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Nachrichten, News und Meldungen zum Thema FCB bzw. FC Bayern und Dr. Edmund Stoiber

Stoiber kritisiert Postkarten-Aktion der Jusos

Bayern-Aufsichtsrat Edmund Stoiber hat die Jungsozialisten und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wegen der Postkarten-Aktion im Zusammenhang mit Uli Hoeneß scharf kritisiert.

München (SID) – Bayern-Aufsichtsrat und CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber (71) hat die Jungsozialisten und auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wegen der Postkarten-Aktion im Zusammenhang mit dem Münchner Vereinspräsidenten Uli Hoeneß scharf kritisiert. „Dies ist ein beispielloser Vorgang. Es ist unakzeptabel, den Fußball auf diese Weise parteipolitisch zu missbrauchen. Das sind die Geister, die Steinbrück mit seinen Wahlkampf-Angriffen auf den Präsidenten des FC Bayern München gerufen hat. Wer durch seine Äußerungen zu einer solchen Hetzkampagne ermuntert, ist als Kanzler und Integrationsfigur ungeeignet“, ließ der ehemalige bayrische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat am Samstag über seinen Sprecher verlauten.

Die SPD wollte sich am 3. Bundesliga-Spieltag am Samstag und Sonntag die Abneigung einiger Fußball-Fans gegenüber Präsident Uli Hoeneß von Bayern München im Bundestagswahlkampf zu Nutze machen. Die Jungsozialisten wollten vor einigen Bundesliga-Stadien Postkarten verteilen, die Hoeneß beim Handschlag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen. Merkel wird darauf in Anspielung auf Hoeneß‘ Steueraffäre der Spruch in den Mund gelegt: „Glückwunsch, Uli! Wir Steuern das schon.“

Hintergrund der Aktion: Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Steinbrück fordert im Wahlkampf ein härteres Vorgehen gegen Steuersünder. Steinbrück hatte Hoeneß vor einigen Wochen aufgefordert, das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern wegen der Steueraffäre „mindestens ruhen zu lassen“.

Beim FC Bayern und auch den meisten Bundesligisten stößt die Aktion erwartungsgemäß auf wenig Verständnis. „Über die Art und Weise dieses Wahlkampfes muss man nicht groß diskutieren. Je mehr man darüber spricht, desto wichtiger macht man es“, sagte Mediendirektor Markus Hörwick.

Eine Sprecherin der SPD betonte, die Aktion sei keine Kampagne der SPD. Der Grafikdesigner Klaus Staeck habe die Karten gestaltet, die Jusos verteilten diese lediglich.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/fussball-bundesliga-stoiber-kritisiert-postkarten-aktion-der-jusos/8687968.html

Stoiber wütend über Steinbrück-Attacke auf Hoeneß

Peer Steinbrück ist der Meinung, dass Steuersünder Uli Hoeneß nicht weiter Aufsichtsratschef beim FC Bayern sein dürfte. Edmund Stoiber wirft ihm „Polemik und öffentlichen Pranger“ vor.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat den wegen Steuerbetrugs angeklagten Präsidenten Uli Hoeneß vom Triple-Gewinner Bayern München aufgefordert, sein Amt als Aufsichtsratschef „mindestens“ ruhen zu lassen. Dass Hoeneß weiter dem Aufsichtsrat des Rekordmeisters vorsitze, sei „gelinde gesagt merkwürdig“, sagte Steinbrück (66) dem Kölner „Express“.
„Viele Konzerne in Deutschland haben eine Art Verhaltenskodex, der ein Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglied im Fall der Anklage von Steuerbetrug zum Rücktritt veranlassen würde. Und der FC Bayern ist ja nicht nur ein Verein, sondern auch ein Wirtschaftsunternehmen“, sagte Steinbrück, der zugleich Mitglied im Aufsichtsrat von Borussia Dortmund ist.
Edmund Stoiber (71), einst selbst Kanzlerkandidat und derzeit Inhaber eines Sitzes im Bayern-Aufsichtsrat, reagierte erzürnt. „Wer Bundeskanzler werden will, sollte die Grundlagen unseres Rechtsstaates besser kennen. Polemik und öffentlicher Pranger können ein rechtsstaatliches Verfahren nicht ersetzen. Die rechtliche Bewertung dieser Selbstanzeige ist Sache des zuständigen Gerichts“, sagte Stoiber am Sonntag. Der „BVB-Aufsichtsrat Steinbrück“ solle „den Sport aus seinem missratenen Wahlkampf besser heraushalten“.

Steinbrück hatte es als „problematisch“ bezeichnet, „wenn ein Top-Fußballmanager als angeklagter Steuersünder seine Tätigkeit bis zum Urteil nicht mindestens ruhen lassen würde. Das wäre zum Beispiel im Vorstand oder Aufsichtsrat eines Automobil-Konzerns zwingend.“ Der Hinweis dürfte vor allem Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Vorstandschef Martin Winterkorn gelten. Beide Auto-Manager sitzen im Bayern-Aufsichtsrat, der weiterhin für einen Verbleib von Hoeneß im Amt ist.

Quelle: http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article119135653/Stoiber-wuetend-ueber-Steinbrueck-Attacke-auf-Hoeness.html

Stoiber zum Fall Hoeneß: „Gerichtliche Klärung abwarten“

FC Bayern Aufsichtsrat Dr. Edmund Stoiber will im Fall Hoeneß die gerichtliche Klärung abwarten. Im Münchner Merkur (Donnerstagsausgabe) verweist Stoiber auf den Beschluss des Aufsichtsrats vom 6. Mai 2013, mit dem das Gremium das Rücktrittsangebot von Uli Hoeneß einstimmig ablehnt hatte. Stoiber: „Es bleibt weiter abzuwarten, zu welchem Ergebnis die gerichtliche Klärung dieses Steuerfalls und dieser Selbstanzeige kommt.“

Zugleich erinnerte Stoiber an die „besondere Struktur“ der nicht an der Börse notierten FC Bayern München Aktiengesellschaft. Stoiber: „Bei allen Erwägungen ist auch zu berücksichtigen, dass die FC Bayern München AG zu über 80 Prozent dem Verein und damit den Mitgliedern gehört. Die haben Uli Hoeneß in den Aufsichtsrat entsandt. Ihre Sprechchöre in London, Berlin und München waren nicht zu überhören.“

Stoiber: „Wir erleben den Start einer neuen Ära“

München – Jetzt meldet sich auch der ehemalige Landesvater zu Wort. Edmund Stoiber spricht im Merkur-Interview über die Quantensprünge des FC Bayern, die Freundschaft zu Uli Hoeneß und seinen Lieblingsspieler.

Interview in merkur-online.de

Seit 1964 ist es Tradition in Edmund Stoibers Familie, die Pfingstferien in Italien zu verbringen. Heuer bildet keine Ausnahme – nur unterbricht der frühere Ministerpräsident den Urlaub, um nach London zu fliegen. Seine Frau fragte ihn: „Muss das sein?“ Ja, es muss. Seit über 45 Jahren ist der 71-Jährige Mitglied des FC Bayern, inzwischen fungiert er als Chef des Verwaltungsbeirats, sitzt zudem im Aufsichtsrat. Das Finale der Champions League gegen Dortmund gehört in die Kategorie Pflichttermin.

