TV-KRITIK „Die Welt schaut auf Deutschland – folgt aber nicht“

Anne Will ist ein exemplarisch guter Talk gelungen: Dank Gästen wie Edmund Stoiber, Themen wie dem EEG-Hammer aus Brüssel und der Frage: Macht die SPD Wirtschaftspolitik auf Kosten der deutschen Wirtschaft?

Das am Mittwoch von der EU-Kommission eingeleitete Beihilfeverfahren gegen das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für die gerade erst gebildete Bundesregierung kommt womöglich zur Unzeit. Für Anne Wills letzte Talkshow dieses Jahres mit dem Titel „Wirtschaft sieht rot – Zu viel SPD in der Großen Koalition?“ kam sie gerade recht. So fulminant wie gestern am späten Abend sind konträre Meinungen lange nicht mehr in einer Talkshow aufeinandergeprallt.

Von Anfang an verbissen sich Verbal-Duellanten in durchaus ungewöhnlichen Konstellationen ineinander. Wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und Christoph Schwennicke, Chefredakteur der keineswegs besonders links stehenden Zeitschrift „Cicero“, minutenlang stritten, ob die CSU nun zu wenige „Rumpfministerien“ in der Regierung erhalten habe oder die Ministerien-Arithmetik ein „bisschen überbewertet“ werde, wirkte am Anfang noch wie eine überflüssige Regionaldebatte. Der Schwung gab aber die Richtung für die Sendung vor.

Und Stoiber, der in langen Bögen präzise argumentierte (was sich bekanntlich nicht von allen seinen früheren Fernsehauftritten sagen ließ), setzte mit der Behauptung, dass die Zusammenlegung der Ressorts Wirtschaft und Energie in Sigmar Gabriels Superministerium die „Schlüsselfrage schlechthin“ für die neue Regierung sei, auch den inhaltlichen Akzent der Sendung. Zu diesen Fragen habe es in der vorherigen Koalition „sehr viel unterschiedliche Auffassungen“ gegeben. Wenn das nun anders sei, könne die Antwort gelingen, da die Große Koalition auch über eine Bundesratsmehrheit verfügt.

Ein „Mordsministerium“ nannte bewundernd Martin Wansleben, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, die Machtfülle von Gabriels Ministerium und äußerte die Hoffnung, der Minister werde sich an Amtsvorgängern wie Franz Müntefering, der die Rente mit 67 einführte, und dem seinerzeit ebenfalls sozialdemokratischen Wolfgang Clement orientieren.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/tv-kritik-die-welt-schaut-auf-deutschland-folgt-aber-nicht/9240724.html