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Stoiber: „Strauß ist der Vater der Volkspartei“

Aus der aktuellen Ausgabe des BAYERNKURIER-Magazins: Der CSU-Ehrenvorsitzende und langjährige Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber beschreibt seine persönlichen Erinnerungen an Franz Josef Strauß, der in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden wäre. Stoiber nennt Strauß den „Vater der Volkspartei“ und „größten politischen Sohn Bayerns“.

Franz Josef Strauß ist der Vater der Volkspartei CSU. Und er gehört zu den Vätern des erfolgreichen Prinzips Volkspartei im Nachkriegsdeutschland. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft in der jungen Weimarer Republik, die Unfähigkeit der damaligen Parteien zum Kompromiss und das Überrollen dieser Klientelparteien durch den verbrecherischen Nationalsozialismus haben in Franz Josef Strauß die Überzeugung geprägt: Wir brauchen Parteien, die die Interessen des gesamten Volkes vertreten wollen, die konfessionelle Grenzen überwinden, die unterschiedliche Bevölkerungsschichten miteinander verbinden, die den Ausgleich suchen.

Wer hätte dieses Prinzip Volkspartei besser verkörpern können, als Strauß selbst? Metzgerssohn und bester Abiturient Bayerns, Landrat und Atomminister, oft Leberkäs und manchmal auch Champagner, geschätzter Gesprächspartner von Haushälterin Käthe und Kardinal Joseph Ratzinger oder Golo Mann, Wanderer und Flugzeugpilot, geschichtsbewusster Innovator, ausgleichend und durchsetzungsstark, Bayern im Herzen – Deutschland und Europa im Blick: In Franz Josef Strauß wurde die moderne Volkspartei lebendig.

Die Bauern wussten genauso wie die Professoren: Er versteht uns, unsere ganz speziellen Bedürfnisse. Und dann, wenn es darauf ankommt, ist er für uns da.

Doch Vorsicht: Volkspartei a la Strauß – das ist kein konturenloser Mischmasch für alle. Das heißt nicht, einfach möglichst viele Facetten durch Einebnung miteinander zu verbinden. Sondern das heißt, die gesamte Bandbreite der Politik mit klaren Positionen aktiv zu gestalten. Auf die asymmetrische Demobilisierung – das Konzept, mehr Anhänger der politischen Konkurrenten einzuschläfern als eigene – wäre Franz Josef Strauß sicherlich nicht gekommen. Er war kein wandelnder Kompromiss. Ganz im Gegenteil, er sprach die unterschiedlichen Gruppen der Bevölkerung unmittelbar und deutlich an. Die Bauern wussten genauso wie die Professoren: Er versteht uns, unsere ganz speziellen Bedürfnisse. Und dann, wenn es darauf ankommt, ist er für uns da.

Volkspartei a la Strauß – sie muss nicht nur gute Sachargumente haben. Sie muss auch emotionale Heimat bieten. Franz Josef Strauß war kein Politik-Automat. Seine Leidenschaft war legendär, sie war ansteckend und übertrug sich auf seine Anhänger. Ja, er hatte erbitterte Gegner. Aber viel mehr hatte er begeisterte Unterstützer. Emotionen schaffen eine stärkere Bindung, als der reine Pragmatismus es vermag. Sie tun unserer Demokratie gut – denn nicht alle können oder wollen sich intensiv inhaltlich mit Politik beschäftigen. Auch diese Mitbürger müssen politisch und demokratisch erreicht werden. Es hat schon Gründe, dass Wahlbeteiligungen früherer Zeiten von an die 90 Prozent schon seit Jahren nicht mehr möglich sind. Der Name Strauß steht für Politik mit Verstand – und mit Herz.

Strauß war kein Politik-Automat. Seine Leidenschaft war legendär.

