Schlagwort-Archive: Kreuz

Bayerns Kulturkampf für das Kreuz

20 Jahre Kruzifix-Urteil

Vor 20 Jahren hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt: die bayerische Rechtslage zu Kruzifixen in Klassenzimmern widerspricht dem Grundrecht auf Religionsfreiheit. Ein regelrechter Kulturkampf war die Folge.

Von: Irene Esmann

Stand: 16.05.2015

Höchster Aufruhr in Bayern vor 20 Jahren – nach dem Kruzifix-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts und der Aufforderung an den Freistaat, die Kreuze aus den Klassenzimmern zu entfernen. Zehntausende kamen zu den Kundgebungen gegen das Kruzifixurteil. Am Rednerpult wetterten Kirchen- und CSU-Vertreter gegen den aus ihrer Sicht von Atheisten und Justiz angezettelten „Kulturkampf“. Unverkennbar, der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber:

„Wer christliche Symbole aus der Öffentlichkeit verbannen will, trifft unsere Kultur in unserem Lebensnerv. Wer das Kreuz abnimmt, schafft nicht Neutralität, sondern Leere.“ Ministerpräsident Edmund Stoiber 1995

Bayern muss das Urteil der Karlsruher Richter umsetzen. Unter CSU-Führung verabschiedet der Landtag ein halbes Jahr nach dem Urteil ein Gesetz, auf dessen Grundlage das Kreuz im Klassenzimmer bleiben kann. „Wir haben eine gute Praxis, die besagt, die Kreuze im Sinn des christlich-abendländischen Kulturerbes sind im Klassenzimmer drin. Sobald der Schulfrieden gefährdet ist, im Einzelfall, dann hängen wir sie halt ab. Aber das sind sehr wenige Fälle, die dann wirklich zum Problem geworden sind in den letzten 20 Jahren“, sagt Ulrich Seiser vom Bayerischen Kultusministerium. Nur ein einziges Mal – vor inzwischen 13 Jahren – entschied der bayerische Verwaltungsgerichtshof genau das: dass das Kreuz abgenommen werden muss. Doch in der Regel entscheidet nun die Schule selbst – jenseits von Ministerium und Gericht, ob und wo ein Kreuz hängt oder eben nicht.

„Es braucht Gleichberechtigung“

Viel Lärm um nichts, so empfindet Margarete Bause, Fraktionschefin der Grünen im Landtag, die Proteste damals gegen das Kruzifixurteil. Zwar spricht auch sie sich für christliche Symbole im öffentlichen Raum aus, doch ist sie auch der Meinsung, „dass es hier eine Gleichberechtigung braucht. Also was nicht geht: Dass eine Religion einer anderen bevorzugt wird, wie es die CSU versucht.“ Deshalb, so Bause, sei es schließlich genauso richtig, dass eine Lehrerin muslimischen Glaubens ein Kopftuch tragen kann, wenn sie das möchte.

Quelle: http://www.br.de/nachrichten/kruzifix-kreuz-urteil-100.html