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Edmund Stoiber zum Tod von Michael Spreng:

Ich trauere um Michael Spreng. Mit seinem ungewöhnlichen strategischen Scharfsinn und einem sicheren Gespür für die politische Mitte hat er meinen Kanzlerwahlkampf 2002 maßgeblich mitgestaltet. Als Spitzenjournalist, vor allem natürlich als langjähriger Chefredakteur der BILD am Sonntag, hat er sein erstklassiges Netzwerk und seine außerordentlichen Erfahrungen als politischer Beobachter erfolgreich in den Dienst meines Wahlkampfs gestellt. Es war auch sein Verdienst, dass die Union – vier Jahre nach ihrer dramatischen Niederlage 1998 – in der Wählergunst deutlich zulegte und mit 38,5 Prozent auf Augenhöhe mit der SPD kam. Zum Spitzenplatz fehlten bei fast 48 Millionen Stimmen gerade einmal 6000! Damit legte er auch eine Grundlage für spätere Wahlerfolge der Union. 

Michael Spreng war Vater der TV-Duelle zwischen Gerhard Schröder und mir und begründete damit die Tradition der Kanzlerduelle bei Bundestagswahlen. Viele rieten mir damals davon ab, war Schröder doch ein begnadeter Kommunikator und ich galt eher als Aktenmensch. Aber Spreng hat die Duelle durchgesetzt und mich auch intensiv vorbereitet. Er konnte Schröder so gut imitieren, dass ich ihm nach den Sendungen anerkennend sagte, er sei eine größere Herausforderung gewesen als das Original! Die TV-Duelle waren für mich ein großer Erfolg: Beide Male sahen rund 15 Millionen Menschen zu und ich hatte mich nach allen Umfragen besser geschlagen als erwartet.

Auch nach dem Ende unserer gemeinsamen Wahlkampfzeit hat mich Michael Spreng mit seinen politischen Äußerungen und Ratschlägen begleitet. Das politische Deutschland ist mit seinem Tod ärmer geworden. Seine meinungsstarke, selbstbewusste und oft konfliktfreudige Kommentierung des politischen Geschehens wird uns fehlen.

Stoiber beendet Anti-Bürokratie-Beratung für die EU

Nach acht Jahren beendet der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber seine Tätigkeit als Anti-Bürokratie-Ratgeber bei der EU in Brüssel. Der Grund: Stoiber sieht seine zentralen Vorschläge inzwischen umgesetzt, so dass es aus Sicht des CSU-Ehrenvorsitzenden keinen Bedarf für seine Beratung mehr gibt.Er stelle trotz gelegentlicher Rückfälle „ein grundsätzlich neues Denken fest“, schreibt Stoiber in einem Brief an Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. „Nicht alles muss in Brüssel geregelt werden, was dort geregelt werden kann.“ Deshalb könne er guten Gewissens bitten, sein Mandat im März auslaufen zu lassen.

So hatte Juncker unter anderem Stoibers Vorschlag aufgegriffen, vor jede Initiative für eine neue Vorschrift einen „Bürokratie-Check“ zu stellen. Stoiber hatte zunächst sieben Jahre eine „High Level Group“ der EU zum Bürokratieabbau geleitet, zuletzt war er noch Sonderberater. Beide Ratgebertätigkeiten waren ehrenamtlich.

Dass der bekannt arbeitsfreudige Stoiber sich in sein heimisches Wohnzimmer zurückzieht, steht nicht zu befürchten. Beim FC Bayern ist er sowohl Leiter des Verwaltungsbeirats als auch Mitglied des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG. Außerdem leitet Stoiber Beiräte bei ProSiebenSat.1, der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte sowie der Privatbank Donner & Reuschel und ist Präsidiumsmitglied des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums.

Quelle: http://focus.de/regional/muenchen/leute-stoiber-beendet-anti-buerokratie-beratung-fuer-die-eu_id_5158421.html