Dem Volk aufs Maul schauen, aber ihm nicht nach dem Munde reden – wie viel zitiert ist diese politische Handlungsanweisung von Franz Josef Strauß. Aber wie so oft im Leben: sie ist leichter gesagt, als getan. Im Grunde bringt Strauß hier unnachahmlich das Spannungsfeld, das permanente Dilemma der Politik auf den Punkt. Einführung der Bundeswehr, Klage gegen den Grundlagenvertrag mit der DDR, Bau des heute nach ihm benannten neuen Münchner Flughafens – es gibt politische Leitentscheidungen, bei denen ein gewählter Volksvertreter mutig vorangehen muss. Die er vor dem Volk vertreten und verantworten muss – zur Not gegen den politischen Mainstream. Die dann zu seiner Bilanz gehören, über die beim nächsten Urnengang abgestimmt wird. Das ist die repräsentative Demokratie.

Seit Strauß ist diese Herausforderung für Politiker bei bedeutenden Grundsatzentscheidungen noch größer geworden, angesichts permanenter Meinungsumfragen und Online-Votings. Aber sie bleibt. Doch richtig ist natürlich auch: Das allein ist kein Regierungsprinzip, das kann man nicht immer so machen. Volkspartei a la Strauß heißt genauso, sich permanent zu prüfen: Drückt die Politik die Befindlichkeiten der großen Mehrheit der Bevölkerung eigentlich noch aus? Oder umgibt sie sich mit der Tabuzone einer Political Correctness, die sie von der Lebenswirklichkeit der Bürger trennt?

Was können wir leisten, was wollen wir leisten und was müssen wir tun, um auch in Zukunft ein starkes und zugleich humanes Land zu bleiben? Lasst uns darüber reden!

Oft und gerade in diesem Jahr des 100. Geburtstags werde ich gefragt: Wäre ein Franz Josef Strauß heute so überhaupt noch denkbar? Meine Antwort ist ja. Natürlich wäre er intelligent genug, sich auf unsere Zeit einzustellen. Aber auch heute würde er politische Tabuzonen nicht einfach so akzeptieren. Mit Sicherheit würde er die Frage stellen: Wie viele Menschen aus anderen Sprach- und Kulturkreisen kann unser Land aufnehmen? Es gibt Obergrenzen für Verkehrsmittel, für Krankenhäuser, für Fußballstadien – gibt es auch Obergrenzen für ein Land? Was können wir leisten, was wollen wir leisten und was müssen wir tun, um auch in Zukunft ein starkes und zugleich humanes Land zu bleiben? Lasst uns darüber reden! Bei aller Begeisterung für Buntheit, die ich teile – wie viel Fremdheit verträgt ein Land? Was verstehen wir eigentlich wirklich unter Integration? Was genau ist die Aufgabe des Asylrechts und welche Zuwanderung ist darüber hinaus möglich?

Wir stehen vor einem Zeitalter der Völkerwanderung und Europa ist das große Ziel. Eine Volkspartei muss diese Themen aufgreifen, sonst wird sie von ihnen überrollt.

Volkspartei a la Strauß heißt, diese Diskussionen zu führen und auch über den Tellerrand zu blicken: Was sind die Fluchtursachen für Millionen junge Afrikaner, aus welchen Ländern kommen sie? Suchen wir, suchen die Europäer die Auseinandersetzung mit afrikanischen Potentaten und Gewaltherrschern, die ihre Länder ausbeuten und ausbluten? Tut die zivilisierte Welt genug, um der barbarischen Welt entgegenzutreten? Diese Debatte fehlt doch völlig in der Europäischen Union! Franz Josef Strauß würde diese Diskussionen nicht auf die Willkommenskultur reduzieren, sondern auch die Fluchtursachen offensiv ansprechen. Wir stehen vor einem Zeitalter der Völkerwanderung und Europa ist das große Ziel. Eine Volkspartei muss diese Themen aufgreifen, sonst wird sie von ihnen überrollt. Die CSU tut das, nicht nur für Bayern, auch für Deutschland.

