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Stoiber: Seehofers Asylplan ist Schicksalsfrage für Union

Der CSU-Ehrenvorsitzende und frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sieht im Asyl-Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine nicht verhandelbare Schicksalsfrage für die Union. „Hier geht es um die politische Substanz der CSU, aber auch um die Umsetzung des Mehrheitswillens der Bevölkerung“, sagte Stoiber der Münchner „tz“ (Mittwoch).

„Jeder, der Seehofers Masterplan blockiert, nimmt den seit 2015 massiv spürbaren Autoritätsverlust des Rechtsstaats weiter in Kauf“, sagte Stoiber. Der AfD werde damit ein Einfallstor für Polemik und Hetze geschaffen, das der Demokratie schade. Die deutsche Asylpolitik müsse grundsätzlich geändert und den Standards der anderen europäischen Länder angenähert werden. Andernfalls werde dem existierenden Misstrauen gegen den Rechtsstaat weiter Vorschub geleistet.

Über die Möglichkeit zur Zurückweisung von Flüchtlingen an der deutschen Grenze ist im Bund ein massiver Streit zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Seehofer entbrannt. Der Plan Seehofers sieht nach Medieninformationen vor, Migranten zurückzuweisen, die bereits in einem anderen europäischen Land als Asylsuchende registriert sind.

Scharf kritisierte Stoiber auch die Kanzlerin: „Die Entscheidung von Innenminister de Maizière und Bundeskanzlerin Merkel aus dem Jahr 2015, auf Zurückweisungen an der Grenze zu verzichten und jedem Asylbewerber ein volles Verfahren in Deutschland zu gewähren, hat unser Land nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch verwaltungsmäßig völlig überfordert. Eine Herrschaft des Rechts war das jedenfalls nicht.“

Quelle: rtl.de

Kann die Regierung am Asylstreit scheitern? Das sagt Edmund Stoiber dazu

Seehofer stellt sich gegen Merkel

Drei Monate ist die neue schwarz-rote Regierung gerade alt – und schon wieder gibt es in der Union Zoff wegen der Asylpolitik. Jetzt hat sich der bayerische Ex-Ministerpräsident geäußert.

Die Lage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird unbequem. Es geht schon wieder um die Asylpolitik. Ihr Innenminister Horst Seehofer (CSU) will, dass die Bundespolizei einen Teil der Asylbewerber gleich an der Grenze zurückweist. Merkel will dagegen in der EU weiter für eine europäische Lösung kämpfen. In ihrer eigenen Fraktion kämpft sie am Dienstag allein. In der Sitzung gibt es viel Zuspruch für Seehofers Ideen – und zwar auch von Abgeordneten der CDU. Niemand ergreift das Wort, um Merkels Linie zu verteidigen.

Fast sieht es so aus, als ob der Union eine Wiederauflage des quälenden Asylstreits nach der Flüchtlingskrise 2015 bevorstünde, die Merkel fast die Macht und CDU und CSU viele Prozentpunkte bei der Bundestagswahl gekostet hat. Könnte vielleicht sogar die Regierung an der neuen Auseinandersetzung zwischen Kanzlerin und Innenminister scheitern?

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt lässt offen, ob Seehofer sein politisches Schicksal mit der Frage verknüpft, ob er die von ihm verlangte Zurückweisung an der Grenze durchsetzen kann.

Wie der CSU-Ehrenvorsitzende und frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zu tz.de sagte, hängt die Messlatte sehr hoch. „Hier geht es um die politische Substanz der CSU, aber auch um die Umsetzung des Mehrheitswillens der Bevölkerung.“

Quelle: https://www.tz.de/politik/kann-regierung-am-asylstreit-scheitern-sagt-edmund-stoiber-dazu-zr-9947090.html

„Der Titel wäre für Uli Hoeneß“

Basketballfan und Ex-Ministerpräsident Stoiber über das erfolgreiche Projekt des FC Bayern und seinen ehemaligen Chef

Von Marcel Friederich

In Rosenheim hat Edmund Stoiber (72) einst selbst Basketball gespielt, die Passion lebt er noch heute aus. Bei Heimspielen des FC Bayern München ist der ehemalige Ministerpräsident fast immer als Zuschauer in der Halle zu sehen. So auch heute Abend, wenn es für die Bayern im fünften Play-off-Match gegen Oldenburg um den Einzug ins Meisterschaftsfinale geht (19.30 Uhr, Sport1). Im Interview spricht das Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern München über die Aussichten, eine deutliche Etaterhöhung und Uli Hoeneß‘ Haftstrafe.

Die Welt:

Fast bei jedem Heimspiel der Bayern-Basketballer sieht man Sie mitfiebern. Woher kommt Ihre Leidenschaft?

In meiner Jugendzeit habe ich selbst Basketball gespielt. Das war in der Schulmannschaft auf dem Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim. Mein großer Vorteil war die Körpergröße: Mit 13, 14 Jahren bin ich schon fast 1,80 Meter lang gewesen. Die anderen Jungs waren kleiner, sodass ich besonders unter dem Korb stark war.

Warum sind Sie dann kein Profi-Basketballer, sondern Politiker geworden?