Herr Stoiber, sagen Sie: Bringen Sie eigentlich Glück oder Pech, wenn Sie bei einem Champions League Finale im Stadion sind?

Ich hoffe, eher Glück. Wobei ich sagen muss, dass ich auch 1999 bei der Niederlage gegen Manchester, 2010 gegen Inter Mailand und letztes Jahr beim Finale dahoam dabei war. Am schlimmsten fand ich übrigens 1999. Ich saß daneben, als UEFA-Präsident Lennart Johansson Franz Beckenbauer schon gratuliert hatte. Und dann kam das Unheil.

In der Politik braucht man Nehmerqualitäten – hat diese Bayern-Mannschaft diese Qualitäten?

Absolut, absolut! Sehen Sie, ich kenne den Basti Schweinsteiger zum Beispiel ganz gut. Er hat gelitten, natürlich, ich habe gemerkt, er trägt eine Last. Jetzt sage ich guten Gewissens: er trug sie. Er ist damit fertig geworden. Viele haben gesagt: Der erleidet einen Knacks, der erholt sich nicht mehr. Von wegen! Er hat eine fantastische Entwicklung genommen, in jeder Hinsicht.

Heikle Frage: Wer ist denn Ihr Lieblingsspieler?

Schweinsteiger. Gleich danach kommt Thomas Müller.

Kann man sagen, dass Schweinsteiger der Kanzler dieser Mannschaft ist?

Ja. Das ist er. Und Müller ist mit seinem Optimismus, gepaart mit seinen fußballerischen Qualitäten ein ganz besonderer Typ. Er gibt nie auf. Ich muss sagen: Diese Generation ist generell anders als die der Effenbergs und Baslers. Man sieht das etwa auf der Weihnachtsfeier: Da sitzt so ein Toni Kroos oder ein Lahm nicht gleich mit einem Wein oder Bier da. Das heute ist eine noch professionellere Generation. Ich finde auch bemerkenswert, dass die Bank bei einem Tor mitjubelt. Das gab es früher nicht, da dachten die Burschen eher: Es kann ja nicht optimal sein, wenn ich nicht spielen darf.

Dass die große Kollegialität Einzug gehalten hat, wird vor allem Jupp Heynckes zugeschrieben.

Heynckes wird als eine der ganz großen Trainer-Persönlichkeiten des Weltfußballs in die Geschichte eingehen. Allein, was er heuer geleistet hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Bayern jemals über einen so schlagkräftigen Kader verfügt haben. Letztes Jahr wurde es nach der Nummer 13, 14 kribbelig – heute kannst du bis zur Nummer 22 alle bedenkenlos bringen. So einen Kader musst du erst einmal bei Laune halten.

Für Heynckes war es ein großer Schock, dass der Verein Pep Guardiola ihm im Winter vorgezogen hat.

Sicherlich musste er da erst schlucken. Aber dann ist er beispiellos souverän mit der Sache umgegangen. Und es ist nicht zu leugnen, dass der Guardiola-Coup einen ungeheueren Imagegewinn bedeutet – das soll und wird Heynckes’ Verdienste nie schmälern. In China, in der hintersten Hütte irgendwo in Afrika, haben doch die Leute diese Verpflichtung registriert. Die Entscheidung von Guardiola pro FC Bayern hat den Klub für unzählige Menschen auf der Welt endgültig auf eine Stufe mit Barcelona, Real und Manchester United gebracht.

Waren Sie eigentlich überrascht, dass der ruhige Heynckes und Feuerkopf Matthias Sammer zueinander gefunden haben?

Sammer hat einen Riesenrespekt vor Heynckes – und umgekehrt. Uli Hoeneß hat den Aufsichtsrat früh informiert, dass er sich um Sammer bemüht. Das ist selten und hat uns gezeigt, dass er auf die Personalie großen Wert legt. Sammer ist ein Fußballkenner und akribischer Arbeiter.

Ganz ehrlich: Haben Sie als Aufsichtsrat eigentlich schweißnasse Hände, wenn Sie einen 40-Millionen-Transfer wie Javi Martinez absegnen müssen?

Nein, habe ich nicht. Ich hätte sie, wenn der FC Bayern das Geld nicht hätte und sich für solche Transfers verschulden müsste. Man wollte diesen Spieler und war bereit, diesen überhöhten Preis zu zahlen. Uli Hoeneß hat ja klar gesagt, dass er zehn Millionen zu hoch ausfällt. Aber heute redet keiner mehr über diesen Betrag. Weil jeder sieht, was für eine enorme Verstärkung Martinez ist. Er und Schweinsteiger ergänzen sich, als hätten sie schon immer zusammengespielt. Auch in diesem Fall gebührt Heynckes das Lob – die meisten kannten Martinez ja gar nicht, sogar Franz Beckenbauer hat gesagt: Wer ist denn das?

Ist es weiter der Weg, für Qualität große Summen zu investieren?

Gar keine Frage. Man baut weiter auf zwei Säulen: Talente aus der eigenen Förderung plus gezielte Verstärkungen. Nur mit Eigengewächsen ist es auf höchstem Niveau sehr schwer. Ein Quantensprung waren 2007 die Verpflichtungen von Franck Ribery und Luca Toni. Später dann Arjen Robben. Aber es ist ein Quantensprung, den sich der FC Bayern leisten konnte, weiterhin leisten kann und auch leisten muss, um dieses hohe Niveau aufrecht zu erhalten.

Wie sehen Sie die geballte Kritik am Aufsichtsrat, nachdem man Uli Hoeneß trotz seiner Steueraffäre im Amt beließ?

Rechtsstaatlichkeit bedeutet nicht moralische Vorverurteilung, sondern dass man erst mal die vorgesehenen staatlichen Verfahren abwartet. Außerdem muss man die Rechtsgrundlagen für den Aufsichtsrat sehen: Die Mitglieder des Vereins haben den Präsidenten gewählt und ihn damit in den Aufsichtsrat entsandt.

Ist es denkbar, dass die Causa Hoeneß nach dem Pokalfinale am 1. Juni wieder neu debattiert wird?

Der Aufsichtsrat wird das Thema erörtern, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Wir waren gut beraten, so zu entscheiden, nicht allein wegen der beiden anstehenden Finals. Erst mal muss der Sachverhalt vollständig rechtlich geklärt werden.

Wie kann der Verein, wie können Sie Hoeneß zur Seite stehen – auf der Meisterfeier wirkte er geknickt.

Uli Hoeneß weiß, ich bin sein Freund. Und man kündigt ja nicht die Freundschaft, nur weil einer einen Fehler macht – für den er aber natürlich im Rahmen unserer Rechtsordnung geradestehen muss.

Blicken wir auf das Finale gegen Dortmund.

Die Voraussetzungen für dieses Spiel sind ungleich besser als 2010 und 2012. Meines Erachtens ist es ein Vorteil, dass Dortmund eine bessere Mannschaft als Chelsea ist. Die Borussen können und werden nicht nur mauern.

Macht Ihnen beim BVB ein Spieler Angst?

Das größte Talent, das ich in den letzten Jahren gesehen habe, spielt auf jeden Fall ab Sommer in München . . .

Mario Götze.