Denn das Erbe von Franz Josef Strauß ist es, als regional begrenzte Partei mit bundesweitem und europäischem Anspruch Politik über Bayern hinaus zu gestalten. Als die Regierungspartei des stärksten deutschen Landes bestimmten Werten in unserer Bundesrepublik eine deutlich vernehmbare Stimme zu geben: Leistung und Anstrengung, Solidarität für die Schwachen durch Fordern und Fördern, Innovation und Fortschritt, Familie und Kinder, innere und äußere Sicherheit, Wachstum und solide Finanzen. Und zu diesem Erbe gehört es, als kleinere, aber erfolgreiche und homogene Schwester der stabile Pfeiler der Unionsparteien zu sein.

100 Jahre Franz Josef Strauß: Er ist der Vater der Volkspartei CSU, der größte politische Sohn Bayerns in den letzten hundert Jahren. Für mich bleibt er Lehrmeister und väterlicher Freund. Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts!

Quelle: https://www.bayernkurier.de/inland/5388-stoiber-strauss-ist-der-vater-der-volkspartei

Franz Josef Strauß war Politik pur!

Edmund Stoiber erinnert sich in BILD

Von EDMUND STOIBER

Franz Josef Strauß war mein Entdecker, politischer Lehrmeister und väterlicher Freund. Nach der Hochzeit mit meiner Frau Karin war die Begegnung mit ihm der entscheidende Wendepunkt in meinem Leben.

Als so gut wie unbekannten Abgeordneten holte er mich für die letzten zehn Jahre seines Lebens an seine Seite. Er gab mir die einzigartige Chance, als sein CSU-Generalsekretär und Leiter der Staatskanzlei meine späteren Ämter als CSU-Chef und Bayerischer Ministerpräsident von einer absoluten Nummer Eins zu „lernen“.

Regierungskunst hat schließlich etwas mit Können zu tun: Fleiß, Aktenkenntnis und Top-Vorbereitung – das waren bei all seinen politischen Talenten die Grundlagen seines Erfolgs. Die CSU nicht als Bayernpartei, sondern als eigenständige, selbstbewusste politische Gestaltungskraft für Deutschland und Europa zu positionieren – das war sein Credo.

► Regional begrenzt, aber mit bundes- und europaweitem Anspruch, dieses ganz besondere Markenzeichen der CSU hat Strauß uns Jüngeren geradezu eingeimpft. Bis heute verzweifeln die politischen Mitbewerber an dieser genialen Konzeption.

Angesteckt hat er mich mit dem Ehrgeiz, unsere wunderbare Heimat Bayern zu modernisieren und an die Spitze der Ländertabelle zu führen: Der Altphilologe und Historiker Franz Josef Strauß hat den jungen Juristen Edmund Stoiber mit seiner ungeheuren Neugier auf Innovationen, Forschung und Entwicklung fasziniert.

Die heraufziehende Globalisierung hat er weit vor anderen erspürt und Bayern darauf eingestellt. An der Spitze des Fortschritts marschieren, das bleibt das bayerische Erfolgsrezept!

Franz Josef Strauß war Politik pur. Mit ihm habe ich erlebt, dass Politik neben dem Verstand auch das Herz ansprechen muss.

Nicht alle Menschen haben die Zeit und Lust, sich detailliert mit den unterschiedlichen Sachargumenten auseinanderzusetzen. Sie müssen auch emotional gepackt werden. Wer andere überzeugen will, muss zuerst einmal selbst überzeugt sein. Wer begeistern will, muss selbst begeistert sein. Position beziehen und auch bei Gegenwind halten!

Eine erfolgreiche politische Rede war für Strauß kein Rhetorikseminar, sondern immer auch Leidenschaft und Emotion. Klare und deutliche Aussprache! Haushälterin Käthe`s Meinung war ihm nicht weniger wichtig wie die eines geschliffenen Leitartiklers. „Geh` bei Veranstaltungen nicht nur zu den Großkopferten, geh` in die Küche und zum Ausschank“, war sein Rat. Kein Problem ist zu klein, Politik ist für die Menschen da!

