – zieht der 71-Jährige in die Stadthalle ein. Vorne steht auf einer eigens aufgebauten Bühne kein Rednerpult. Stattdessen warten zwei schwarze Ledersessel auf Stoiber und den Moderator des Gesprächs, den Politikjournalisten Wolfram Weimer.

Der einstige Chefredakteur von Welt, Focus und Cicero hat seine beruflich empfehlenswerte Überparteilichkeit an der Garderobe abgegeben und bekennt sich als flammender Stoiber-Fan. „Ich habe schon vor Jahren kommentiert, dass der Stoiber besser ist als Angela Merkel“, ruft er in den Saal. Weitere Ehrerbietungen gipfeln in dem Vergleich: „Es gibt in der deutschen Politik nur zwei elder Statesman – Helmut Schmidt und Edmund Stoiber.“

Das ist selbst dem Hochgelobten fast ein wenig zu viel des Guten. Er berichtet lieber von „35 Jahren in der Spitzenpolitik, von denen man nicht so leicht loslassen kann – das Aufhören ist das Schwierigste“. Er habe viel Zeit und Kraft in diesen Beruf gesteckt. „Da muss man froh sein, wenn man gesundheitlich gut rauskommt.“ Er sei froh, zu den Wenigen zu gehören, „die danach ein anderes Leben anfangen konnten“, so Stoiber mit Verweis auf sein Ehrenamt in Brüssel und seine Familie mit drei Kindern und fünf Enkeln.

Weimer versuchte, dem Publikum Stoiber als Mensch nahezubringen. Fast detailversessen stellte er Fragen nach dem legendären Wolfratshauser Frühstück 2002, bei dem Merkel dem CSU-Chef die Kanzlerkandidatur überließ. Das alles steht freilich ausführlich in Stoibers Autobiografie.

Ein wenig unvorbereitet wirkt Weimer auch, als er fragt, ob sich Stoiber das Amt des Bundespräsidenten vorstellen könne. Stoiber schaut verdutzt und weist dann süffisant darauf hin, „dass es ich es statt Horst Köhler hätte werden können“. Für sich selbst stellt der 71-Jährige klar: „Ein Rückkehr in die aktive Politik gibt es nicht.“

An den Wahlkämpfen der heutigen Zeit missfällt Stoiber der Fokus auf einen möglichst hohen Unterhaltungswert und die Suche nach Konfliktpotenzial. „Die Gesellschaft ist konsensorientierter geworden, die großen Schlachten der 70er und 80er Jahre sind geschlagen“.

Zum Schluss fragt ihn Weimer, wie die Wahlen im Herbst ausgehen. Stoiber ist zuversichtlich – was sonst!? „Die FDP wird stärker sein als in den Umfragen. Also kann Schwarz-Gelb in Berlin fortgesetzt werden.“ Was das Land betrifft, „kann ich mir gut vorstellen, dass einmal mehr keiner gegen die CSU regieren kann“.

Hans Moritz

Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/erding/stoiber-erding-blonde-fallbeil-sanftmuetig-geworden-2977465.html