Ja. Er muss nur noch diesen Abschluss bekommen, wie ihn Robert Lewandowski hat. Götzes Spielkunst begeistert mich. Wie der so auf engstem Raum Ideen umsetzt. Mit ihm werden wir auch die nächsten Jahre international eine große Rolle spielen, ganz sicher. In meinen Augen kann Mario Götze vielleicht sogar der neue Lionel Messi werden.

Wie groß ist das Problem, dass die Generation Lahm in dieses Finale wieder der erhobene Zeigefinger begleitet: Ihr müsst diesen Titel mal holen!

Lahm und Schweinsteiger sind noch Jahre im besten Fußballeralter. Ich denke, die Niederlage letztes Jahr gegen Chelsea hat die gleiche Wirkung wie 1999 die Niederlage gegen Manchester. Die Kraft kam da aus dem Schmerz. Ich bin mir sogar sicher, dass es diese Mannschaft nicht einmal umwirft, wenn sie 0:1 hinten liegt. Weil sie gereift ist, weil sie Selbstbewusstsein hat und weil sie weiß: Wir haben einen Plan, wir können immer Tore machen. Die stehen nicht da und machen hinten dicht und hoffen, dass vorne mal ein Konter passt. In dieser Mannschaft steckt viel mehr Kreativität als in früheren Mannschaften des FC Bayern. Und sie macht kaum Fehler. Wir haben die Chance, auch die nächsten Jahre in Europa ganz vorne mitzuspielen. Das wird nicht das letzte Finale sein. Wir erleben gerade den Start einer neuen Ära.

Geht Ihnen das Herz auf, wenn ein Dante oder Ribery in Lederhosen feiert und sich dabei wohlfühlt?

Das ist ein Imagegewinn für das Land Bayern, den kannst du nicht toppen, das sind unvorstellbare immaterielle Werte. Da haben mich die Leute in Gabun zum Beispiel schon gefragt, was es mit unserer Tracht auf sich hat.

Interview: Heinrich Lemer und Andreas Werner

Das vollständige Interview finden Sie in der Donnerstagsausgabe des Münchner Merkur.

Quelle: http://www.merkur-online.de/sport/fc-bayern/champions-league-finale/fc-bayern-stoiber-erleben-start-einer-neuen-aera-2919164.html

„Der Verein ist Uli sehr dankbar…“

Ex-Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber ist Beiratsvorsitzender des FC Bayern. Die tz sprach mit ihm über Wembley, Basketball und die Zukunft von Präsident Uli Hoeneß nach der Steueraffäre.

Edmund Stoiber im tz-Exklusivinterview

So oft es geht, sitzt er im Audi Dome in Reihe eins und fiebert mit den Roten Riesen mit. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber (71) hat sich längst vom ­wachsenden Basketballfieber in München anstecken lassen. Das Herz des FCB-Beiratsvorsitzenden schlägt mittlerweile nicht mehr ausschließlich für die Fußballabteilung des Rekordmeisters, sondern ebenfalls für die Korbjäger des FC Bayern. Die tz traf Stoiber zum ­exklusiven ­Interview und sprach mit ihm über Wembley, Basketball und die Zukunft von Präsident Uli Hoeneß nach der Steueraffäre.

„Mein London-Tipp? Ein Sieg natürlich“

Herr Stoiber, es stehen entscheidende Wochen an für den FC Bayern. Allen voran am 25. Mai das Champions-League-Finale in London. Ihr Tipp?

Stoiber: Ich bin heuer wesentlich optimistischer, als ich es vor den letzten Finals 2010 und 2012 war. Dieses Mal bin ich felsenfest davon überzeugt, dass wir gewinnen, weil wir insgesamt die bessere Mannschaft haben. Balltechnisch gibt es so gut wie keine Stockfehler, fast jeder Spieler kann gleichwertig von der Bank ersetzt werden. Natürlich unterschätze ich Dortmund keineswegs, aber ich habe das Gefühl, dass wir nach den Niederlagen der letzten zwei Jahre nun einfach dran sind. Und die Mannschaft will, hat einen unglaublichen Zusammenhalt sowie mentale Stärke entwickelt. Ich denke, wir können uns auf einen Sieg mit mehr als einem Tor Unterschied freuen.

Und auch die Basketball-Abteilung ist auf einem guten Weg. Seit Sonntag steht das Team von Svetislav Pesic vorzeitig im Halbfinale.

Stoiber: Ja, da kann man ­bereits ein wenig träumen. Die Mannschaft hat sich nach dem Grundstein durch Dirk Bauermann besonders unter Trainer Pesic sehr positiv entwickelt. Sich beispielsweise im Rebounding sehr verbessert. Ich bin sicher, wenn es in diesem Jahr nicht bereits mit der Meisterschaft klappen sollte, dann auf jeden Fall innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Das würde besonders einem viel bedeuten.

Stoiber: Ja, Uli Hoeneß hat einen sehr großen Anteil an dem Projekt FC Bayern Basketball. Es ist vor allem das Werk des Präsidenten, der schnell auch die wirtschaftliche Grundlage gesetzt hat, dass sich der Basketball mit einem Etat von etwa neun Millionen Euro im Jahr selber trägt. Dass er nicht der Aktiengesellschaft auf der Tasche liegt und Querüberweisungen braucht, ist toll. Man merkt, dass der Präsident absolut hinter dem Ganzen steht, auch wenn er sich zur Zeit ein wenig zurückhält. Der Verein ist ihm jedenfalls sehr dankbar für sein Engagement und unterstützt ihn menschlich in seiner wirklich schwierigen persönlichen Situation.

Ein Beispiel dafür ist sicherlich die Entscheidung des Aufsichtsrats, den von Uli Hoeneß angebotenen Rücktritt nicht anzunehmen.

Stoiber: Diese Entscheidung habe ich auch als Beiratsvorsitzender unterstützt. Jetzt ist erst einmal abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Es geht zunächst um die klare Beurteilung der Gegebenheiten durch den Staat, durch Finanzbehörden und Staatsanwaltschaft.

Bis diese vorliegt, wird es also keine ­Veränderungen geben?

Stoiber: Es ist ja auch rechtsstaatlich, dass man erst einmal abwartet, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Und man darf auch die Rechtslage nicht übersehen: Die Mitglieder des Vereins haben Uli Hoeneß zum Präsidenten gewählt und in den Aufsichtsrat der AG entsandt. Nur die ­Mitglieder könnten ihn auch wieder aus den Gremien abberufen. Da sieht es derzeit mehr nach einer großen Solidarisierung aus. Die Mehrheit der Mitglieder sieht in ihm offensichtlich vorrangig den Architekten des heutigen FC Bayern.

Diesen Zuspruch konnte man auch am vergangenen Sonntag im Audi Dome ­spüren. Immer wieder war die Rede davon, dass das ­Mia-san-mia-Gefühl endgültig auch den Basketball ­erreicht hat.

Stoiber: Ja, all die Skepsis, die es vielleicht vor der Entscheidung der Mitglieder zum Thema Basketball gegeben hatte, ist längst verflogen. Mittlerweile sieht man einen Karl Hopfner, einen Matthias Sammer und viele Fußballstars ebenfalls im Audi Dome. Das ist toll! Auch diejenigen, die hauptsächlich Fußballfans sind, beginnen, einen Stolz für den Basketball zu entwickeln.

Wie erklären Sie die Faszination Basketball?