Leider fehlte mir die Grundschnelligkeit. Mit Mühe bin ich die 100 Meter zwischen 12,7 und 13 Sekunden gelaufen. Für den Spitzensport war das viel zu langsam. Außerdem gab es während meiner Jugendzeit in den 50er-Jahren nur ganz wenige Basketballplätze und Hallen. Damals ist man fast automatisch zum Fußball gekommen.

Doch inzwischen ist Basketball in München eine echte Hausnummer geworden …

Voll und ganz. Nach dem Aufstieg 2011 haben wir jetzt erstmals Platz eins nach der Hauptrunde erreicht. In der Euroleague, der Königsklasse des Basketballs, standen wir unter den besten 16. Den Einzug ins Viertelfinale haben wir nur knapp verpasst. Sehr gute Spieler kommen gerne zu uns, zum Beispiel Malcolm Delaney, der uns als Sprungbrett in die NBA sieht. Dazu hat sich ein sehr lautstarkes und auch fachkundiges Publikum von über 6000 Zuschauern pro Spiel etabliert. Basketball ist definitiv angekommen in München. Jetzt wollen wir unbedingt ins Finale einziehen und den Meistertitel holen.

Allerdings müssen die Bayern heute Abend noch zum entscheidenden Halbfinalspiel gegen Oldenburg antreten. Dagegen hat Alba Berlin das Finalticket schon gebucht…

Sollten auch wir uns durchsetzen, wäre das ein Traumfinale. Jedes Mal, wenn München und Berlin aufeinandertreffen, ist sehr viel Dynamik, sehr viel Schmackes im Spiel. Das ist nicht nur FC Bayern gegen Alba, das ist Süden gegen Norden, Bayern gegen Preußen – da kommen viele Dinge zusammen.

Wo würde das Team die Meisterschaft feiern?

Das weiß ich nicht. Aber ich persönlich finde, dass man eine Feier auf dem Marienplatz, wie es die Fußballer machen, nicht einfach nur kopieren sollte.

Hätten Sie Angst, dass sich auf den Marienplatz nur wenige Fans verirren?

Nein, das nicht. Ich glaube schon, dass man dort auch 10.000 Basketball-Anhänger versammeln könnte. Aber ich finde, dass unsere Basketballer lieber eine eigene Note setzen sollten – vielleicht mit einem rauschenden Fest im Audi Dome.

Um international konkurrenzfähig zu sein, wird der Audi Dome, die ehemalige Rudi-Sedlmayer-Halle, perspektivisch aber nicht ausreichen.

Das stimmt. Deshalb gibt es Pläne, neben dem Olympiastadion eine große, topmoderne Arena zu bauen. Diese soll von Red Bull finanziert und von unseren Basketballern sowie dem Eishockey-Klub Red Bull München genutzt werden. Dort sollen 15.000 oder 16.000 Zuschauer hineinpassen.

Dies wäre der nächste Schritt, um die Bayern auf eine Stufe mit Real Madrid oder den FC Barcelona zu bringen?

Dafür ist schon noch einiges zu tun. Momentan haben wir einen Jahresetat von etwa elf bis zwölf Millionen Euro. Für die deutsche Bundesliga ist das gut, aber international sind wir klar zurück. Der Etat von Real Madrid ist drei- bis viermal so hoch, etwa um die 40 Millionen Euro.

Uli Hoeneß war der große Förderer des Basketballs beim FC Bayern. Wird das Projekt auch ohne ihn weitergeführt?

Basketball ist ein großartiges Kind des FC Bayern. Natürlich wurde es entscheidend gezeugt durch Uli Hoeneß. Aber man darf dabei die großartige Vorarbeit des damaligen Vizepräsidenten Bernd Rauch nicht vergessen. Inzwischen wird der Basketball von allen Verantwortlichen des Vereins als zweites großes Standbein neben dem Fußball angesehen. Unser neuer erster Vizepräsident Rudolf Schels, der für die Basketballer hauptverantwortlich ist, kümmert sich vorbildlich darum. Es geht mit derselben Intensität weiter, wie es unter Uli Hoeneß begonnen hat. Nun drängt sich bei uns sogar die Frage auf, ob die Basketballer irgendwann Teil der Aktiengesellschaft werden.

Trotzdem: Wie sehr schmerzt den Verein die Haftstrafe von Hoeneß?

Es ist für Uli in besonderem Maße, aber natürlich auch für den ganzen Verein sehr bitter, dass er für die nächsten dreieinhalb Jahre ins Gefängnis muss. Wir müssen abwarten, ob oder wie ihn diese Zeit verändern wird. Er weiß, dass er einen schweren Fehler begangen hat, der sein Leben stark verändert. Aber es ist eben auch ein Zeichen eines starken Vereins, wenn eine wichtige Persönlichkeit ausfällt, dass andere nachrücken und die Sache weiterführen.

Sollten die Bayern Basketballmeister werden, wäre dieser Titel besonders Uli Hoeneß gewidmet?

Ja. Diese Meisterschaft wäre ein Verdienst von Uli. Den aktuellen Erfolg des FC Bayern im Basketball verbindet man außerordentlich stark mit seinem Namen. Natürlich steht Uli in erster Linie als Münchner Fußballgröße in den Geschichtsbüchern – als Spieler, als Manager und als Präsident. Aber Fakt ist auch: Ohne ihn hätte es den Aufschwung der Basketballer nie gegeben.

Quelle: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_sport/article128736423/Der-Titel-waere-fuer-Uli-Hoeness.html