► Hungrig auf das Leben war er, tief geprägt von den Entbehrungen der Kriegsgeneration. Anspruchsvoll fordernd war er in der Sache und herzlich als Freund.

Bei allen Herausforderungen blieb stets Zeit für ein persönliches Wort. Nicht nur in der Staatskanzlei saßen wir oft Tag und Nacht zusammen, sondern auch an Weihnachten bei ihm oder mir zuhause.

Viele Geburtstage haben wir gefeiert. Zum 100. hebe ich das Glas und rufe ihm zu: Danke, für alles!“

Quelle: http://www.bild.de/regional/muenchen/franz-josef-strauss/100-jahre-geburtstag-stoiber-42215604.bild.html

Stoiber: So war der Bilderstreit um Franz Josef Strauß

Bilder waren für Franz Josef Strauß nicht besonders wichtig – sagt zumindest Edmund Stoiber. In der AZ erinnert sich der ehemalige Ministerpräsident an einen ganz speziellen Fototermin mit FJS.

München – Für Edmund Stoiber ist diese Ausstellung eine Reise in die Vergangenheit: „Die Macht der Bilder“ im Münchner Stadtmuseum, ein Gedenken zum hundertsten Geburtstag von Franz Josef Strauß. „Ich bin bewegt und berührt“, sagte Stoiber am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung – und er erinnerte sich an einen ganz speziellen Fototermin mit Strauß.

„Als Strauß Ende der siebziger Jahre bayerischer Ministerpräsident war, wurde er vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung mit einem – vorsichtig gesagt – wenig einnehmenden Porträtfoto dargestellt. Dagegen wurden Politiker der sozialliberalen Regierungsmehrheit geradezu liebreizend und vertrauenserweckend abgebildet. Das kam mir in meiner Sturm- und Drangzeit gerade recht: Ich beschwerte mich massiv, und so kam es zum sogenannten Bilderstreit. Wir haben dann einen Fototermin in München veranstaltet.

Dabei entstand das Bild von Franz Josef Strauß am Schreibtisch sitzend, das viele beim Gedanken an ihn im Kopf haben. Zu diesem Fotoshooting gibt es eine Anekdote, die die Haltung von Strauß, sein Verhältnis zum Inhalt und zum Abbild seiner Politik wunderbar beschreibt: Er brannte immer für die Sache und für politische Themen. Diesen Fototermin hielt er deshalb schon von Haus aus für absolut verzichtbar. Es war etwas mühsam, ihn von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Nur sehr widerwillig hatte er sich breitschlagen lassen.

Er saß schließlich an seinem Schreibtisch im Prinz-Carl-Palais, und es sollten die neuen Porträtfotos gemacht werden. Damit die Atmosphäre möglichst authentisch wirkte, wurden ihm auch einige Akten auf den Schreibtisch gelegt. Denn wie würde das aussehen, der Ministerpräsident an einem leeren Schreibtisch? Was aber macht Franz Josef? Während die Fotografen noch mit Aufbau und Abstimmung beschäftigt sind, nimmt er den obersten Akt, blättert darin – und gerät ganz außer sich! Wütend ruft er nach seinem Büroleiter, dem armen Wilhelm Knittel. Der muss antreten und bekommt eine lautstarke Abreibung! Was war passiert: Er hatte ausgerechnet nach einem Vorgang gegriffen, den er nicht kannte, der aber offenbar schon lange vorlag. Er war der Meinung: Man will mir anscheinend etwas vorenthalten.

Oh Gott, oh Gott, war das ein Donnerwetter!“

Quelle: http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.100-geburtstag-von-fjs-stoiber-so-war-der-bilderstreit-um-franz-josef-strauss.684fcf6a-9e29-46b2-94f1-8e5d3222c71c.html