Stoiber: Basketball ist an Spannung nicht mehr zu überbieten. Häufig sind die Schlussmomente eines Spiels nur mit einem spannenden Elfmeterschießen im Fußball zu vergleichen. Und es braucht nicht viel, um diesen Sport auszuüben, es gibt für jeden eine Position – ob groß oder klein. Ich habe früher selber gespielt, da ich meine Klassenkameraden mit 13 Jahren bereits um einen Kopf überragt habe. (lacht)

Herr Stoiber, haben Sie einen Lieblingsspieler im Basketballteam des FCB?

Stoiber: Zum einen Tyrese Rice. Im dritten Spiel gegen ALBA Berlin war es toll, mit welcher Sicherheit er auch die wichtigen Freiwürfe am Ende getroffen hat. Und dann natürlich Steffen Hamann. Er ist einfach ein Aushängeschild des deutschen Basketballs. Ihm gelingt es immer wieder, seine Mannschaft zu motivieren und mitzureißen – genauso wie das Publikum. Aber wissen Sie, was mir allgemein unglaublich gut gefällt?

Nämlich?

Stoiber: Die Mannschaft hat einen tollen Zusammenhalt entwickelt! Ich sitze im Audi Dome jedes Mal gegenüber von Trainer Svetislav Pesic und der Auswechselbank. Und da bemerke ich immer wieder, dass kein Spieler teilnahmslos am Rand sitzt, weil er momentan nicht auf dem Feld steht. Ganz im Gegenteil! Jeder feuert jeden an. Und es gibt keine Schimpferei untereinander, wenn einmal etwas nicht klappt. Das ist die Grundlage, wenn du wirklich nach der Meisterschaft greifen willst! Und noch etwas: Mittlerweile wird die Mannschaft ebenfalls mit den Anfeindungen in fremden Hallen fertig. Seit dem Amtsantritt von Svetislav Pesic hat wirklich jeder verstanden, was es heißt, für den FC Bayern zu spielen. Das Team hat sich toll entwickelt und wird es auch weiterhin tun, daran wird intensiv gearbeitet.

Sie sprechen Neuverpflichtungen an?

Stoiber: Da weiß ich nichts Konkretes. Aber ich weiß, dass die Verantwortlichen bereits daran arbeiten, die Mannschaft weiter zu verstärken. Gerade, wenn im kommenden Jahr auch in der Euroleague gespielt werden sollte, ist eine tiefe Bank sehr wichtig. Das hat man in dieser Saison bei Berlin und Bamberg gesehen. Ich bin sicher, dass die Mannschaft noch stärker werden wird. Und es würde mich sehr freuen, wenn mehrere deutsche Mannschaften in Zukunft europäisch eine größere Rolle spielen würden.

Und damit der Basketballsport in Deutschland noch populärer wird.

Stoiber: Genau. Natürlich liegt mir in erster Linie der FC Bayern am Herzen. Aber ich habe auch die Entwicklung dieses Sports im Allgemeinen im Blick. Es wäre gut, wenn noch weitere deutsche Fußballvereine dem Beispiel des FC Bayern folgen würden.

Die ganze Familie fiebert mit

In München könnte der Bau einer neuen Halle ebenfalls ein weiterer Schritt sein.

Stoiber: Es gibt Überlegungen in diese Richtung und Investoren, die durchaus ­interessiert sind, das zu unterstützen. Möglicherweise gemeinsam mit dem Eishockey. Ende des Jahrzehnts hoffe ich auf eine große Halle für 10 000, 12 000 Leute. Aber schon der Audi Dome entwickelt sich neben der Allianz Arena zu einem wichtigen Gesellschaftstreffpunkt.

Ihre Frau begleitet Sie häufig dorthin. Haben Sie Ihre Familie bereits mit der Begeisterung für Basketball angesteckt?

Stoiber: Absolut! Meine Frau ist durch mich zum Basketball gekommen, mein Sohn hat damals auf dem Gymnasium selbst gespielt. Und die zwei großen meiner fünf Enkel sind ebenfalls absolute Fans. Die beiden identifizieren sich mit einem Steffen Hamann genauso wie mit einem Thomas Müller. Als ich ihnen Karten für das letzte Playoff-Spiel gekauft habe, ­haben sie gesagt: Opa, du bist der Größte! (lacht)

Interview: Lena Meyer

„Wir haben schon 30 Milliarden Euro eingespart“

Was macht Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber eigentlich in Brüssel? Im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ sagt er, warum wir in Europa zu viel reglementieren – und wie gespart werden kann.

Von Florian Eder

Im Isar-Loisach-Stadion, nur ein paar Fahrradminuten von Edmund Stoibers Haus entfernt, kostet der Eintritt sieben Euro. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident nimmt Platz auf einer der Parkbänke, die als Ränge dienen. „Wenn ich da bin, gewinnen sie immer“, hat er beobachtet. Hin und wieder kommt er zu seinem alten Verein BCF Wolfratshausen, der in der Bayernliga Süd spielt – wenn nicht der FC Bayern gleichzeitig ein Heimspiel hat. Der Bundesliga-Erste ist an diesem Oktobersamstag in Düsseldorf zu Gast, während des Gesprächs aber immer präsent: Bei jedem Tor bekommt Stoiber eine Nachricht auf sein Smartphone.

Welt am Sonntag: Sie haben selbst einst hier gespielt. Juckt es Sie noch?

Edmund Stoiber: Hin und wieder habe ich noch nach meiner aktiven Zeit ein Gaudi-Spiel mitgemacht, aber einmal habe ich mir die kleine Zehe gebrochen, ein anderes Mal die Hand verstaucht. Wenn man nicht mehr 100 Prozent fit ist, dann verletzt man sich leicht, deswegen habe ich das längst aufgegeben.

Welt am Sonntag: Sie kommen gerade vom Parteitag der CSU. Fühlt sich das so ähnlich an wie hier am Spielfeldrand?

Stoiber: Ja, durchaus, und das genieße ich. Obwohl ich in der Politik doch noch öfter um Rat gefragt werde als im Fußball.

Welt am Sonntag: Wie beurteilen Sie den Europa-Kurs der Unionsparteien und die neue Milde gegen Griechenland?

Stoiber: Kanzlerin Angela Merkel macht in dieser schwierigen Situation genau das Richtige: Sie geht in der Schulden- und Euro-Krise Schritt für Schritt, mit großer Verantwortung für die Stabilität der EU. Das unterstütze ich zu hundert Prozent. Meine Glaubwürdigkeit in der Euro-Frage hängt auch daran, dass ich damals gegen die so schnelle Währungsunion mit den mediterranen Ländern war.

Welt am Sonntag: Aber Sie haben sich bekehren lassen.

Stoiber: Ich habe damals erst aufgrund eines Bundesbank-Gutachtens, der Euro sei vertretbar, meine Bedenken zurückgestellt. Heute sage ich den Leuten: Ich habe keinen Reset-Knopf, wir können leider nicht mehr vor diese Entscheidung zurück. Wenn wir das eng geknüpfte Netz der Währungsunion heute an einer Stelle – Griechenland – aufreißen, dann hat das für uns, für Deutschland unabsehbare wirtschaftliche und politische Konsequenzen. Das habe ich immer schon vertreten. Ich sehe, dass Angela Merkel diese Position voll und ganz teilt. Und ich begrüße es sehr, dass Horst Seehofer spürt, dass er als deutscher Politiker eine Riesenverantwortung auch für Europa hat. Deutschland muss führen, selbst wenn es eigentlich gar nicht will.

Welt am Sonntag: Sie haben nicht gesprochen auf dem Parteitag.

Stoiber: Nein, das brauche ich nicht mehr. Das zeichnet ja einen Elder Statesman aus, dass er weiß, wenn man vom Spielfeld geht. Man sitzt auf guten Rängen und drückt die Daumen, aber man spielt nicht mehr vor den Rängen mit.

2:0 schon für Bayern inzwischen, während es in Wolfratshausen wenig vorwärtsdrängend hin und her geht.

Welt am Sonntag: Der BCF braucht heute recht dringend drei Punkte. Wird das so etwas mit einem Sieg?

Stoiber: Die spielen ja erst ein paar Minuten, schau’n wir mal. Generell ist man heute bis runter in die C-Klasse auf Sicherheit bedacht. Ein Spiel gewinnt man in der Regel durch eine gute Abwehr. Deswegen wird heute viel mehr strategisch und taktisch gedacht als zu meiner Zeit.

Welt am Sonntag: Sie haben ein Buch geschrieben, in dem viel über die alten Zeiten unter Strauß zu lesen ist, als Angriffslust zum Sieg führte. Sind die vorbei?

Stoiber: Die Unterschiede zwischen Union und SPD waren ja in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik fundamental größer: Europa ja oder nein, Nato, Bundeswehr – gemündet ist das etwa 1976 im Slogan „Freiheit oder Sozialismus“. Ich bin aus Gesinnung in die CSU eingetreten, weil ich dafür war, dass Menschen mehr selbst Verantwortung übernehmen und weniger auf den Staat übertragen.

In Wolfratshausen ist ein Tor gefallen – und Stoiber jubelt, wie man es von einem VIP-Fan erwartet. „Schau’n S’ halt öfter zu“, sagt ihm ein Zuschauer, die Tröte in der Hand. „Jetzt haben S’ doch öfter Zeit, weil S’ in die Rente gegangen sind.“

Welt am Sonntag: Haben Sie die Autogrammkarten immer dabei?

Stoiber: Im Auto hab ich welche. Neuerdings wollen die Leute aber vor allem ein gemeinsames Foto machen.

Welt am Sonntag: Die großen Fragen, sind die heute so viel kleiner?

Stoiber: Das will ich nicht sagen. Die Parteien sind pragmatischer, und es gibt heute in der Regel nur noch Differenzierungen in Sachfragen. Die Zeiten der Ideologisierung sind vorbei. Aber ich glaube, dass heute ein Gegensatz die Gesellschaft und Europa durchzieht. Das merke ich auch als Chairman der High Level Group of Independent Stakeholders on Administrative Burden …

Welt am Sonntag: … als Chefberater der Kommission zum Bürokratieabbau. Dauert etwas, bis man den Titel flüssig sagen kann?

Stoiber: Geht schon. Ich stoße da immer wieder auf einen Gegensatz. Der ist: Willst du mehr Sicherheit …

„Derf i kurz stör’n?“, fragt ein Zuschauer, einen dicken Filzstift in der Hand. Stoiber macht sich daran, das T-Shirt des Mannes zu signieren. „Mit besten Grüßen, ja? Kitzelt ein bissel, gell?“, fragt er und ordnet zum Ende noch an: „So, Bauch wieder einziehen.“

Stoiber: Also, die Frage: Will der Bürger mehr Sicherheit, oder geht das Pendel hin zu mehr Selbstverantwortung, überhöht: mehr Freiheit? Und ist er bereit, Ungleichheit zu akzeptieren? Das sind wir immer weniger.

Welt am Sonntag: Woher kommt das?

Stoiber: Das Sicherheitsbedürfnis ist größer geworden. Man sucht, wenn man Schwierigkeiten hat, viel mehr zu ergründen: Bin ich verantwortlich, oder müssten nicht eigentlich die Bedingungen andere sein? Der Satz: Jeder ist seine Glückes Schmied, der wird heute nicht mehr ohne Weiteres akzeptiert. Ein jeder fordert: Der Staat muss bessere Rahmenbedingungen schaffen, damit ich mein Glück machen kann …

Welt am Sonntag: … und muss beinahe ein jedes Lebensmodell und noch die Alternative dazu subventionieren, auch auf Betreiben Ihrer Partei.

Stoiber: Eine Volkspartei wie die CSU tut sich heute schwer damit, sich eindeutig zur Selbstverantwortung zu bekennen. Das wäre eigentlich die Rolle der FDP, aber auch die verteilt ja gerne um. Die europäische Gesellschaft ist eben sehr stark vom Gerechtigkeitsgefühl geprägt. Die EU steht für neun Prozent der Erdbevölkerung, aber für 50 Prozent der Sozialleistungen der gesamten Welt. Ungleichheit ertragen wir offensichtlich viel weniger als andere Gesellschaften. Wir haben immer mehr Gesetze, um … Herr Eder, Sie hören ja gar nicht zu!

Welt am Sonntag: Ich bin ganz bei Ihnen, aber hier fällt gleich ein Tor.

Zwei schnelle Spielzüge später steht es 3:0 für Wolfratshausen.

Stoiber: Bravo, gut gesehen. Wir leisten uns immer mehr Normen, um mehr Sicherheit zu gewährleisten. Wir reagieren pausenlos auf Unglücke, auf Unfälle, auf schwere Schäden – und dann fragt man eben: Haben die Behörden geschlampt? Muss man nicht viel öfter, strenger, genauer prüfen, die Statik einer Brücke oder die Situation in schwierigen Familien oder die Sicherheit von Autos? Das führt zu einer immer weiteren Verdichtung.

Welt am Sonntag: Wo kann man denn zum Beispiel ausdünnen?

Stoiber: Man sollte sich beim Gesetzemachen fragen: Muss das sein, kann man das nicht dem Wettbewerb überlassen? Und wenn man es gesetzlich regelt, dann muss man fragen: Wird das nicht so kompliziert oder teuer, dass man den Zweck verfehlt? Diese generelle Prüfung gibt es noch nicht. Wenn man nach einem nächtlichen Beschluss des Rats der Regierungschefs vor Komplikationen warnt, wird man nicht gehört, weil jeder froh ist um den politischen Kompromiss. Aber ah, da ist wieder was passiert. Ja sagen Sie mal! 4:0 für Bayern!

Welt am Sonntag: Dringen Sie durch?

Stoiber: Viele meiner Vorschläge wurden ja schon umgesetzt. Meine Gruppe hat Einsparungen von 41 Milliarden Euro definiert, davon sind 30 Milliarden Euro schon realisiert.

Welt am Sonntag: Strukturreformen könnten befreiend wirken. Ein Argument, das die Regierungen in Spanien oder Griechenland kaum bemühen. Warum nicht?

Stoiber: Wir sind eine überregulierte Gesellschaft, ohne Zweifel. Das aufzulösen braucht Kraft und Entschlossenheit. Es ist halt bequemer, nichts zu tun.

Welt am Sonntag: In Ihrem Buch beschreiben Sie eine Szene, in der Sie mit wenig Risiko gewonnen haben: beim Skisprung. Eine Erfahrung fürs Leben?

Stoiber: Ich bin im Übungssprung weit geflogen, aber im matschigen Ziel gestürzt. Ich habe getrieft, und ich habe so viel Angst gehabt, dass ich im Wettbewerb nur einen Hopser gemacht habe. Gewonnen habe ich trotzdem, weil alle anderen ihre zwei Sprünge nicht gestanden haben.

Welt am Sonntag: Kann man in der Politik manchmal mit Nichtstun gewinnen?

Stoiber: Das war nie meine Politik und nicht die der CSU. Schauen Sie, es ist doch interessant, dass es vor allem Sozialisten waren, die die Probleme in den Krisenländern verursacht und geduldet haben: Sócrates in Portugal, Zapatero in Spanien. Für Italien sage ich nur: Bunga bunga.

Welt am Sonntag: Zurück zu Ihrem Mandat. Was wollen Sie erreichen?

Stoiber: Am Ende meines Mandats 2014 werde ich eine Schlussbetrachtung anstellen, so eine Art Vermächtnis: Ich möchte, dass dieser Bürokratieabbau stärker wird, professionalisiert wird und nicht mehr ehrenamtlich ausgeübt wird.

Welt am Sonntag: Und für Sie war’s das dann?

Stoiber: Für mich war’s das dann. Aber ich werde sagen: EU-Kommission, du brauchst ein Gremium wie den Normenkontrollausschuss in Deutschland. Unsere Gruppe untersucht in erster Linie bestehendes Recht. Ich möchte aber künftig generell vorher unabhängig prüfen lassen, ob es eine neue Rechtsvorschrift tatsächlich braucht und welche bürokratischen Folgen sie hat. Da ist die Kommission Barroso noch zurückhaltend, aber den Wunsch werden wir in Richtung der neuen Kommission äußern.

Welt am Sonntag: Die Kommission wird oft mehr als Verwaltungsbehörde denn als politischer Akteur gesehen. Ist das richtig?

Stoiber: Der europäische Gesetzgeber ist ein politisch motivierter Gesetzgeber. Ich habe nach der letzten Europawahl und vor der Berufung des neuen deutschen EU-Kommissars auch mit Roland Koch darüber gesprochen. Koch wollte nicht, weil er dachte, als Kommissar wäre er kein Politiker, sondern eine Art Oberministerialdirektor. Ich bin froh, dass mit Günther Oettinger ein Ministerpräsident diese Aufgabe übernommen hat, ein aktives politisches Schwergewicht. Denn ich glaube, die Kommission muss künftig noch politischer und deshalb übrigens auch kleiner werden. Der nächste Präsident – uh, da wird aber zugetreten … schauen Sie mal, wie der … jaa, jaa, das war aber ein schönes Tor!

Welt am Sonntag: Der nächste Kommissionspräsident?

Stoiber: Der nächste Kommissionspräsident sollte sinnvollerweise aus einem der großen Länder kommen, etwa aus Frankreich oder Deutschland.

Welt am Sonntag: Ihre Parteifreunde denken aber an den Polen Donald Tusk.

Stoiber: Polen, keine Frage, ist ein außerordentlich starkes europäisches Land geworden, wirtschaftsstark, reformstark. Auch Donald Tusk könnte ich mir vorstellen.

Welt am Sonntag: In der vorletzten Periode wollten Sie nicht nach Brüssel. Und Sie hätten sogar den Spitzenposten bekommen.

Stoiber: Das war eine Entscheidung aus innenpolitischen Gründen. 2003, nach einem großen Wahlsieg der CSU, da hatten wir die Hoffnung, dass die Regierung Gerhard Schröder nicht mehr lange überlebt, was dann ja auch 2005 so kam. Ich war damals der Meinung, dass ich nicht auf Vorschlag Schröders, auf Einladung des großen Kontrahenten, nach Brüssel gehen konnte. Die CSU wollte damals auch nicht auf mich verzichten.

Welt am Sonntag: Die Partei hat es Ihnen nicht gedankt, Sie sind vor fünf Jahren aus dem Amt gedrängt worden. Was haben Sie gemacht, dass Sie heute als Elder Statesman wahrgenommen werden, während sich niemand so recht für Ihre direkten Nachfolger interessiert?

Stoiber: Meine Regierungszeit war lang und gilt als erfolgreich. Ich habe nie nachgetreten, und ich habe nie ungebeten Ratschläge erteilt. Auf der anderen Seite haben viele Menschen eine Sehnsucht nach grundsätzlichen Positionen. Heute könnte ich jeden Tag bei einer anderen Veranstaltung in Deutschland und ganz Europa reden.

Abpfiff in Wolfratshausen: 4:0 für die Gastgeber. Der FC Bayern gewinnt mit 5:0.

Welt am Sonntag: Wir haben zwei Siegermannschaften verfolgt. Sie schreiben, die Faszination des Fußballs mache aus, dass auch der Schlechtere gewinnen kann. Gilt der Satz auch für die Politik?

Stoiber: Schon möglich. Der, der nicht offen sagt, was er will, die Leute mit Nebensächlichkeiten und Äußerlichkeiten zu gewinnen trachtet, der kann schon gewinnen. Vielleicht ist sein Gegenkandidat nicht so eloquent, hätte aber die besseren Ideen. Das ist auch in der Demokratie möglich.

Welt am Sonntag: War es so bei Ihnen gegen Schröder?

Stoiber: Das ist schwer zu sagen. Die historische Leistung Schröders ist die Agenda 2010. Hartz IV als Unionskanzler gegen den Widerstand der SPD zu machen, das wäre viel schwieriger gewesen. Aber mit mir als Kanzler hätten die Griechen ihre Konsequenzen ziehen müssen, nachdem sie offenkundig gefälschte Budgetzahlen vorgelegt hatten. Damals ist nicht gehandelt worden. Und ich hätte den Stabilitätspakt nicht wie Schröder infrage gestellt und aufgeweicht. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, und ich glaube, dass ich die bessere Politik gemacht hätte. Aber das ist lange vorbei.

Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article110311531/Wir-haben-schon-30-Milliarden-Euro-eingespart.html

Edmund Stoiber zu Gast bei BAYERN 3-Stars & Hits

Der Promi-Talk am Sonntagvormittag

Mit Thorsten Otto
9.00, 10.00, 11.00 BAYERN 3-Nachrichten
Als Podcast verfügbar

„Der trinkt nur Salbeitee, der ist ein Asket, der geht zum Lachen in den Keller – man muss mit diesen Klischees leben, aber sie entsprechen nicht der Person!“ 14 Jahre war Edmund Stoiber bayerischer Ministerpräsident. Der gebürtige Oberaudorfer machte nach seinem Jura- und Politikstudium eine rasante Karriere in der Politik: Zunächst Referent im Umweltministerium, bald CSU-Generalsekretär in Bayern, später Leiter der Staatskanzlei, Kanzlerkandidat. Mit 66 Jahren beendete er seine aktive Karriere als Politiker, seitdem berät er die EU-Kommission beim Bürokratieabbau.

Nun hat er auch ein Buch geschrieben. In „Weil die Welt sich ändert“ zieht Edmund Stoiber Bilanz und nimmt Stellung zu den wichtigen Fragen unserer Zeit.
Die einen schätzen ihn wegen seiner klaren Haltung, für die anderen ist er eine Reizfigur. Er ist ein Mann der klaren Worte, abersich selbst und die Welt humorvoll zu betrachten ist ihm wichtig: „Humor ist nicht immer das Mittel, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Aber er gehört zum Leben dazu – und auch zur Politik.“

Im Gespräch mit Thorsten Otto spricht der gebürtige Oberaudorfer über sein politisches Vorbild Franz-Josef Strauß, über seine schmerzlichste Niederlage und seine Fußballleidenschaft. Außerdem klären wir, warum er sich bei der legendären Transrapid-Rede nun wirklich so verrannt hat und ob es tatsächlich stimmt, dass ihm seine Ehefrau Karin schon mal die Kleidungsstücke nummeriert!

Den kompletten Radiobeitrag finden Sie hier als Podcast: Link

Quelle: http://www.br.de/radio/bayern3/programmkalender/sendung402242.html

Auszüge stammen aus dem Buch: „Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft – Erfahrungen und Perspektiven“ von Edmund Stoiber.  Das Buch ist unter anderem hier erhältlich: Link

Stoiber moniert Chancenverwertung

Edmund Stoiber hat nach der Niederlage von Bayern München im Champions-League-Finale im Kia Doppelpass auf SPORT1 mit der Chancenverwertung des FCB gegen Chelsea gehadert.

„Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass wir in der Chancenverwertung nicht so gut sind, wie wir sein müssten“, kritisierte der Vorsitzende des Verwaltungsbeirats beim Rekordmeister.

„Das ist mit die bitterste Niederlage, die wir je hinnehmen mussten“, erklärte der ehemalige bayrische Ministerpräsident auch im Vergleich zur die Last-Minute-Pleite der Bayern gegen Manchester United 1999.

Vor dem Spiel sei er „sehr überzeugt“ gewesen, „dass es dieses mal klappen wird. Wir hatten dieses Jahr eine bessere Mannschaft als 2010 und einen schlechteren Gegner als damals Inter.“

Trotz der bitteren Pleite erklärte Stoiber: „Wir haben eine gute Saison gespielt, sind Zweiter in der Bundesliga und trotz der Belastung ins Champions-League-Finale eingezogen.“

Keeper Manuel Neuer, der den späten Ausgleich durch Didier Drogba nicht mehr aus dem Winkel kratzen konnte, nahm er in Schutz: „Ihm kann man absolut keinen Vorwurf machen. Dieser Ball war unendlich scharf geköpft.“

Quelle: http://www.sport1.de/de/fussball/fussball_championsleague/newspage_561922.html

Stoiber baut auf FC Bayern im Champions League-Finale

München (dapd-bay). Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber setzt auf einen Sieg der Bayern gegen den FC Chelsea im Endspiel der europäischen Königsklasse am Samstag (19. Mai). „Bayern wird die Champions League gewinnen, weil wir in der Offensive mehr erstklassige Spieler haben, die immer für ein Tor gut sind“, sagte der ehemalige CSU-Parteivorsitzende dem „Bayernkurier“ laut Vorabbericht vom Mittwoch.

Die Euphorie, die den Verein und Millionen Fans auf der ganzen Welt vor diesem Finale gepackt habe, sei absolut einmalig.

Gleichzeitig warnte Stoiber davor, leichtsinnig zu werden: „Das Spiel gegen Chelsea wird etwas ganz Anderes als die Duelle mit Madrid. Ich erwarte einen extrem defensiven, sehr unangenehmen Gegner.“

Quelle: http://www.welt.de/newsticker/news3/article106325427/Stoiber-baut-auf-FC-Bayern-im-Champions-League-Finale.html

„Die Bayern haben noch nie so gut gespielt“

Bayern Münchens Aufsichtsrat Edmund Stoiber spricht mit „Welt Online“ über das Lagerfeuer Fußball und einen Transfer von Lionel Messi.

Welt am Sonntag: Herr Dr. Stoiber, Sie sind seit 45 Jahren Mitglied des FC Bayern München. Vergeht ein Tag, an dem sich nicht an Fußball denken?

Ganz selten. Dafür interessiere ich mich viel zu sehr für diesen Sport. Ich informiere mich über Fußball in ganz Europa.

Welt am Sonntag: Wie ist Ihre Liebe zum Fußball entstanden?

Ich war sieben Jahre alt, als mein Vater mich zum ersten Mal mit zum Fußball nahm, zu einem Spiel der FV Oberaudorf in unserem Heimatort. Von diesem Tag an hat mich Fußball interessiert.

Ich habe selbst bis ins Studentenalter in verschiedenen Vereinen gespielt, war aber leider nur begrenzt begabt. Für mich war es trotzdem immer der Sport schlechthin.

Welt am Sonntag: Waren Sie Verteidiger oder Stürmer?

Die guten Spieler haben vorn gespielt. Ich war meist Verteidiger. Sicher war ich nicht der Beste, aber wohl der Leidenschaftlichste. Ich war mehr Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck als Beckenbauer (lacht).

Welt am Sonntag: Wie wurden Sie zum Fan des FC Bayern?

Bayern München ist mir aufgefallen, weil es einer der wenigen Vereine war, der einen Landesnamen trug. Das hat mich neugierig gemacht. Es war für mich zunächst aber nicht möglich, ein Spiel in München zu sehen, das war zu teuer und zu weit weg. Mit 14 Jahren bin ich zum ersten Mal mit meinem Vater ins Grünwalder Stadion gefahren. Bayern spielte gegen Ulm, und mir ist gleich der Stürmer Erich „Witschi“ Hahn aufgefallen. Er hätte einer der besten werden können, der je für die Bayern gespielt hat. Ihm fehlte nur der nötige Ernst. Zur zweiten Halbzeit ist er nicht mehr erschienen, weil er zum Trabrennen gegangen ist. Und einige Jahre später ist dann etwas passiert, was mich tief traf.

Welt am Sonntag: Was?

Bayern München wurde nicht in die Bundesliga aufgenommen. Der Erste der Oberliga Süd war 1860 München, mein Klub musste in der Zweiten Liga anfangen.

Welt am Sonntag: Sie blieben dennoch Fan. Was macht den Mythos FC Bayern aus?

Der Verein bewegt die Nation. Die Hälfte der Deutschen freut sich über seine Siege, die andere Hälfte über seine Niederlagen. Was oft vergessen wird: Der FC Bayern hat sich alles hart erarbeitet. Welcher Klub schafft es schon, so lange in der Spitze mitzuspielen? Mönchengladbach und Bremen haben es über Jahre geschafft, nicht aber über Jahrzehnte. Und immer wieder haben die Bayern Geschichte geschrieben, wie die goldene Generation um Franz Beckenbauer und Gerd Müller.

Welt am Sonntag: Die aktuelle Mannschaft erhält viel Lob. Kann sie so stark werden wie die aus den 70ern?

Ich verfolge den FC Bayern seit den späten 50er-Jahren. Und meiner Meinung nach hat er noch nie so kompakt und so gut Fußball gespielt wie derzeit.

Welt am Sonntag: Woran liegt das?

Wir hatten oft überragende Spieler Paul Breitner, Lothar Matthäus oder Oliver Kahn. Aber die technische Brillanz und Geschlossenheit der gesamten Mannschaft war nie so groß wie jetzt. Die Spielkultur ist die höchste in meiner Zeit als Bayern-Fan. Selbst Franck Ribery arbeitet mich nach hinten.

Welt am Sonntag: Ein Verdienst von Trainer Jupp Heynckes?

Zweifelsohne. Sein Vorgänger Louis van Gaal hat seine Verdienste, aber er ist eben menschlich außerordentlich schwierig. Zum Leistungsprinzip gehört auch ein Stück Gemeinschaftssinn. Ich glaube dass Führung heute anders funktioniert als sich das van Gaal vorstellt.

Welt am Sonntag: Was genau meinen Sie?

Branko Zebec oder Hennes Weisweiler – das sind Trainer, die letztlich keinen Widerspruch geduldet haben, und bei van Gaal war das auch ein Problem. Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Mario Gomez oder Thomas Müller sind aber Menschen, die sich einbringen wollen. Die Ideen haben. Und auf die sollte ein Trainer eingehen. Heynckes tut das.

Welt am Sonntag: Viele sagen: Mit ihm ist beim FC Bayern Ruhe eingekehrt. Das dürfte Sie als Aufsichtsrat freuen.

Wir haben eine starke Führung. Es läuft sehr harmonisch, wir sind finanziell sehr gut aufgestellt. Im Aufsichtsrat gibt es wirtschaftliche Kompetenz in hohem Maße. Die Mitglieder des Gremiums verbindet die Leidenschaft zum Fußball, sie können mit Martin Winterkorn von Volkswagen und allen anderen hervorragend über Taktik und Spieler sprechen. Aber soll ich Ihnen sagen was das Entscheidende ist?

Welt am Sonntag: Gern.

Die Leidenschaft zum Fußball vernebelt nicht den Blick und die Beurteilung der Zahlen. Für den Aufsichtsrat sind die Bilanzen immer das Entscheidende. So ein Verein muss seriös geführt werden.

Welt am Sonntag: In Europa gibt es auch andere Beispiele: Bayerns Champions-League-Gegner Manchester City hat trotz Schulden vor der Saison rund 80 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben.

Unser Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kämpft schon lange dafür, dass das Financial Fair Play eingeführt wird. Jetzt kommt es, und das ist der richtige Weg. Auch das macht den FC Bayern aus, dass er sich der Probleme im europäischen Fußball annimmt. Seine Stimme hat Gewicht, was vor allem an Rummenigge und natürlich an Uli Hoeneß liegt.

Welt am Sonntag: Wünschen Sie sich Hoeneß in der Politik?

Er ist ein sehr politischer Mensch. Uli Hoeneß wäre für jedes Kabinett eine Bereicherung.

Welt am Sonntag: Sind Sie dabei ihn zu überreden?

Das habe ich nie getan. Und verbindet seit vielen Jahren eine Freundschaft. Als er noch Manager des FC Bayern war habe ich ihm gesagt: Dieser Job ist mein Traumjob. (lacht)

Welt am Sonntag: Sein Traum ist das Finale der Champions League 2012 in München.

Ich vergleiche den FC Bayern mit dem FC Barcelona. Er hat eine ähnliche Spielweise. Gut, wir haben vielleicht keinen Lionel Messi. Und um ins Finale zu kommen muss man an Riesen-Mannschaften wie Real Madrid, Manchester United oder AC Mailand vorbei. Doch die Voraussetzungen sind gut, wir dürfen träumen. Denn das Finale kommt so schnell nicht wieder nach München.

Welt am Sonntag: Jupp Heynckes hat kürzlich betont, er wünscht sich pro Saison zwei Topstars für den FC Bayern. Wenn er Ihnen bald einen Zettel hinlegt auf dem der Name Messi steht und er ihn kaufen will – stimmen Sie dem Transfer zu?

Xavi, Andres Iniesta, Messi – das sind großartige Spieler. Aus meiner Sicht sind wir derzeit so gut besetzt, dass wir da nicht unbedingt sofort etwas machen müssen. Aber sportlich ist das eine Sache des Vorstands.

Welt am Sonntag: Und aus finanzieller Sicht?

Ist solch ein Messi-Transfer wohl kaum darstellbar. Mit Franck Ribery und Arjen Robben sind wir schon in eine besondere Liga eingestiegen. Das sind Weltklassespieler. Aber man sieht gleichzeitig, dass gute Nachwuchsarbeit sehr viel wert ist. Wie Bastian Schweinsteiger sich sportlich und menschlich entwickelt hat ist beachtlich. Auch Thomas Müller. Das sind Spieler für große Spiele. Für ganz große Spiele.

 Welt am Sonntag: Was ist Ihr Traum vom FC Bayern?

Wenn alles so bleibt, bin ich außerordentlich glücklich. Der FC Bayern steht sportlich und wirtschaftlich exzellent da. Und: Der Verein hat sein Image vom Klub der Millionarios abgelegt, sich gewandelt.

Welt am Sonntag: Zu was?

Zu einem Verein mit Herz. Der nicht nur den kalten Erfolg anstrebt. Der Verein hat eine soziale Affinität. Nehmen Sie nur Breno, wie sich der FC Bayern um ihn kümmert. Gleichzeitig gilt aber immer: Man darf nie stehen bleiben.

Welt am Sonntag: Inwiefern?

Nehmen Sie die Herausforderung Asien: Fußball ist in China inzwischen der Sport Nummer eins und wächst auch im Cricket-Land Indien. Da müssen wir aufholen. Real Madrid, der FC Barcelona und Manchester United vermarkten sich dort schon lange. Die Marke FC Bayern kann dort Fußball-Botschafter Deutschlands sein. Die Fragen sind: Wie können wir uns in China stärker verankern? Gibt es vielleicht einmal einen chinesischen Spieler, der in der Bundesliga mithalten kann? So wie es Borussia Dortmund mit dem Japaner Shinji Kagawa geschafft hat.

Welt am Sonntag: In politischen Reden benutzen Sie gern Fußball-Metaphern. Wie sehr kann der Sport positiv auf unsere Gesellschaft wirken?

Der Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Das ist eines der letzten Lagerfeuer, an denen Menschen jeden Alters und jeder Schicht zusammenkommen. Dieser Sport ist für den emotionalen Haushalt von 40 bis 50 Millionen Deutschen sehr wichtig, er ist für viele Menschen ein Ventil. In der Welt verändert sich so vieles so schnell, da ist der Fußball eine Konstante im Leben. Und er zeigt: Ohne Leistung kann man ein Land nicht nach vorn bringen. Man muss auch Erster werden wollen.

Welt am Sonntag: Der Leistungsdruck hat aber auch negative Seite, wie zuletzt das Beispiel Ralf Rangnick zeigte. Er trat wegen eines drohenden Burnouts als Trainer von Schalke 04 zurück.

Dieses Problem haben viele in unserer Gesellschaft: Lehrer, Angestellte und Manager. Das macht vor dem Fußball keinen Halt, hier ist der Leistungsdruck unendlich. Und oft wird die langfristige Arbeit wegen kurzfristiger Erfolglosigkeit nicht anerkannt. Der Sport ist da gnadenlos. Ich wünsche Ralf Rangnick alles Gute. Und ich bin sicher, dass er wiederkommen wird.

Interview: Julien Wolff

Quelle: http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article13691813/Die-Bayern-haben-noch-nie-so-gut-gespielt.html